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Hochwasser

An den Poldern scheiden sich die Geister

Misstrauen prägte den Flutpolder-Dialogauftakt in Barbing. Gegner verwiesen auf Widersprüche, Fachleute auf Notwendigkeiten.
Von Christof Seidl, MZ

  • Mit Plakaten, vielen Fragen und Anmerkungen machten die Poldergegner ihren Standpunkt beim Hochwasserdialog in Barbing deutlich.Foto: Lex
  • Hatte keinen leichten Stand: Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf wurde bei ihrer Ankunft im Rathaussaal von einem Pfeifkonzert empfangen. Foto: Seidl
  • Auf dem Podium(von rechts): Wasserwirtschaftsamtschef Feuchtgruber, Umweltministerin Scharf, Landrat Christian Bernreiter (Deggendorf) und Prof. Rutschmann Foto: Lex
  • Wörths 2. Bürgermeister Josef Schütz warnte vor einer Beeinträchtigung für die Wasserversorgung der Stadt. Foto: Lex

Barbing.Der Andrang war enorm. Rund 1000 Besucher drängten sich am Montagabend im Barbinger Rathaussaal und den angrenzen Räumen. Sie alle wollten wissen, was Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) und ihre Fachleute beim Hochwasserdialog zu den geplanten Flutpoldern Eltheim und Wörthhof an der Donau zu sagen hatten. Das drängendste Problem war erneut der bereits jetzt hohe Grundwasserspiegel in diesen Bereichen.

Die Ministerin verwies auf die Flutkatastrophe von 2013, die in den Bereichen Deggendorf und Passau enorme Schäden verursacht habe. „Wir müssen alles tun, damit eine solche Katastrophe nicht mehr passiert.“ Das sei aber nur solidarisch möglich. Den Vorschlag von Landrätin Tanja Schweiger (FW), als Zeichen des Vertrauens an die Menschen vor Ort auf die beantragte vorläufige Sicherung zu verzichten, lehnte Scharf ab. Der Freistaat müsse sicherstellen, dass die betroffenen Gebiete bei Bedarf zur Verfügung stehen.

Als „Notbremse“ unverzichtbar

Dass dieser Bedarf kommen wird, daran ließen die Ministerin und Professor Dr. Peter Rutschmann (TU München) keinen Zweifel. Gesteuerte Flutpolder seien „als Notbremse“ die einzige Chance, einer Flutwelle die Spitze zunehmen. Rutschmann und sein Team hatten in einer Untersuchung für den Freistaat die zwölf Polderstandorte an der Donau festgelegt, darunter auch die beiden im südöstlichen Landkreis Regensburg.

Josef Feuchtgruber, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Regensburg, betonte, man starte das Dialogverfahren bewusst, bevor eine konkrete Planung erstellt wird, um alle Hinweise und Bedenken der betroffenen Bevölkerung berücksichtigen zu können. Daraus werde man ein Paket für die Planer schnüren, die auf alle darin enthaltenen Fragen eine Antwort finden müssten. Markus Hörner, der Vorsitzende der BI gegen Flutpolder, fragte, welches Gewicht der Dialog bei der Entscheidung für oder gegen Flutpolder habe. Scharf entgegnete, dass ihr Ministerium dieses Verfahren nicht einleiten würde, wenn es gar kein Interesse daran hätte.

„Trinkwasser ist in Bayern heilig“

In der Fragerunde unter Leitung von Tilman Schöberl (BR) kristallisierten sich Fragen wegen des hohen Grundwasserspiegels als zentrales Thema heraus. Konkrete Antworten gab es vonseiten der Fachleute dazu nicht. Scharf und Feuchtgruber betonten, dass das geplante Grundwassergutachten den gesamten Großraum von Regensburg bis mindestens zur Landkreisgrenze betrachten werde. Die Ministerin versicherte, „dass wir nur dann Polder bauen, wenn wir technisch sicherstellen können, dass dadurch nicht mehr Grundwasser kommt“. Diese Zusage gab sie auch dem 2. Bürgermeister von Wörth, Josef Schütz in Bezug auf die Wasserversorgung der Stadt, die direkt neben dem geplanten Polder Wörthhof liegt. Der Brunnen dürfe durch den Polder nicht beeinträchtigt werden. Scharf „Trinkwasser ist in Bayern heilig.“ Schütz kündigte an, das Wörth seine Trinkwasserversorgung „mit Mann und Maus“ verteidigen werde.

Manfred Lichtl verwies auf die Lage in Griesau. Nach dem Aufstau der Donau sei der Grundwasserspiegel dort um einen Meter gestiegen. 2003 sei in seinem Keller das Wasser über einen Meter hoch gestanden. Die Gemeinde Pfatter habe die Probleme per Gutachten nachgewiesen. Als Lösung seien zwei Brunnen angelegt worden. Sie sollten einen Grundwasseranstieg verhindern. Trotzdem habe er 2013 wieder einen Meter Wasser in seinem Keller gehabt. Lichtls fragte, wie der Freistaat die Grundwasserproblematik bei einem Polderbau in den Griff bekommen wolle, wenn das nicht einmal in einem kleinen 200-Einwohner-Dorf möglich sei. Harald Stadler fragte nach dem Grund für die hohen Wasserstände in den Seen um Neutraubling bei Hochwasser. Feuchtgruber räumte ein, dass möglicherweise ein Zusammenhang zum Donauwasser bestehe. Genau diese Fragen solle das Grundwassergutachten klären.

Prüfung von Alternativen zugesagt

Zu längeren Diskussionen führte die Forderung von Besuchern, die Wirkung von Rückhaltemaßnahmen in der Fläche sowie von Staustufen als Rückhaltebecken zu prüfen. In der Summe könne solche Maßnahmen gesteuerte Polder überflüssig machen. Beides soll nach Scharfs Angaben untersucht werden. Rutschmann betonte jedoch, dass dies kein Ersatz für gesteuerte Polder sein könne. Solche Flächen würden bereits beim Anlaufen eines Hochwassers volllaufen, sie hätten daher keinen ausreichenden Einfluss auf die Spitze einer Hochwasserwelle. Feuchtgruber rechnete anhand des Hochwasserschutzes in Bach vor, dass rund 2000 solcher Maßnahmen an Donauzuläufen nötig wären, um eine ähnliche Wirkung wie bei gesteuerten Flutpoldern zu erhalten. Die Kosten würden den zweistelligen Milliardenbereich streifen.

Viele Redebeiträge und Fragestellungen befassten sich mit dem mangelnden Vertrauen in die Regierung. Beim Donauausbau sei fest versprochen worden, dass es keine weiteren Maßnahmen mehr geben werde. Auch die Grundwasserprobleme seien lange negiert worden. Niemand garantiere, dass sich der Freistaat in ein paar Jahren nicht erneut über seine Zusagen hinwegsetzt, lautete der Tenor der Kritiker.

Weitere Informationen sind unter der Internetadresse www.hochwasserdialog.bayern.de abrufbar.

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