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Bräuche

Dorf trieb den Kirwabären vor sich her

Schwarzenthonhausen lässt alte Traditionen aufleben. Erstmals nach 18 Jahren stellte das Dorf einen Kirchweihbaum auf.
Von Reinhard Seidl, MZ

Die Burschen mit ihren Mädeln und dem Kirwabär
Die Burschen mit ihren Mädeln und dem KirwabärFoto: Seidl

Beratzhausen.Ein weithin sichtbares Zeichen eines Kirchweihfestes ist seit altersher der Kirchweihbaum. Seit 1997 musste das kleine Kirchdorf Schwarzenthonhausen auf den Jurahöhen auf dieses stämmige Brauchtumssymbol verzichten. Damals hatte sich der 1974 gegründete Burschenverein mit seinem Chef Franz Fuchs aufgelöst. Um so begeisterter hieß es am Wochenende nach 18 Jahren „Auf geht’s zur Kirwa“ in dem über 140 Seelen zählenden Ortsteil des Marktes Beratzhausen.

Schließlich feierte der Patron der Dorfkirche am 30. November seinen Namenstag. Obwohl es der Kirchenheilige Andreas den Männern des Dorfes nicht leicht machte, mit dem Wetter, das er mitgebracht hatte, legten sie sich besonders ins Zeug. Angefeuert durch die kräftigen Hauruck-Rufe des 67-jährigen Josef Fischer, hievte die Dorfgemeinschaft den schweren Fichtenstamm mit einer Länge von 32 Metern – nach alter Manier mit reiner Muskelkraft unter Zuhilfenahme von „Schwalben oder Zangen“ – in knapp zwei Stunden in die Senkrechte. Bei heftigem Regen, vermischt mit Schneegestöber, war dies für die gut 30 Mannsbilder keine einfache Aufgabe. „Wir hatten früher fast immer schlechtes oder sehr frostiges Wetter“, berichtete Alois Hierl. Dies war wohl auch der Grund, warum die jungen Burschen nicht mehr mochten, mutmaßte Hierl. Schließlich ist das Aufstellen eines Kirchweihbaumes bei schlechtem und stürmischem Wetter nicht ungefährlich.

Doch jetzt sagten sich die jungen Burschen des Dorfes: Wenn schon Wiederbelebung des Brauchtums, dann richtig. Obwohl auch das Wetter am Sonntag kaum weniger Nachsicht hatte, belebten sie nach mehr als 40 Jahren zudem den alten Brauch des Kirwabär-Treibens. Dieser Brauch verschwand bereits 1974.

Eigentlich gehört das umtriebige Tun des „Bären“ zum Kirchweihmontag. „Da haben die jungen Burschen aus beruflichen Gründen keine Zeit“, informierte Veronika Hierl. Nicht ohne Stolz ließ sich deshalb der 21-jährige Johannes Landfried zur Gaudi der gesamten Bewohner am Sonntagnachmittag als Bär von den Treibern Daniel Peter und Markus Schwendner durch alle Straßen treiben. Zuvor hatten die Kirwamädeln mit ihren Burschen trotz strömenden Regens nach alter Tradition um den Brauchtumsbaum einen Schottisch getanzt.

Kirwabärtreiben

  • Kirwabärtreiben:

    Das sogenannte Kirwabärtreiben ist oft ein Höhepunkt der Kirchweih. Ein kräftiger Bursch wird meist in ein Bärenkostüm gesteckt und durch das Dorf getrieben. Der Bärentreiber hat die Aufgabe, den Bären zu zähmen und von zu viel Schabernack abzuhalten. Hinter dem Bären und dem Treiber folgen die Dorfgemeinschaft und Kinder und Jugendliche, die versuchen, dem „Bären“ nahezukommen.

  • Regeln:

    Wenn der Bär einen erwischt dann wird er meist mit Fett und Ruß eingeschmiert. Kommt der Bär an eine Haustür, lädt er die Hausherrin auf ein Tänzchen ein. (lrd)

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