MyMz
Anzeige

Juradistl

Naturschutzprodukte frisch von der Weide

Die biologische Vielfalt im Oberpfälzer Jura erkundeten angehende Assistentinnen für Ernährung und Versorgung.
Von Dietmar Krenz, MZ

Im Stall des Hemauer Schäfers Josef Rebitzer ließen sich die Wald- und Bergschafe sogar streicheln. Fotos: Dietmar Krenz
Im Stall des Hemauer Schäfers Josef Rebitzer ließen sich die Wald- und Bergschafe sogar streicheln. Fotos: Dietmar Krenz

Hemau.Mit einer Tour quer durch das Juradistl-Projektgebiet im westlichen Landkreis Regensburg endete das Kooperationsprojekt zwischen dem Staatlichen Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Regensburger Land und dem Landschaftspflegeverband (LPV) Regensburg. Dazu fanden im vergangenen halben Jahr eine Reihe von Unterrichtsstunden und Aktionen rund um eines der größten Biodiversitätsprojekte in Bayern statt.

Herbert Scheuerer (im Bild vorne) informierte die BSZ-Schülerinnen über seine rund 30 Weiderinder, die er nebenberuflich in Haderlsdorf züchtet.
Herbert Scheuerer (im Bild vorne) informierte die BSZ-Schülerinnen über seine rund 30 Weiderinder, die er nebenberuflich in Haderlsdorf züchtet.

„Zielsetzung war es, Umweltwissen und umweltbewusstes Verhalten in Verbindung mit regionalen Produkten am Beispiel des Juradistl-Projekts zu vermitteln“, teilt Thomas Schwarz von der Landimpuls GmbH unserem Medienhaus mit. „Denn viele der Verbraucher interessieren sich zunehmend dafür, woher ihre Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden.“

Arche-Hof am Tangrintel

Die erste der drei Stationen für die interessierten Schülerinnen des BSZ war die Schäferei von Josef Rebitzer in Hemau. Seit dem Jahr 2007 betreibt er einen anerkannten Arche-Hof am Tangrintel. Das Ziel des Schäfers ist es, vom Aussterben bedrohte Tierrassen in der landwirtschaftlichen Produktion zu halten. Mit seinen seltenen Berg- und Waldschafen betreibt Rebitzer im Juradistl-Projektgebiet im Landkreis und der Stadt Regensburg Landschaftspflege, um die hier vorkommenden, naturschutzfachlich wertvollen Trocken- und Magerrasenflächen zu erhalten. „Ich arbeite täglich zwölf Stunden und das sieben Tage die Woche“, erzählt Rebitzer. „Seit ich Schafe habe, war ich keinen Tag mehr im Urlaub.“ Im ehemaligen Bundeswehr-Schießstand in unmittelbarer Nähe des Hemauer Waldbads hat sich der Schäfer mit seinen Tieren häuslich eingerichtet. Rund 1000 Tiere stehen hier in den Wintermonaten.

„Das Fleisch der Tiere hat Qualität, die Wolle ist fast nichts wert“, erzählt der gelernte Elektriker den Schülerinnen. Zumeist muss er die Wolle noch selbst entsorgen. Was daran liegt, dass die Wolle von Fleischschafen nicht sehr hochwertig ist, weil die Tiere ja nur für den Fleischansatz gezüchtet werden.

Ist sie nicht süß?
Ist sie nicht süß?

Beim Rinderhalter Herbert Scheuerer in Hadelsdorf bei Beratzhausen informierten sich die Zwölftklässlerinnen über die extensive Weidehaltung von Rindern und den Erhalt von Dauergrünland. „Denn Grünlandflächen sind ökologisch wertvolle Elemente der Agrarlandschaft und unverzichtbarer Bestandteil einer vielseitigen Landwirtschaft“, informierte Gudrun Waidele, die für den Landschaftspflegeverband die Gruppe begleitete.

Magerrasenkomplex besichtigt

Mehr als 30 Rinder verschiedenster Rassen züchtet der 39-jährige Scheuerer für das Juradistl-Projekt. Da er hauptberuflich als Betriebsleiter bei einem Wasserversorgungsunternehmen arbeitet, wäre eine Milchviehhaltung schon aus zeitlichen Gründen für ihn nicht in Frage gekommen.

Schäfer Josef Rebitzer aus Hemau setzt auf seltene Berg- und Waldschafe.
Schäfer Josef Rebitzer aus Hemau setzt auf seltene Berg- und Waldschafe.

Den Abschluss der Tour bildete die Besichtigung eines Magerrasenkomplexes bei Endorf, wo Heidrun Waidele die naturschutzwürdigen Aspekte dieser Flächen für die biologische Vielfalt erläuterte. So gelten diese Areale als Rückzugsgebiete sehr vieler gefährdeter Pflanzenarten und die noch verbliebenen Gebiete bedürfen daher oft eines besonderen Schutzes.

„Um diese Flächen zu erhalten und ihre Verbuschung zu verhindern, müssen die Gebiete in der Regel gepflegt werden“, sagt Waidele. „Dies geschieht durch extensive Beweidung, da Schafe und Ziegen die Sprösslinge von Sträuchern und Büschen abknappern“, ergänzte Hermann Müller, der die Schülerinnen abschließend über seine Arbeit als Wanderschäfer informierte.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg.

Gelungene Kooperation

  • Vielfalt: Juradistl – Biologische Vielfalt im Oberpfälzer Jura ist eines der größten Biodiversitätsprojekte in Bayern. Es ist wichtiger Bestandteil der Biodiversitätsstrategie und setzt sich für den Erhalt der Artenvielfalt ein.

  • Kooperation: Die Idee zu einer Zusammenarbeit des BSZ Regensburger Land mit dem Landschaftspflegeverband und seinem Projekt hatten die BSZ-Leiterin Ernestine Schütz und Josef Sedlmeier (Landschaftspflegeverband Regensburg) gemeinsam.

  • Ernährung: Wie Gudrun Schmidbauer, die Klassenleiterin der 12. Klasse der Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung mitteilt, wurde der Praxisbezug des Projekts durch Exkursionen und Kochtage in der Mensa hergestellt. Zum Juradistl-Projekt fanden dazu im vergangenen halben Jahr am BSZ eine Reihe von Unterrichtsstunden und öffentliche Aktionen statt.

  • Unterrich t: Bei einem Studientag zu Beginn der Kooperation wurden den Schülerinnen die wichtigsten Aspekte des Projekts vermittelt. Es folgten zahlreiche Unterrichtseinheiten, unter anderem erlebten sie die Zerlegung eines Lammes oder Weiderindes mit und erhielten Tipps zur Weiterverarbeitung. Menü: Den Abschluss für die angehenden Assistentinnen für Ernährung und Versorgung bildete ein mehrgängiges Menü, bei dem die Schulmensa bis auf den letzten Platz gefüllt war. (wd)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht