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Genuss

Weinlese tut auch der Seele gut

Wenn die Baierwein-Freunde in Bach Trauben von den Reben schneiden, ist es für die einen Ernte, für die anderen Meditation.
Von Petra Schmid

Bei der Weinlese kommen das Gespräch und der Spaß nicht zu kurz. Foto: Theresia Luft
Bei der Weinlese kommen das Gespräch und der Spaß nicht zu kurz. Foto: Theresia Luft

Bach.Im Herbst und im Winter sitzt man gerne bei einem Glas Wein gemütlich zusammen. Wieviel Arbeit in dem vergorenen Traubensaft steckt, ist bestimmt nicht allen Menschen bewusst. Den Weinstöcken und Trauben muss der Winzer viel Aufmerksamkeit schenken. Auch die Mitglieder des Fördervereins Baierweinmuseum sind hier mit viel Liebe und Leidenschaft bei der Sache.

Am Samstag stand die zweite Weinlese für dieses Jahr an. Die Trauben der Rebsorte Müller Thurgau haben die Hobbywinzer bereits vor dem kürzlich stattgefundenen Federweißenfest gelesen und zum süffigen Federweißen verarbeitet. Die sechs Hektoliter seien beim Fest komplett ausgeschenkt worden, erzählt Kellermeister Otto Reichinger begeistert. Von der Menge her sei es eine normale Ausbeute gewesen und von der Qualität her etwas besser als im vorigen Jahr, erklärt er.

Ernte an 850 Weinstöcken

Nach der Lese wandern die Trauben in die Rebelmaschine – bis aus ihnen fertiger Wein wird, ist Geduld gefragt. Foto: Theresia Luft
Nach der Lese wandern die Trauben in die Rebelmaschine – bis aus ihnen fertiger Wein wird, ist Geduld gefragt. Foto: Theresia Luft

Auch bei der Weinlese am Samstag hatte der Kellermeister wieder jede Menge zu tun. Rund ein Dutzend Lesehelfer tummelten sich im Weinberg beim Baierweinmuseum. 850 Weinstöcke sind hier zu bearbeiten. Ausgestattet mit Eimer und Gartenschere oder Rebenschere, machten sich die freiwilligen Helfer an die Arbeit.

Seine Augen scheint Reichinger überall zu haben. Während er erzählt. bittet er einen Lesehelfer: „Die Trauben schön putzen.“ Dieser solle auf den Mäusefraß achten und diesen großzügig entfernen, erklärt er. Mitte August sei zum letzten Mal gespritzt worden, und nun würden sich die Mäuse über die Trauben hermachen. Den Vögeln könne man mit den Netzen ein Schnippchen schlagen und quasi den Obstsnack zwischendurch vermiesen, aber die kleinen Nager könne man in dieser Hinsicht nicht fernhalten. Man müsse beim Ernten einfach darauf achten und die entsprechenden Trauben entfernen. Was Edelfäulnis und was schon darüber hinaus sei, erkenne man mit Anweisung rasch.

Arbeit in der Natur mit geselligem Aspekt

Gelesen wird im Weinberg des Baierweinmuseums unter anderem grüner Silvaner, Kerner und weißer Eibling. Ausgebaut werde jede Sorte für sich, erzählt der Experte. Wer nun meint, dass er zu Weihnachten den Festtagswein vom Förderverein des Baierweinmuseums kaufen kann, der irrt gewaltig. „Wir brauchen den Wein für unsere rund 70 bis 80 Führungen mit Verkostung, die während des Jahres stattfinden“, sagt Reichinger. Freilich wolle der eine oder andere Teilnehmer einer solchen Führung ein Flascherl mitnehmen. Dies sei auch möglich, allerdings bekomme er dann Baierwein aus dem Donauraum von kleinen Privatwinzern, klärt der Kellermeister auf.

Unter den Lesehelfern, die im Weinberg Trauben ernteten, war auch der Vorsitzende der Baierwein-Freunde, Reinhard Eberl. Die Arbeit im Weinberg sei so wie die Arbeit im Garten auch, versichert er. Man sei in der Natur, und speziell bei der Lese sei auch der gesellige Aspekt grandios. Man könne sich nebenbei unterhalten und es werde viel gelacht. Je nachdem, ob man das Gespräch und die Gesellschaft suche oder mehr die Ruhe und das meditative Dahinarbeiten wolle, könne man im Weinberg arbeiten, hebt der Vereinschef hervor.

Der Fördervereinsvorsitzende umschreibt den idealen Helfer bei der Weinlese werbend: Jeder könne nach vorhergehender Einweisung mitmachen. Er brauche Lust am Arbeiten in der Natur, solle gute Laune mitbringen, und etwas Geduld schade auch nicht, fügte er augenzwinkernd hinzu. Positiv sei für ihn, dass man die Ausbeute, den mit Weintrauben gefüllten Eimer, schnell sehe, meint er.

Das Baierwein-Museum und der Förderverein

  • Museum:

    Das kleine Spezialmuseum in Bach ist in einem historischen Biethaus (Presshaus) aus dem 14. Jahrhundert eingerichtet. Es dokumentiert den Weinbau in Altbayern von der Römerzeit bis heute. Zentraler Bestandteil ist die Baumpresse aus dem Jahre 1615. Sie zählt zu den ältesten Weinpressen Deutschlands.

  • Lehrpfad:

    Im Weinlehrpfad sind die wichtigsten Weiß- und Rotweinsorten der Region angebaut. Zu sehen ist auch die nicht so bekannte Sorte Weißer Elbling.

  • Information:

    Im Weinlehrpfad und im übrigen Außengelände des Museums kann man auf Informationstafeln viel zum Weinbau und zur Weinbereitung erfahren. Das Außengelände mit dem Weinlehrpfad ist jederzeit zugänglich.

  • Förderverein:

    Der Förderverein Baierwein-Museum Bach unterstützt die Gemeinde Bach beim Betrieb des Museums, mit ehrenamtlichem Besucherdienst, Führungen und Pflege des Weinlehrpfads – und mit Veranstaltungen wie dem Federweißenfest oder der Winternacht im Weinberg.

Helfer sind schnell angelernt

Während der Kellermeister eher eine für die Arbeit praktische Beschreibung des idealen Helfers gibt: Er müsse bereit sein, sorgfältig zu arbeiten, außerdem müsse sich derjenige auch etwas sagen lassen wollen, fügt er mit einem Lachen an. Spaß beiseite, es könne wirklich jeder mitmachen, denn nach Anweisung erkenne man schnell, welche Trauben aussortiert werden müssten, sagt Reichinger.

Nach der Lese landen die Trauben in der sogenannten Rebelmaschine, und der daraus entstehende Trester wird vom Förderverein weiter genutzt. Zum einen könne man ihn als Dünger im Weinberg verteilen und so den Kreislauf der Natur schließen, zum anderen könne man daraus einen Schnaps brennen. Freilich habe man sich für diese Alternative entschieden und so gebe es den „Scheiblberger Tresterbrand“, verrät der Vorsitzende.

Fest

Ansturm auf den Federweißen

In Bach waren 600 Liter des vergorenen Traubensafts am Sonntag schnell vergriffen. Menschenmengen strömten zum Weinberg.

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