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Gesellschaft

Ein Modell für inklusives Miteinander

In Bernhardswald wurde beim Wohnheim für Menschen mit Autismus Richtfest gefeiert. Die soziale Einstellung vor Ort stimmt.
Von Ralf Strasser, MZ

Beim Wohnheim für Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen in Bernhardswald wurde jetzt Richtfest gefeiert. Fotos: Strasser
Beim Wohnheim für Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen in Bernhardswald wurde jetzt Richtfest gefeiert. Fotos: Strasser

Bernhardswald.Das Wohnheim für Autisten, das der Orden Barmherzige Brüder Reichenbach in Sichtweite der Grundschule und des Kindergartens Bernhardswald entstehen lässt, ist über den Status des Grundsteins längst hinaus. Das Refugium für Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen lässt schon jetzt die späteren Strukturen markant erkennen. Reges Treiben herrscht auf der Baustelle. „Es entsteht hier kein Objekt, sondern ein Konzept, das dem Bedarf von Menschen mit Autismus entspricht und ein inklusives Miteinander in der Gemeinde Bernhardswald ermöglicht“, sagte der Provinzial der Barmherzigen Brüder, Frater Benedikt Hau, schon beim Spatenstich im März.

Der Rohbau steht, jetzt lud Geschäftsführer Roland Böck zum Richtfest. Gute Tradition muss sein, meinte Böck mit Blick auf das 14. Jahrhundert. Schon damals war es Brauch, der allerdings seine Basis auf rituelle Formen der Zinszahlung und der Abgeltung von Arbeitsleistungen hatte. Das war im Mittelalter nicht ungewöhnlich. Heute ist es ein liebgewonnener Brauch, um für den unfallfreien Verlauf der Arbeiten zu danken.

In den drei Monaten seit dem Spatenstich hätten die beteiligten Firmen eine tolle Arbeit geleistet, sagte Böck. Das Dankeschön von dieser Seite übernahm der Zimmerer Johann Piendl mit Spruch und Sektglas auf dem Dachfirst des neuen Gebäudes.

Zimmerer Johann Piendl sprach den Richtspruch. Foto: msr
Zimmerer Johann Piendl sprach den Richtspruch. Foto: msr

Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Wohnhaus, in dem auf zwei Etagen 16 Wohnplätze und zwei Kurzzeitunterbringungsmöglichkeiten für Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen geschaffen werden. „Es entstehen zwei Wohngruppen mit jeweils acht Wohnplätzen in zwei Bereichen, die getrennt werden können“, erklärte der Bereichsleiter der Barmherzigen Brüder, Alfred Stadler.

Man sei gut in der Zeit, betonte Bauleiter Jürgen Ellmann vom Architekturbüro Michael Naumann: „Bis zum Mai 2018 wollen wir bezugsfertig sein.“ Bürgermeister Werner Fischer bedankte sich für das Vertrauen der Barmherzigen Brüder, die den Standort aus gutem Grund ausgewählt hat. Bernhardswald liegt nur 15 Kilometer von der Haupteinrichtung in Reichenbach entfernt, heißt es in der Objektbeschreibung. Gute Infrastruktur, die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangeboten, Ärzten und Apotheken sind vorhanden, die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sei gut. „Der Standort ist wirklich ideal“, befand Bürgermeister Fischer.

Das Bauwerk

  • Lage

  • Das Wohnheim liegt in unmittelbarer Nähe von Schule und Kindergarten. Zentral und doch naturnah, sagt Roland Böck, Geschäftsführer des Bauherren, der Barmherzige Brüder Reichenbach. „Die Autisten haben hier die Möglichkeit, die nahe Natur zu erkunden.“

  • Bauumfang

  • Gebäudeabmessungen: 43 mal 18 Meter, Traufhöhe ab ca. 7,5 Meter, Firsthöhe bis ca. 15,80 Meter, Dachneigung ca. 17 bis 20 Grad. Bruttorauminhalt: 6 600 Kubikmeter umbauter Raum. Das Wohnhaus ist auf zwei Etagen für 16 Wohnplätze und zwei Kurzzeitunterbringungsmöglichkeiten konzipiert. Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen werden in zwei Wohngruppen mit jeweils acht Wohnplätzen.

  • Bauherr

  • Der Bayerische Orden der Barmherzigen Brüder Reichenbach hat es sich zur Aufgabe gemacht, Partner für Menschen mit Behinderung zu sein. Ziel ist es dabei, ein differenziertes Angebot zur Verfügung zu stellen, das den persönlichen Wünschen und dem individuellen Hilfebedarf gerecht wird.

  • Netzwerk: In den letzten Jahren wurde daher damit begonnen, ein Netz von regionalen Hilfsangeboten für Menschen mit Behinderung auszubauen.

Auch für Roland Böck ist Bernhardswald eine gute Lösung. „Die Integration passt, die Menschen hier sind aufgeschlossen. Nur wenn eine Gemeinde mitzieht, ist das zu schaffen.“ Hier würden keine Sonntagsreden im Gemeinderat geschwungen, hier werde gehandelt, so Böck weiter. Auch der dritte Bürgermeister Michael Vilsmeier bekräftigte: „Die soziale Einstellung stimmt.“ Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 4,6 Millionen Euro. Davon werden 2,4 Millionen an Zuschüssen von der Regierung der Oberpfalz gewährt, hinzukommen 400 000 Euro vom Bezirk Oberpfalz. Die restlichen 1,8 Millionen Euro werden als Eigenmitteln vom Orden aufgebracht.

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