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Engagement

Die Helfer aus Überzeugung

Für Christa Bech aus Bernhardswald ist es die normalste Sache der Welt, für andere da sein. Damit steht sie nicht alleine da.
Von Ralf Strasser

Christa Bech schiebt an: mit Leidenschaft, einem großen Herz und mit viel Spaß. Foto: Albert Schiegl
Christa Bech schiebt an: mit Leidenschaft, einem großen Herz und mit viel Spaß. Foto: Albert Schiegl

Bernhardswald.„Das Ehrenamt ist im ursprünglichen Sinn ein Engagement in öffentlichen Funktionen, legitimiert durch eine Wahl.“ Der Versuch einer Wikipedia-Definition klingt spröde und wird im gängigen Sprachgebrauch auch als „bürgerschaftliches Engagement“ oder „Freiwilligentätigkeit“ umschrieben. Doch Ehrenamt kann man nur schwer erklären, das Ehrenamt muss man ausfüllen, meint Christa Bech. Die 77-Jährige aus Bernhardswald ist eine, die das Ehrenamt lebt. Viele Stunden, mit Herz und Leidenschaft. Das tut sie im Caritas Alten- und Seniorenheim in Bernhardswald, kümmert sich dort um die, die Hilfe brauchen, ein Ohr zum Zuhören oder eine helfende Hand für Tätigkeiten, über die man in jungen Jahren nicht nachdachte und die jetzt in der Demenz vergessen wurden.

„Helfen ist doch eine Selbstverständlichkeit“, sagt sie. „Aber vielleicht ist das auch Erziehungssache.“ Fünf oder sechs Jahre alt war sie, als Flüchtlinge aus dem Osten im Wohnzimmer ihrer Eltern saßen und dort willkommen waren. „Für Bedürftige war unser Esstisch immer gedeckt. Helfen war für uns ganz normal.“ Dieses Selbstverständnis gibt sie weiter, und das tut sie nicht alleine. Mit ihr lachen, tanzen, musizieren, reden und kümmern sich gut ein Dutzend Gleichgesinnter, die für die alten Mitmenschen da sind. Ehrenamtlich und ohne Bezahlung.

Das Ehrenamt boomt

Der Blick in die Welt der Statistik erstaunt. Füreinander da zu sein liegt im Trend. Fast 15 Millionen Menschen in Deutschland hatten Ende 2018 ein Ehrenamt, waren unentgeltlich in einer Bürgerinitiative, einem Sportverein oder einer sozialen Organisation tätig. Die Tendenz ist steigend. „Und die Ehrenamtler werden dringender benötigt als je zuvor“, betont Sieglinde Haseneder, Leiterin des Caritas Alten- und Pflegeheims in Bernhardswald. „Einsatzfreudige Menschen zu bewegen, der Gemeinschaft zu dienen, ohne daraus materiellen Nutzen zu ziehen, wird immer wichtiger angesichts des Pflegenotstands, den wir leider haben.“ 60 Zimmer hat das Heim, nur 40 davon sind belegt. „20 Zimmer kann ich derzeit nicht besetzen, weil ich das Pflegepersonal dafür nicht bekomme.“

Dabei steht das Kümmern ganz oben auf der Agenda, unterstützt von Personen, die unentgeltlich in Sachen Nächstenliebe unterwegs sind. Wie Albert Schiegl. Auch er packt an. Fahrdienst, Besorgungen, Rollstuhlausflüge in die Natur, ins Café, beim Zuhören und Geschichtenerzählen. Er und seine „Mitstreiter“ füllen zusammen mit dem Pflegepersonal einen dicht getakteten Wochenplan in der sozialen Betreuung. Gemeinsames Backen, Vorlesen im Speiseraum, Spielen im Wohnbereich, Kaffeekränzchen mit und ohne Musizieren. Oder beim Tanzen. „Wir sind alle leidenschaftliche Bewegungskünstler“, lächelt Christa Bech, „und unseren Schützlingen macht Musik viel Freude.“

Doch nicht nur die große Party, wie der Tanztee oder die gemeinsame Geburtstagsfeier, die am 4. April um 14 Uhr stattfinden wird, kommen an. Es sind die kleinen Dinge, die mitunter ganz groß werden. „Oft reicht es schon, die Hand zu halten, spüren zu lassen, dass man da ist.“ Ein „das-bekommt-der-Patient-eh-nicht-mit“ gibt es nicht. „Schauen Sie in die Augen der Senioren, dann wissen Sie, was Dankbarkeit ist.“

Ein Händedruck als Lohn

Dass das Ehrenamt umsonst ist, mag aus monetärer Sicht stimmen. „Wir bekommen kein Geld, aber wir bekommen einen Händedruck oder ein Lachen, und das versüßt uns das Leben“, sagt Albert Schiegl, der auch als Seniorenbeauftragter der Gemeinde unterwegs ist und ständig große „Kümmerpakete“ schnürt und anbietet. „Wichtig ist, den anderen ernstnehmen, mit Geduld, Verständnis und viel Empathie“, betont Schiegl.

Doch wie steht es mit dem „Nachwuchs“ bei der ehrenamtlichen Altenbetreuung? Als „gemischt“ schätzt Betreuungsfachkraft Christine Seebauer die Situation ein. „Es gibt schon einige, die helfen wollen, aber die Hemmschwelle noch nicht überschritten haben.“ Seebauer fungiert im Caritas Altenheim als Mittlerin zwischen Pflegepersonal und den helfenden Händen. Es stellt sich die Frage, was sich verändert hat. Waren das Helfen und das Miteinander in der „guten, alten Zeit“ noch präsenter? Während Bech das eher verneint, sieht die Heimleiterin eine Tendenz zur Abschottung. „Es werden immer mehr innere Zäune aufgebaut, die Nächstenliebe lässt zuweilen zu wünschen übrig. Es würde mich freuen, wenn ich mich irre.“

Aktivitäten im Alten- und Pflegeheim

  • Feier:

    „Wir planen zum ersten Mal für unsere Bewohner eine gemeinsame Geburtstagsfeier“, sagt Sieglinde Haseneder. „Wir organisieren und unsere Ehrenamtler füllen den Nachmittag mit Kaffee, Kuchen und Gesprächen.“

  • Soziale Betreuung:

    Man ist aktiv im Seniorenheim. Dazu gehört etwa gemeinsames Backen und Kochen, Spielen, Kaffeekränzchen, Ausflüge, Gedächtnistraining, Musik, Tanztee oder Begegnungen mit der Jugend.

  • Seki-Gruppe:

    Kindergartenkinder aus Bernhardswald kommen zum Basteln, Musizieren und hallo sagen.

  • Termin:

    Die Geburtstagsfeier findet am nächsten Donnerstag, 4. April, statt.

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