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Geschichte

Hammerwerke prägten einst das Labertal

Jakob Hellinger ist der Eisenindustrie auf der Spur. Das früheste Zeugnis der Oberpfälzer Verhüttung weist auf Beratzhausen.
Von Dietmar Krenz, MZ

  • Funken sprühen aus dem Ofen in der Heinrichshütte Wurzbach. Die Hütte gilt als eines der wenigen noch erhaltenen Hammerwerke. Foto: dpa
  • Jakob Hellinger freut sich über die Bestnote bei der Seminararbeit. Foto: privat

Beratzhausen.Etwa 500 Jahre lang wurde die Wasserkraft von Laber und Naab zur Verhüttung und Verarbeitung von Eisen genutzt. Heutzutage kaum mehr vorstellbar. Dies hat sich auch Jakob Hellinger aus Beratzhausen gedacht. Der Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Regensburg fand das Thema so spannend, dass er seine Seminararbeit darüber verfasste.

Monatelang recherchierte der 17-Jährige in den Archiven, befragte Heimatkundler und begab sich auf Spurensuche zu den Überresten der einstigen Hammerwerke im Laber- und Naabtal. „Erstaunlicherweise verweist das früheste schriftliche Zeugnis der Oberpfälzer Eisenverhüttung im Mittelalter nicht auf die für den Eisenerzbergbau und Hammerwerke bekannte Region um Amberg, sondern auf Beratzhausen“, teilt Hellinger mit.

Eine ganze Reihe von Werken

Der Minnesänger Wolfram von Eschenbach berichtet in seinem „Willehalm“ Anfang des 13. Jahrhunderts von einer Schlacht und erwähnt darin „Bernhartshusen“. Experten gehen davon aus, dass dieses Bernhartshusen dem heutigen Beratzhausen gleichzusetzen ist – da auch in späterer Zeit Eisenerzabbau und Verarbeitung vor Ort nachzuweisen ist.

Beachtenswert ist laut Hellinger die vorindustrielle Eisenverarbeitung im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit aber nicht nur in Beratzhausen. In den Tälern von Laber und Naab gab es eine ganze Reihe von Hammerwerken, die aus Erz Halbwaren wie Bleche oder Schieneisen produzierten. Obwohl diese Hüttenwerke von der Bergbauregion um Amberg und Sulzbach sehr weit entfernt waren, hatten sie über 400 Jahre hinweg eine große wirtschaftliche Bedeutung. „Hier wurden auch zahlreiche Innovationen wie der Vorläufer des modernen Hochofens zum ersten Mal in der Oberpfalz eingesetzt“ berichtet der Heimatforscher.

Nachdem König Sigmund Dietrich IV. von Stauff bereits 1430 alle Bergwerke und Erze in der Herrschaft Ehrenfels als Reichslehen verlieh, errichtete Hans II. von Stauff 1440 im Thongraben (nördlich von Beratzhausen) einen Hammer. Der Standort befand sich allerdings nicht an der Laber. Hellinger geht davon aus, dass der Graben, der bis zum Bau einer Straße in den 1950er-Jahren große Gebiete entwässerte, regelmäßig Wasser führte. Eine ähnliche Lage in einem heute trocken gefallenen Tal hatte der Hammer Wolflier zwischen Painten und Hemau, bei dem ebenfalls eine ausgeklügelte Wasserwirtschaft mit Teichen nötig war.

Industrieregion erster Güte

Der Hammerbetrieb und Erzabbau um Beratzhausen dauerte bis nach 1505 an, denn 1505 verlieh Herzog Albrecht IV. Bernhardin und Hieronymus von Stauff umfangreiche Bergfreiheiten. Die Stauffer durften in der Herrschaft Ehrenfels nach Eisenerz suchen, es gewinnen und verarbeiten, ohne dafür Abgaben zu leisten. Wann der Betrieb genau eingestellt wurde, ist bisher nicht bekannt.

„Die Täler von Laber und Naab entwickelten sich vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert zu einer Industrieregion, die durch Innovationen wie die Stahlherstellung in Edlhausen oder den ersten Hochofen in Pielenhofen überregionale Bedeutung hatte“, erklärt Jakob Hellinger. Eichhofen war ein Industriestandort, zuerst mit einem modernen Holzkohlehochofen, später mit einer der modernsten Kunstmühlen Bayerns. In Schönhofen bestand seit 1825 eine Wagenachsenfabrik, ein Walzwerk für den Eisenbahnbau war geplant.

Doch die Entwicklung verlief anders: Im Jahr 1848 wurde in Eichhofen der Betrieb eingestellt, 1851 entstand bei Burglengenfeld die Maximilianshütte – das Labertal spielte bei der weiteren industriellen Entwicklung der Eisenwirtschaft keine Rolle mehr. Die Jahrhunderte lange Ära der Eisenverarbeitung an Laber und Naab war Mitte des 19. Jahrhunderts zu Ende.

Weitere Nachrichten aus dem westlichen Landkreis Regensburg

Hammerwerke an Laber und Naab

  • Beilnstein:

    1584 errichtete Martin Olperer in Beilnstein einen Blechhammer, der bis 1630 nachweisbar ist.

  • Laaber:

    Lange Zeit soll Laaber eine reine Hammerwerkssiedlung gewesen sein. Das Erz, das der Schienhammer in Laaber verarbeitete, stammte aus Amberg. Wann der Betrieb eingestellt wurde, ist nicht festzustellen.

  • Edlhausen:

    1605/1606 wurden auf Befehl Herzog Philipp Ludwigs zwei Schienhämmer errichtet. Im Hammer wurde Roheisen zu Stahl verarbeitet.

  • Deuerling:

    Der Kupferhammer in Deuerling wurde 1580 vom Regensburger Bürger Paulus Meusinger gegründet. Der Hammer bestand bis 1853, später war im Gebäude eine Spiegelglasschleife untergebracht.

  • Loch/Eichhofen:

    1449 sind die Hammermeister Albrecht und Hans Moller belegt. Später gehörte der Hammer den Rammelsteinern sowie Sauerzapfs und Rosenbuschs.

  • Schönhofen:

    Erstmals erwähnt wird der Hammer 1414, als Hadamar IV. von Laaber den Hammer kaufte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Hammerwerk abgebrannt und zerstört und 1701 ein neues Hammerhaus gebaut.

  • Heitzenhofen:

    Das Hammerwerk Heitzenhofen wurde 1460 von Hans Moller gegründet und gehörte zu den größten Hammerwerken zwischen Regensburg und Amberg. Mit dem Dreißigjährigen Krieg endete der Betrieb.

  • Pielenhofen:

    Seit dem 15. Jahrhundert wurde ein Hammerwerk vom dortigen Zisterzienserkloster betrieben.

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