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Kriminalität

Fall Baumer: Drei Jahre Ungewissheit

Am 26. Mai 2012 verschwand die junge Frau aus Muschenried. Die MZ beantwortet offene Fragen zu dem mysteriösen Todesfall.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Das Sterbebild von Maria Baumer. 16 Monate lebte ihre Familie in Ungewissheit, dann wurden die sterblichen Übereste der jungen Oberpfälzerin in einem Waldstück bei Bernhardswald gefunden.
Das Sterbebild von Maria Baumer. 16 Monate lebte ihre Familie in Ungewissheit, dann wurden die sterblichen Übereste der jungen Oberpfälzerin in einem Waldstück bei Bernhardswald gefunden. Foto: MZ-Archiv

Wie ist der aktuelle Ermittlungsstand im Fall Baumer?

Die polizeilichen Ermittlungen dauern an. Wann mit einem Ergebnis gerechnet werden kann, ist offen. Als Hauptverdächtiger gilt für die Polizei weiterhin der ehemalige Verlobte der jungen Frau. Er soll sie „zeitnah“ nach dem Verschwinden getötet haben. Wie und wo ist unklar. Als Tatmotiv hält die Polizei aufgestaute Wut auf seine Freundin für ebenso denkbar wie einen eskalierten Streit um den Abbruch des Medizinstudiums. Maria Baumer hatte ihren Verlobten um den Studienplatz beneidet, da sie selbst auch diesen beruflichen Weg einschlagen wollte, aber am Numerus Clausus scheiterte. Das geht unter anderem aus Briefen der jungen Frau hervor. Der Verlobte hatte dagegen immer betont, dass er den Abbruch seines Medizinstudiums erst nach Maria Baumers Verschwinden beschlossen hatte.

Wie verschwand Maria Baumer am Pfingstwochenende 2012?

Maria Baumer war am 25. Mai 2012 mit ihrem Verlobten auf dem Reiterhof von dessen Bruder nahe Bernhardswald. Am Abend wurde im Kreise der Familie gegrillt. Kurz vor Mitternacht trat das Paar die Heimreise nach Regensburg an. Im Auto habe man eine CD gehört, zu Hause noch ein Gesellschaftsspiel gespielt, sagte der Verlobte später. Am Samstag verließ der Verlobte nach seinen Angaben gegen 7.30 Uhr die Wohnung. Gegen 10 Uhr kehrte er zurück. Da sei Maria verschwunden gewesen. Niemand hat sie danach noch zweifelsfrei gesehen.

Die Zeitangaben rund um das Verschwinden variieren. Warum?

Das ist ein Punkt, den die Ermittler wohl zu Lasten des Verlobten auslegen dürften. Er könnte die Zeiten seinen Aussagen angepasst haben. Möglich ist aber genauso, dass es zu Übermittlungsfehlern bei der Aufnahme der Vermisstenmeldung kam. In der ersten Vermisstenmeldung der Polizei hieß es, dass es am 26. Mai 2012 gegen 9 Uhr den letzten Kontakt zu Maria Baumer gab. Vermutlich ist damit kein direkter Kontakt gemeint. Die Staatsanwaltschaft bestätigte der MZ, dass an jenem Samstag eine Facebook-Nachricht unter Maria Baumers Account verschickt wurde. Darin kündigte die 26-Jährige an, dass sie nach Hamburg fahren wolle. Ebenfalls hieß es in der Facebook-Nachricht: „Ich liebe dich. Es tut mir leid. Du weißt, was wir uns versprochen haben.“ Eine sms, wie es zunächst hieß, gab es nicht. Ob die Facebook-Nachricht tatsächlich von Maria Baumer geschrieben wurde, ist nicht gewiss. Es gab weitere Personen, die ihre Zugangsdaten zu dem sozialen Netzwerk kannten. In der Sendung Aktenzeichen XY wurde dann öffentlich, dass es zwei Anrufe der Frau auf dem Festnetzanschluss in der gemeinsamen Wohnung gab: um 14 und um 17 Uhr. Die Anrufe waren nicht mehr rückverfolgbar.

Wie wurde Maria Baumer am 8. September 2013 tot aufgefunden?

Maria Baumer lag in einem Waldstück nahe Bernhardswald. Dort fanden Pilzsammler die skelettierte Leiche ausgerechnet an jenem Datum, an dem Maria Baumer ein Jahr zuvor heiraten wollte. Sie war in einer professionell ausgehobenen Grube vergraben, die weder besonders tief noch besonders groß war. Mit ihrer Größe von 1,80 Metern hätte sie in ausgestrecktem Zustand dort nicht vergraben werden können. An ihren sterblichen Überresten waren Löschkalkablagerungen. Nach MZ-Informationen war der Löschkalk möglicherweise nicht richtig angewendet worden und verfehlte deshalb wohl die Wirkung, den Körper der Toten „verschwinden“ zu lassen. Grabungslöcher im Umfeld der Grube könnten darauf hindeuten, dass länger nach einem passenden Platz gesucht wurde.

Gibt es Erkenntnisse zu den Todesumständen?

Die Todesursache konnte nicht geklärt werden. Nach MZ-Informationen wurden im Rückenmark der Toten geringe Rückstände von Antidepressiva gefunden. Nach MZ-Informationen waren solche Medikamente im Haushalt des Paares vorhanden. Andere Substanzen konnten nicht mehr nachgewiesen werden, da dafür Blut notwendig gewesen wäre. Der Schädel war unverletzt. Das Zungenbein, an dem ein Tod durch Strangulation hätte nachgewiesen werden können, wurde nach MZ-Informationen nicht sichergestellt. Die Polizei geht von einem Todeszeitpunkt nahe am Grillfest aus.

Was hat es mit den gefundenen Gegenständen auf sich?

In der Nähe der Fundstelle lagen ein Spaten und eine Trinkflasche. Am Spaten wurden zehn DNA-Spuren und ein Haar gefunden. Keine Spur führte zum Verlobten. Der hatte allerdings nach MZ-Informationen einen baugleichen Spaten wenige Tage vor dem Verschwinden von Maria Baumer erworben. Jener Spaten wurde bei einer Durchsuchungsaktion zunächst nicht im Haus gefunden, soll aber dann später wieder aufgetaucht sein. Die Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber der MZ, dass das Thema Spaten in den Ermittlungen eine bedeutende Rolle spiele, machte aber keine weiteren Angaben dazu.

Lag Maria Baumers Leiche von Anfang an im Kreuther Forst?

Die Staatsanwaltschaft sagt, dass dies möglich sei, aber auch eine Umbettung nach wie vor nicht ausgeschlossen werden könne. „Eine Ablage ist in beiden Zeiträumen möglich.“ Deshalb fragte die Polizei die Öffentlichkeit nach Beobachtungen in dem Waldstück ummittelbar nach dem Verschwinden sowie zwischen April und September 2013.

Wurde die fehlende Kleidung von Maria Baumer gefunden?

Dazu möchte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. An der skelettierten Leiche waren nach MZ-Informationen noch Überreste eines Slips gefunden worden, zudem lag eine Damenbinde am Fundort. Falls weitere Kleidungsstücke gefunden wurden, könnten diese Rückschlüsse auf den Zeitpunkt ihres Verschwindens geben. Für die Kleidungsstücke, die sie am Freitag trug, gäbe es Zeugen. Der Verlobte sagte, sie habe am Samstag T-Shirts und einer Funktionshose mitgenommen. Die Polizei grenzte die Kleidung nicht näher ein.

Was ist mit dem Schlüsselbund und Marias Halskette?

Auch dazu will sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern. Nach Aussagen von Marias Familie legte sie die Kette mit dem Kreuzanhänger nie ab, im Gegensatz zum Verlobungsring. Den trug sie nicht beim Reiten. Der Verlobte fand den Ring in der Nachttischschublade.

Warum gilt der Verlobte weiter als Haupttatverdächtiger?

Zwar hat das Landgericht Regensburg bei der Bewertung der zweiten Haftbeschwerde im November 2013 einen hinreichenden Verdacht gegen den Verlobten verneint. Dennoch konzentrieren sich die Ermittler weiterhin auf den heute 31-Jährigen. Nach MZ-Informationen unter anderem wegen einer Internet-Suche am Computer des Mannes. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der Auffindesitution der Getöteten. Allerdings scheint sich auch daraus bislang kein hinreichender Verdacht ergeben zu haben, sonst wäre der Verlobte wieder in Untersuchungshaft genommen worden. Der Anwalt Michael Haizmann geht davon aus, dass das Ermittlungsverfahren irgendwann ohne einen Prozess gegen seinen Mandanten eingestellt wird. Gegenüber der MZ sagte Haizmann: „Dass ermittelt wird, ist ein ganz normaler Vorgang. Was nicht normal ist, ist wie in diesem Fall ermittelt wird.“

Ist ein Abschluss der Ermittlungen absehbar?

Die Ermittlungsbehörden sind, da der Tatverdächtige nicht in Untersuchungshaft sitzt, nicht an zeitliche Fristen gebunden. Ein Ende ist nach Angaben der Regensburger Staatsanwaltschaft derzeit nicht absehbar.

Was passiert, wenn es nicht zu einer Anklage kommt?

Ein Tötungsdelikt verjährt nicht. Selbst wenn das jetzige Ermittlungsverfahren irgendwann formal ohne eine Anklage abgeschlossen wird, so wird der Fall weiterhin regelmäßig einer Überprüfung unterzogen und auf neue Ermittlungsansätze abgeprüft, bestätigt die Staatsanwaltschaft. Eine Anklage wird nur dann erhoben, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung über 50 Prozent liegt.

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