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Ausstellung

Drei Künstlerinnen bewegen

In Beratzhausen zeigen Isolde von Reusner, Evamaria Sterr und Manuela Görgen ihre Werke. Flucht ist dabei ein Thema.
Von Andrea Leopold

Die Künstlerinnen Isolde von Reusner, Evamaria Sterr und Manuela Görgen ind er Ausstellung Foto: Leopold
Die Künstlerinnen Isolde von Reusner, Evamaria Sterr und Manuela Görgen ind er Ausstellung Foto: Leopold

Beratzhausen.„Kunst bewegt immer, wenn es gute Kunst ist“, meint Kurator Michael Eibl in seinen einführenden Worten zur Vernissage der Ausstellung mit Bildern von Isolde von Reusner und Evamaria Sterr sowie Skulpturen von Manuela Görgen. Der Vorsitzende des Kuratorium Europäische Kulturarbeit Beratzhausen beginnt mit einem kleinen künstlerischen Rundflug und startet bei der Biennale von Venedig, die aktuell läuft. Was bewegt sich da alles? Viel Projektkunst, ganz viel Malerei und der deutsche Pavillon, in dem eine Künstlerin viel Bewegendes zeige. „So wie in unserem Pavillon hier, dem Zehentstadel“, spannt Eibl den Bogen nach Beratzhausen. „Unsere Künstlerinnen hier haben viel von anderen gelernt. Die Kunstszene in unserem Landkreis inspiriert sich gegenseitig“, betont er.

Die Stuttgarterin Isolde von Reusner macht das Thema Menschen auf der Flucht zu ihrem Thema. Die Gesichter, die Mimik, die Gestik, die Angst und der Schrecken, die man erkennen kann, sind von Reusner mit einer großen künstlerischen Ausdruckskraft eingefangen worden. „Das Thema Flucht ist auch eine Bewegung, eine unfreiwillige Bewegung, eine Bewegung jedoch von hoher Dramatik“, sagt Eibl. Durch die Medien würden uns nur Bilder in sogenannten Slidern vorgesetzt. Ein Bild jage das nächste. In sogenannten Laufstrecken würden die Bilder durchgeklickt.

Die Bilderflut überwältigt

Männer zusammengepfercht in einem Lkw: Die gleichen Farben und Stellungen spiegeln Gesichtslosigkeit wieder. Foto: Leopold
Männer zusammengepfercht in einem Lkw: Die gleichen Farben und Stellungen spiegeln Gesichtslosigkeit wieder. Foto: Leopold

Isolde von Reusner zeigt Flüchtlinge, die eine Straße hinablaufen mit mutlosen und erschrockenen Gesichtern. In einem anderen Bild sitzen Männer reihum zusammengepfercht in einem Lkw-Transporter. „Um das Thema kommt man nicht herum“, meint Reusner dazu. Sie stellt mit den Dreiecken links und rechts an ihren Bildern eine Laufstrecke dar, die im Internet allgegenwärtig ist. Man klickt sich einfach von einem Bild zum nächsten und wird überwältigt von der Bilderflut. „Im Moment bin ich sehr am Menschen interessiert, vor allem an Gesichtern“, betonte die Künstlerin. Der Mensch sei das Spannendste. Der Ausdruck in den Gesichtern der Flüchtenden sei unnachahmlich, Model- und Politikergesichter dagegen oft völlig ausdruckslos. „Es ist ein wichtiges Thema, finde ich“, meint Reusner.

Eine Familie bewegt sich auf der Flucht. Das Bild wird als „Laufstrecke“ gezeigt. Foto: Leopold
Eine Familie bewegt sich auf der Flucht. Das Bild wird als „Laufstrecke“ gezeigt. Foto: Leopold

Sie hatte in diesem Frühjahr ein Atelier zur Verfügung und konnte dort in Ruhe malen. Das hat sie genutzt und sehr viele Bilder für die Ausstellung in diesem Jahr gemalt. Ihre Technik ist Acryl auf Papier. Sie arbeitet lasierend in ganz dünnen Schichten. Bis zu 30 Schichten trägt sie übereinander auf. Reusner ist Mitglied in den Kunstvereinen Kunstbank und Zeitgleich, sie stellte in Wien, Innsbruck, Bruneck und Pilsen aus. Bei den Regensburger Stummfilmtagen kreierte sie die Lichtinstallationen.

„Die Künstler in unserer Region inspirieren sich gegenseitig.“

Michael Eibl, Vorsitzender Kuratorium Europäische Kulturarbeit Beratzhausen

Evamaria Sterr kommt aus Plattling und begab sich früh auf den Pfad der Kunst. Sie ist der Malerei immer treu geblieben und hat viel in den Kursen bei Herrmann Eller, Werner Claßen, Birgit Lorenz und Ruth Lynen gelernt. Ihre bevorzugte Technik ist Acryl und Mischtechnik. Dem Thema Flucht widmet sie sich in porträthaften Bildern in verschiedenen Profilen. Von der Seite, von vorne, auch von hinten bieten die Bilder eine ganz andere Perspektive. Zum Teil sind es Teilkörperporträts. Man merkt, dass bei Sterr viele Reisen in ihre Darstellungen eingeflossen sind. Malen bedeutet für sie meditieren und loslassen.

Die farbenprächtigen Bilder von Evamaria Sterr zeigen besondere Details aus allen möglichen Perspektiven.  Foto: Leopold
Die farbenprächtigen Bilder von Evamaria Sterr zeigen besondere Details aus allen möglichen Perspektiven. Foto: Leopold

Manuela Görgen fertigte zunächst Marionetten und Porzellanpuppen. Sie bekam die Silbermedaille bei der Eurodoll in München, ist Puppendesignerin und Master of Dollmaking. Einige ihrer Puppen sind im Spielzeugmuseum Niederhummel zu sehen. Die Liebe zur Kunst führte sie auch zur Malerei und zur modernen, abstrakten Kunst. In ihren ausgestellten Skulpturen stellt sie Menschen in verschiedenen Situation dar, tänzerisch oder in einer Beziehungssituation.

Grazile Bewegungen

Frauen in bunten Kleidern werden in einer Gemeinschaftsskulptur zusammengestellt, die in Beziehung miteinander treten und unweigerlich durch die Bewegung wieder auseinanderdriften. Man sieht ihre grazilen und leichten Bewegungen. Die Skulpturen von Manuela Görgen sind aus Holzmehl mit einem Leimgemisch gefertigt. Die Struktur sei sehr interessant, so Görgen. Wenn die Figur austrockne, gebe es eine ganz eigene Dynamik. Bei einer tanzenden Figur lag der Arm zuvor auf der Schulter der Partnerin. Nach dem Austrocknen erhob sich der Arm leicht von der Schulter. Das Gemisch entwickelte sie aus ihrer früheren Arbeit mit Marionetten. Nach Lufttrocknung werden die Figuren mit Acrylfarben angemalt und bekommen ein Finish. Die Technik wirkt wie in Bronze gegossen.

Die Ausstellung im Beratzhausener Zehentstadel ist noch bis zum 2. Juni zu sehen. Geöffnet ist sie am Samstag von 11 bis 15 Uhr, am Sonntag von 11 bis 16 Uhr und am Donnerstag, 30. Mai, von 14 bis 16 Uhr.

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