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Gesellschaft

Ein Spatenstich für mehr Inklusion

In Bernhardswald entsteht ein Wohnhaus für autistische Menschen. Beim Spatenstich sagen alle: Der Standort ist ideal.
Von Ralf Strasser, MZ

  • Der Bau für das Wohnhaus für Menschen mit Autismus in Bernhardswald hat begonnen. Foto: Strasser
  • In Bernhardswald entsteht ein Wohnhaus für autistische Menschen. Foto: msr

BERNHARDSWALD.Für den Architekten Michael Naumann hat ein Spatenstich auch einen wirtschaftlichen Vorteil: „Wenn wir heute einen Kubikmeter Sand bewegen, dann spart das natürlich Geld.“ Angesichts von 4,6 Millionen Euro, die das Wohnhaus für Menschen mit Autismus in Bernhardswald kosten wird, sind es natürlich nur ein paar Körner. „Aber immerhin“, sagte Neumann schmunzelnd.

Der Architekt hatte mit seinem Auftraggeber – den Barmherzigen Brüdern Reichenbach – an diesem kühlen Freitagvormittag nach Bernhardswald geladen, um in Sichtweite der Grundschule den Grundstein für eine neue Heimat zu legen. Ein Refugium für Menschen, die in unserer Gesellschaft nicht auf der Sonnenseite leben: Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen.

Prominenz beim Spatenstich

Eine Therapeutin arbeitet mit einem kleinen Patienten.
Eine Therapeutin arbeitet mit einem kleinen Patienten. Foto: dpa

Zur Baustelle, die schon die Grundzüge des Wohnhauses für 16 Wohnplätzen und zwei Kurzzeit-Unterbringungsmöglichkeiten auf zwei Etagen erkennen lässt, kamen neben Oberregierungsrat Dr. Benedikt Schreiner und dem stellvertretenden Regierungspräsidenten Walter Jonas, auch die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales Emilia Müller, der Bezirkstagspräsident Franz Löffler und Landrätin Tanja Schweiger.

„Es entsteht hier kein Objekt, sondern ein Konzept, das dem Bedarf von Menschen mit Autismus entspricht und ein inklusives Miteinander in der Gemeinde Bernhardswald ermöglichen wird“, sagte Frater Benedikt Hau, der als Provinzial der Barmherzigen Brüder den vor vielen Jahren begonnen Weg der Regionalisierung fortführt. Vor 15 Jahren hat man damit begonnen, seit fünf Jahren ist der Orden in Bernhardswald mit einem Wohnheim vertreten. Mit sehr guten Erfahrungen, wie Hau betonte.

„Es entsteht hier kein Objekt, sondern ein Konzept, das dem Bedarf von Menschen mit Autismus entspricht.“

Frater Benedikt Hau

Die Inklusion werde in Bernhardswald gelebt, „hier vertrauen wir auf die Bereitschaft der Bernhardswalder Öffentlichkeit die Heimbewohner mit offenen Armen aufzunehmen.“ Bürgermeister Werner Fischer kann dies nur bestätigen. Man sei vielleicht keine reiche Gemeinde, „aber wir haben ein großes Herz und das Feedback aus der Bevölkerung ist überaus positiv.“ Der Bürgermeister bedankte sich für das Vertrauen der Barmherzigen Brüder, die den Standort aus gutem Grund ausgewählt haben. Bernhardswald liegt nur 15 Kilometer von der Haupteinrichtung in Reichenbach entfernt, heißt es in der Objektbeschreibung. Gute Infrastruktur, die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangeboten, Ärzten und Apotheken sind vorhanden, die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr ist gut.

Inklusion in der Praxis

Die Vorbereitung zum Spatenstich Foto: msr
Die Vorbereitung zum Spatenstich Foto: msr

Argumente, die sich auch Bezirkstagspräsident Franz Löffler zu eigen macht. „Dezentralisierung ist ein guter Weg und sie hat ein Ziel: Die Menschen mit Behinderung sollen nicht aus dem Blickfeld der Gesellschaft verbannt leben, sondern teilhaben am Leben. Das ist die Umsetzung von Inklusion in die Praxis.“ Schon im Frühsommer 2014 gab es vom Sozialhilfeausschuss grünes Licht für den Neubau, die zuschussfähigen Kosten liegen bei knapp vier Millionen Euro, ließ der Bezirkstagspräsident wissen – „und entsprechend wird der Bezirk in der nächsten Sozialhilfeausschussitzung über die Bewilligung des Zuschusses von zehn Prozent entscheiden.

Entwicklungsstörung

  • Autismus

    Die Entwicklungsstörung hat viele Symptome: Autisten oder Menschen mit dem milderen Asperger-Syndrom sind oft zuverlässig und loyal, mitunter geradezu verletzend ehrlich.

  • Ursache

    Die Ursache von Autismus ist nicht geklärt. Heilen kann man Autismus bis heute nicht. Die Betroffenen können nur lernen, mit den Symptomen umzugehen. (dpa)

Das tun wir natürlich gerne, denn wertvolle Lebensqualität ist mit Geld nicht aufzuwiegen.“ Hinzukommt eine Förderung von der Regierung der Oberpfalz in Höhe von 2,4 Millionen Euro. „Gut angelegtes Geld“ sei dies, ergänzte die Staatsministerin Emilia Müller. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 4,6 Millionen Euro. 1,8 Millionen Euro werden als Eigenmitteln vom Orden und Einrichtung aufgebracht.

Weniger finanziell, dafür mit mehr Genehmigungspower beteiligte sich der Landkreis Regensburg. „Wir haben uns intensiv auf den Weg der Inklusion gemacht, und diese Wohnstätte ist der Beleg dafür, dass auch unsere Bemühungen ein Erfolg werden“, sagte die Landrätin: „Vielen Dank für Ihr Investment.“ Nach der Bitte von Christof Hartmann vom Elternverband Autismus Regensburg, man möge auch an die Thematik der Betreuung mit personellem Sachverstand herangehen, bat Architekt Naumann zu Bauhelm und Spaten – um den ersten kleinen Beitrag zu leisten.

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