MyMz
Anzeige

Naturschutz

Teure Investition am Altwasser

Aus dem Bacher Gewässer wird Schlamm gesaugt und dann gereinigt. Dafür werden 2,7 Millionen Euro ausgegeben.
von Walter Schiessl

Der getrocknete Schlamm ist ein gutes Material für die Böden. Foto: Schiessl
Der getrocknete Schlamm ist ein gutes Material für die Böden. Foto: Schiessl

Bach. Eine aufwendige Maßnahme läuft bis zum September im Bacher Altwasser. Dort lässt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt eine Fläche von 23 000 Quadratmetern von Schlamm und Sedimenten befreien. Das geschieht mittels modernster Technik, die das matschige Gemisch so trocken macht, dass es nach getaner Arbeit teilweise direkt in die Deponie gefahren werden oder als fruchtbarer Grund genutzt werden kann. Für die Maßnahme, die bis in den Herbst dauern wird, müssen 2,7 Millionen Euro aufgewendet werden.

Das Altwasser entstand einst bei der Begradigung der Donau Anfang der 80er Jahre. Damals ließ man einen Nebenarm des Flusses mehr oder weniger von der begradigten Donau, für die gerade die Staustufe Geisling angelegt worden war, vom Wasser „Abschneiden“, um Tieren und Pflanzen einen natürlichen Lebenraum zu bieten, aber um ein Regenrückhaltebecken zu haben. Von der Entlandung, wie die Maßnahme im Fachjargon heißt, profitieren die Fische, die in Zukunft einen wesentlich größeren Lebensraum haben werden.

Aufwendiger Reinigungsprozess

Das war vor 40 Jahren. „Natürlich verlandete das Wasser im Laufe der Zeit“, sagt Thorsten Ernst, im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Regensburg für den Bereich zwischen Kelheim und der österreichischen Grenze zuständig. Die Funktion als Regenrückhaltebecken ist schon längere Zeit nicht mehr gegeben, sagt der Bauingenieur. Allein schon deshalb war es erforderlich, das Altwasser vom Schlamm, der sich im Laufe der Jahre immer mehr abgelagert hatte, zu befreien. Glücklicherweise, so Thorsten Ernst, gebe es heute neue Möglichkeiten dafür.

Mit dem Amphibienfahrzeug erfolgt das Absaugen des Schlamms. Foto: Schiessl
Mit dem Amphibienfahrzeug erfolgt das Absaugen des Schlamms. Foto: Schiessl

In den vorangegangenen Jahren hatte man auf das Anlegen von Spülfeldern zurückgegriffen, was – so Thorsten Ernst – keine sehr gute Lösung gewesen sei. Dabei wurde der aus den Flüssen herausgebaggerte Schlamm auf Feldern deponiert, was zu Geruchsbelästigungen der Anwohner und zu Beeinträchtigungen in der Bodenqualität führte.

Inzwischen gibt es neue Methoden, die mehrere Firmen anbieten. Dabei werden mobile Anlagen eingesetzt, die den Schlamm und die Sedimente, aus dem Gewässer mittels eines Systems von einer Art Staubsauger aus dem Wasser absaugen. Von dort werden die Teile in eine hochtechnische Reinigungsanlage gepumpt, dort wird das Material bearbeitet und schließlich als trockenes Endprodukt auf Container deponieret. „Von da an“, sagt der Ingenieur des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts, kann es entweder, wenn organische Bestandteile drin sind, auf Deponien verfrachtet, oder wenn nicht, dann als wertvolles Bodenmaterial aufgebracht werden.

Robert Breher ist seit 40 Jahren in Diensten der Firma Sülzle Klein aus Rheinland-Pfalz, und war, wie er sagt, schon auf der ganzen Welt im Einsatz. „Aber hier in Bach ist es ein sehr schönes Arbeiten“, sagt er und fügt an, dass das Einholen des Schlamms über eine Art kleines Boot erfolge, an dem die Absaugeinrichtung befestigt sei. Von dort kann bis zu einer Tiefe von mehreren Metern der Schlamm abgesaugt werden, der dann über eine bis zu 70 Meter lange Rohrleitung zur Reinigungsanlage gesaugt wird. Das Gemisch wird über eine Schneidschnecke, die langsam am Boden rotiert, und mit dem Amphibienfahrzeug in die Anlage geleitet. Dort setzt der aufwendige Reinigungsprozess ein.

Insgesamt werden 17 000 Kubikmeter Schlamm aus dem Bacher Altwasser bis zum September gesogen. Zum Teil wird das Material dann mit einem Sand-Kies-Gemisch aufgebessert und wieder verwendet. Später wird das Ufer im nördlichen Bereich des Bacher Altwassers mit einer technisch-biologischen Ufersicherung, einem sogenannten Buschkistenverbau, ähnlich wie an deutschen Küsten, stabilisiert und mit dem aufbereitetem Material verfüllt, lässt Thorsten Ernst wissen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt legt großen Wert auf die streng geschützten Arten wie den Biber und die gelbe Teichrose.

Maßnahme im November vorbei

Während die Arbeiten am Bacher Altwasser – so die jetzigen Planungen – im September abgeschlossen sein sollen, sind anschließend die als Biotope eingestuften Gewässer „Nebelloch“ und „Gierster Tümpel“ an der Reihe. Aus diesen werden etwa 6000 Kubikmeter Schlamm entnommen, um den Abfluss zum Schöpfwerk Demling sicherzustellen. „Da müssen wir warten, bis die Vegetation ab Oktober zu Ende sein wird“, sagt Torsten Ernst. In diesem hochsensiblen Bereich erfolgen die Arbeiten mit einem möglichst kleinen Eingriff in die Natur.

Die Arbeiten am „Nebelloch“ und an dem „Gierster Tümpel“ sollen dann Ende November zu Ende sein. In die Maßnahmen hat der Staat dann 2,7 Millionen Euro investiert. „Ich hoffe, dass das wieder 40 Jahre lang reicht“, sagt Thorsten Ernst.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht