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Glosse

Wie bitte? Sitzt ein Kalb im Berlingo...

Das Foto ist nicht getürkt. Es entstand unlängst bei Bernhardswald. Wohin die Fahrt ging, weiß man nicht. Aber wir ahnen was.
Von Heinz Klein

Ein Kalb im Kofferraum? Man glaubt es nicht. Auch die Polizei hätte geschmunzelt. Aber nicht nur. Foto: Stefan S.
Ein Kalb im Kofferraum? Man glaubt es nicht. Auch die Polizei hätte geschmunzelt. Aber nicht nur. Foto: Stefan S.

Regensburg.Der schlimmste Fall wäre, wenn diese Autofahrt zum Metzger geführt hätte. Doch diesen Worst Case wollen wir mal ausschließen, schon deshalb, weil wir doch kein Kalbfleisch mehr essen. Oder?

Sicher an der ganzen Geschichte ist nur eines: Wäre hinter dem Citroën mit Kalb nicht Stefan S. (der dieses Foto gemacht hat) gefahren, sondern ein Streifenwagen, dann hätte da wohl mal einer die Kelle raus gehalten. „Der Verwunderung wäre zunächst ein Schmunzeln gefolgt“, sagt Albert Brück, als wir ihm von dem Foto erzählen. Doch dann hätten sich die Beamten den Fall wohl mal näher angesehen, ist sich der Sprecher des Polizeipräsidiums sicher.

Tiertransport im Auto

Sicher ist auch: Das Europaparlament hat jüngst eine Verschärfung der Richtlinien für Tiertransporte gefordert. War der Kälbertransport vielleicht bereits die Antwort darauf? Tiertransport im Pkw, individuelle Einzelfahrt mit Klimaanlage und Musikberieselung, wahlweise Klassik oder Verkehrsfunk. Natürlich würden wir uns wünschen, dass das Kalb ordentlich angeschnallt war. War es aber nicht. Es saß im Kofferraum und schaute hinten raus, da kann man sich nicht anschnallen. Dafür eine Rüge.

Wenn die Kuh dreimal klingelt... Die Kuh hatte im Ortsteil Schwaig in Rosenheim bei ihrer Erkundungstour Gartenzäune umgeworfen und Blumen aufgefressen. Foto: Polizeipräsidium Oberbayern Süd/dpa
Wenn die Kuh dreimal klingelt... Die Kuh hatte im Ortsteil Schwaig in Rosenheim bei ihrer Erkundungstour Gartenzäune umgeworfen und Blumen aufgefressen. Foto: Polizeipräsidium Oberbayern Süd/dpa

Andererseits muss man einräumen: Es sitzen auch Hunde unangeschnallt im Heck von Fahrzeugen. Und Bernhardiner sind so groß wie Kälber. Ist unser Kalb aus dem Berlingo vielleicht sogar ein Haustier? Nein, es hat seine gelben Ohrmarken an, wie man deutlich sieht. Haustiere haben keine so großen gelben Ohrmarken, weil man sie mit diesen Plastikdingern nicht mal ordentlich knuddeln könnte.

Dieses Kalb ist also ein landwirtschaftliches Kalb. Sollen wir mal annehmen, dass es sich gerade zu Kumpels auf einen anderen Hof fahren lässt, wo man bei einem Schälchen Kraftfutter und ein paar Hälmchen Heu miteinander muht und ein bisschen rum(k)albert? Wäre ne schöne Vorstellung. Oder ist dieses Kalb vielleicht ausgebüxt, wurde eingefangen und nun wieder zurückgefahren?

Kühe büxen schonmal aus

Die entlaufene Kuh „Büxi“ in ihrem Stall im Gut Aiderbichl. Gut drei Monate lang hat sie auf der Flucht in niederbayerischen Natur verbracht. Foto: Klaus Spielbuchler/Gut Aiderbichl/dpa
Die entlaufene Kuh „Büxi“ in ihrem Stall im Gut Aiderbichl. Gut drei Monate lang hat sie auf der Flucht in niederbayerischen Natur verbracht. Foto: Klaus Spielbuchler/Gut Aiderbichl/dpa

Kühe büxen nämlich gerne aus. Ausbüxen ist ja auch viel besser als einbüchsen, denn so endet das Rind oft als Corned Beef in Dosen. Wir wissen das von Büxi, der entlaufenen Kuh, die drei Monate in niederbayerischen Wäldern verbracht hat und heuer im Februar wieder eingefangen wurde. Büxi wurde allerdings nach Gut Aiderbichl gefahren (wo garantiert nie ein Metzger hinkommt) – aber nicht in einem Citroën Berlingo.

Auch Schweine können übrigens ausbüxen. Ich begegnete vor einiger Zeit einem entlaufenen Schwein auf einer Waldwiese bei Forstmühle. Es war groß, gut gelaunt, noch rosa und es hatte wohl vor, schwarz und wild zu werden. Aber nicht mal die Wildschweine haben noch richtig Schwein. Ihre Schwärze hilft ihnen selbst in der Nacht nichts mehr, seit die Jäger Nachtsichtgeräte haben.

Wünschen wir unserem Kalb also viel Glück und am besten Gut Aiderbichl als Ziel der Fahrt im Berlingo. Dann wäre alles gut – sogar ohne Sicherheitsgurt.

Der Autor

  • Herz für Tiere:

    Heinz Klein hat viel Herz für Tiere, einen Hund und eine Affinität zu Luchsen, mit denen er sich viel befasst hat.

  • Fleischeslust:

    Doch wie der Luchs ist auch er immer noch Fleischfresser. Aber er arbeitet an sich. Mit Spinat klappt das schon ganz gut.

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