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Gemeinde

Hier will niemand Bürgermeister werden

Wer wird der Nachfolger von Bürgermeister Josef Peutler, der 2020 aufhört? Die Parteien in Bach haben sich längst aufgelöst.
von Walter Schiessl

Josef Peutler hört 2020 auf. Die Suche nach einem Nachfolger ist alles andere als leicht. Foto: Schießl,
Josef Peutler hört 2020 auf. Die Suche nach einem Nachfolger ist alles andere als leicht. Foto: Schießl,

Bach.Die Gemeinde Bach ist eine ganz besondere. Denn dort gibt es zwar einen zwölfköpfigen Gemeinderat, dessen Mitglieder ebenso wie Bürgermeister Josef Peutler allesamt der Christlichen Bürgervereinigung angehören, aber einen CSU-Ortsverband oder gar einen SPD-Ortsverband findet man in der 1900 Einwohner zählenden Gemeinde nicht mehr. Beide sind längst aufgelöst. Dementsprechend schwierig gestaltet sich auch die Suche nach einem Nachfolger für Josef Peutler, der 2020 im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand treten wird. Kandidaten gibt es bislang noch keine. „Die Suche wird auch sehr schwer werden“, sind sich Kenner der Bacher Szene einig.

Sollten es die Bacher nicht schaffen, einen Nachfolger ins Amt zu berufen, stünden vom Gesetz her die Bürger in der Pflicht, die dann bei einer weiteren Wahl einen Namen auf einen Zettel zu schreiben hätten. Der mehrheitlich genannte Bacher müsste dann drei Monate lang die Gemeinde leiten, ehe dann wieder Neuwahlen anstünden. „Von uns hofft keiner auf eine solche Lösung“, sagen die Bacher schon mal.

Bei früheren Wahlperioden war das noch anders. „Damals“, so sagt Bürgermeister Josef Peutler, der 2002 bei der Wahl gegen den Amtsinhaber Xaver Schuller überraschend gewann, „hatte man noch einen CSU- und Jahre zuvor einen SPD-Ortsverband“. Das hing bei der SPD mit Lehrer Karlheinz Scheuchengraber und bei der CSU lange Jahre mit Hans Landsmanne zusammen, erinnert sich Karl Störr, lange Feuerwehr-Chef der Gemeinde. Kommunalpolitisch seien das natürlich andere und bewegendere Zeiten gewesen.

Ehrenamtliche Bürgermeister bekommen zwar kein Gehalt, aber je nach Größe der Gemeinde eine monatliche Entschädigung:

Das verdienen ehrenamtliche Bürgermeister

Die Wahlen im Jahr 2002 dürften eine große Rolle am Niedergang der beiden Volksparteien im kleinen Bach gespielt haben. Josef Peutler, der damals 49 Jahre alt war und auf Seiten einer Christlichen Bürgervereinigung (CBV) ins Rennen gegangen war, schlug Xaver Schuller (damals 73), der für die CSU kandidiert hatte. Bereits 1996 war Peutler gegen Schuller angetreten, hatte aber ganz knapp verloren. Die SPD hatte damals schon keine Liste mehr zusammengebracht. Sechs Jahre später schickte die CSU Ernst Schrödl ins Rennen ums Bürgermeisteramt, doch er verlor gegen Peutler, der dann 2014 noch einmal antrat. Diesmal gab es keinen Gegenkandidaten mehr.

Umbau des Rathauses steht an

Josef Peutler, der 2020 definitiv nicht mehr antreten wird, obwohl er – als nebenamtlicher Bürgermeister – das noch dürfte, sagt, er hätte nie geglaubt, 18 Jahre lang die Geschicke der kleinen Gemeinde lenken zu dürfen. „Das hat mir natürlich schon Freude gemacht“, sagt der frühere Bautechniker, der bis 2008 in Diensten der Bundesbahn war. Aber es habe auch Momente gegeben, da habe es durchaus auch mal bereut, das Bürgermeisteramt jemals angetreten zu haben.

Peutlers Einstieg in die Kommunalpolitik erfolgte früh. 1978 wurde er zum ersten Mal in den Gemeinderat gewählt, damals noch in die CSU, der er heute auch noch angehört. Doch 1996, vor seiner ersten Bürgermeister-Kandidatur, kam es zu unschönen Szenen bei der Aufstellungsversammlung in der CSU, bei der Peutler, der innerparteilich gegen Xaver Schuller antreten wollte, nicht einmal die Gelegenheit gegeben wurde, sich den Mitgliedern vorzustellen. „Das war dann letztendlich die Geburtsstunde der Christlichen Bürgervereinigung“, sagt er heute. Seitdem agierte der Kommunalpolitiker unter der Regie der CBV, einer Vereinigung, die nur vor den Wahlen aktiv wird.

Nachdem sich dann in den Ortsparteien der früher großen Parteien nichts mehr tat, wurden beide den Nachbarorten zugeschlagen. Die CSU-Mitglieder wurden in Wiesent integriert, die SPD-Leute kamen zu Donaustauf. Einzig einen Ortsverband der Frauen-Union gibt es noch.

„Im Schnitt arbeite ich 40 bis 45 Stunden in der Woche.“

Bachs ehrenamtlicher Bürgermeister Josef Peutler

Peutler zählt zu den Schwerpunkten seiner Arbeit den Bau von Wasserleitungen, Hochwasserschutz, des Dorfhauses Frengkofen, der Begegnungsstätte Frengkofen sowie den Umbau der Rathauses, der noch heuer in Angriff genommen werden soll. Der Sitzungssaal und das Bürgermeisterzimmer werden in das Erdgeschoss verlegt, in die jetzigen Räume werden dann Wohnungen gebaut.

Erfahrungen sind wichtig

Doch wie geht es nach 2020 weiter? „Das steht noch in den Sternen“, sagt Ernst Schrödl (68), der zusammen mit Dr. Andreas Eibl, Otto Maier (den 2. und 3. Bürgermeistern) wohl nicht wieder für den Gemeinderat kandidieren wird, Kandidaten seien laut Schrödl derzeit noch keine ersichtlich. Zunächst aber sei seiner Meinung nach die CBV gefragt, die einzige Organisation, die im Ort überhaupt noch bestehe. „Die tun sich natürlich am leichtesten“, sagt Ernst Schrödl, der ein wenig darauf hofft, dass Josef Peutler sich ins Zeug legen könnte, um einen geeigneten Nachfolger zu finden. Dieser sagt, es wäre natürlich am besten, einen Kandidaten zu benennen, der schon Erfahrungen aus der Gemeinderatszeit mitbringt. Denn so aus dem Stand, ohne sich in der Kommunalpolitik auszukennen, sei das eigentlich kaum möglich, sagt er.

Ganz Bach hofft nun darauf, dass die Kandidatensuche von Erfolg gekrönt sein solle. „Im anderen Fall würden wir ja zum Gespött in Bayern“, sagten die Bewohner des Ortes.

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