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Bier

Brautradition über 500 Jahre hinweg

Das erste urkundlich nachgewiesene Brauhaus gab es bereits 1483 in Beratzhausen. Die letzte Braurerei machte 1993 dicht.
Von Ingrid Kroboth, MZ

Erinnerungen an das Wiendl-Bier aus Beratzhausen
Erinnerungen an das Wiendl-Bier aus Beratzhausen Foto: Kroboth

Beratzhausen.Das Bierbrauen hat in Beratzhausen eine lange Tradition. Schon die Stauffer von Ehrenfels waren auf den Geschmack gekommen und betrieben 1483 ein Brauhaus, das urkundlich nachgewiesen ist. Selbst Bombastus Theophrastus Aureolus von Hohenheim – genannt Paracelsus – lobte 1534 „die Gastfreundlichkeit der Wirtsleute in Beratzhausen und die Sauberkeit seiner Zimmer“.

Anno 1571 bekam der Markt Beratzhausen das Recht zum Bau eines Kommunbrauhauses in der Oberen Gasse, Hausnummer 104 (heute Johann-Ehrl-Platz) zugesprochen. Fortan wurde dort Zoigl- und Zwicklbier ausgeschenkt. 1811 trat eine neue Verordnung in Kraft, die es jedem Bürger erlaubte, ein Brauhaus zu errichten. Die Familie Engl kaufte den ehemaligen Zehentstadel des Beratzhausener Schlosses und braute darin obergäriges Bier. Im Jahr 1826 heiratete ein Adam Wiendl aus Schmidmühlen, dessen Vorfahren aus Hannover stammten, die Engl-Tochter Katharina. Wiendl entwickelte das Handwerk, untergäriges Bier zu brauen. Der Familienname Engl blieb als Schutz- und Warenzeichen der Brauerei erhalten. Der erste Michael Wiendl führte den Betrieb von 1884 bis 1927. Unter seiner Leitung entstand 1894 der Sommerkeller mit Bierausschank an der alten Bahnhofstraße – also das derzeit fallende Wiendl-Gelände.

1927 übernahm der zweite Michael Wiendl die Brauerei. Aus der Ehe mit der Getreidehändlers- und Gastwirtstochter Anni Baumgartner aus Regenstauf wurde 1941 Michael Wiendl der Dritte geboren (gestorben 2011). Während der amerikanischen Besatzung nach dem 2. Weltkrieg wurde in der Brauerei sechs- bis zwölfprozentiges Bier für die Besatzungsmacht gebraut – und Dünnbier für die Bevölkerung. Nach der Währungsreform 1948 baute Michael Wiendl seine Brauerei aus, verstärkte die Bierlieferung mit Jura-Gold, Jura-Pils, Helles, Dunkel-Spezial, Bock und Weizen-Export.

Nach einem tragischen Unglück starb Michael Wiendl der Zweite 1961, und sein 20 Jahre alter Sohn übernahm den Betrieb. 30 Jahre später kam das Aus für den Englbräu. Mit dem Verkauf der Brauerei 1993 an den Spatenbräu München wurde die Bierproduktion eingestellt. (lik)

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