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Energie

Stromtrasse: Frust bei Bürgern

Mehr als 100 Bürger kamen zum Info-Abend zum „Südostlink“ in Brennberg. Viel Kritik gibt es am Konzept der Veranstaltung.
Von Resi Beiderbeck

Das Gedränge im Saal war dicht, der Lärmpegel hoch und der Frust groß. Foto: Beiderbeck
Das Gedränge im Saal war dicht, der Lärmpegel hoch und der Frust groß. Foto: Beiderbeck

Brennberg.Weit über 100 Besucher kamen ins Gasthaus Wagner zur Informationsveranstaltung über das Vorhaben „Südostlink“. Großflächig hatte die Betreiberfirma Tennet Werbebanner platziert, während direkt gegenüber große Bildtafeln mahnten, das wertvolle Himmeltal vor der Megatrasse zu schützen und „Utopien zu wagen“. Im Saal erklärte Tennet-Biologe Matthias Herold, dass er sehr wohl um die einmalige Natur wisse. Gerade deshalb wolle man ja die Trasse möglichst weit östlich anlegen, um Bibervorkommen, Magerrasen und Biotope im westlichen Bereich nicht zu tangieren.

Außerdem werde es Rekultivierungsmaßnahmen und ein Bodenschutzkonzept geben, um Schäden zu vermeiden. Dass im Untergrund Granit vorkomme, sei bekannt. „Da kommen wir durch“, bekam 3. Bürgermeister Günther Beiderbeck zur Antwort, als er fragte, ob den Planern überhaupt klar sei, mit welch unnachgiebigem Untergrund man hier zwei Meter tief zu rechnen habe. „Ihr habt in so einem Gelände noch nie gearbeitet“, fügte er an und bekam zur Antwort: „Sollte gesprengt werden müssen, wird gesprengt“. Und was die Topographie betreffe, so sei die sicher anspruchsvoll, „aber beherrschbar“. Freilich sind in den Tennet-Katalogen nirgendwo hügelige, geschweige denn bergige Landschaften abgebildet. Sämtliche Beispielfotos von anderswo verlegten Erdkabeln zeigen flaches Gelände.

Auf Monitoren konnte man sich anschauen, wo der Vorschlagskorridor angelegt ist. „Die Bundesnetzagentur entscheidet, ob sie unserem Vorschlag folgt“, erklärte Projektleiterin Dr. Silke Rendigs. Innerhalb dieses Korridors die verträglichste Trasse zu finden, das sei dann die nächste Aufgabe. „Drainagen, Feldwege und Brunnen werden wir uns vor Ort anschauen“.

Auf die Qualität kommt es an

Änderungswünsche aus der Bevölkerung bezüglich der Trasse werde man gerne prüfen. Jedoch komme es auf deren Qualität an. Dass die Genehmigungsphase einschließlich Klageverfahren bis 2022 abgeschlossen sein soll, war zu hören, dass man mit Kosten zwischen fünf und zehn Milliarden Euro rechne und dass man mit dem Bau bis 2025 fertig sein wolle. Frust war die am meisten gezeigte Gefühlsregung bei den Besuchern. „Die wiederholen nur ihre Standardantworten, als würden sie Kochtöpfe verkaufen“, schüttelte der Altenthanner Bürgermeister Harald Herrmann den Kopf, „total müßig, diese Veranstaltung“.

Im Saal waren so viele Leute in intensive Diskussionen verwickelt, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Sogar draußen auf der Straße standen Gruppen und redeten sich die Köpfe heiß. „Diese Veranstaltung kannst du in die Tonne treten“, kommentierte Andreas Gritschmeier das Tohuwabohu und war sich dabei mit vielen anderen Bürgern im Saal einig. Thomas Saradeth beklagte den „Messecharakter“ des Abends, der „so lächerlich ist, wie die Idee von dieser Trasse“. Statt diesem Durcheinander von Einzelgesprächen hätte Tennet lieber eine Podiumsveranstaltung abhalten und so allen die Gelegenheit geben sollen, die Fragen und Antworten zu hören, fand er. „Ich fühle mich überhaupt nicht ernst genommen“ klagte Heidi Weigl.

Gutes Geschäft für Stromriesen

„Ich finde alles sehr widersprüchlich“ meinte Judith Kaminski. „Fakt ist doch, dass die Stromriesen das große Geschäft machen“, brachte Hans Gietl seine Meinung unter großer Zustimmung von Zuhörern auf den Punkt. „Wir sind momentan von so vielen Großprojekten bedroht, das macht uns schwer zu schaffen“, sagte Wiesents Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher und plädierte für dezentrale Energiegewinnung. Robert Giehrl pflichtete ihr bei: „Ich finde es schade und seltsam, dass die Bedarfsplanung nicht offen gelegt wird“ und fügte an: „Sollte man die vielen Milliarden nicht lieber in erneuerbare Energieerzeugung vor Ort stecken?“ Franz Löffl kommentierte trocken: „Das Geld hängt auf die ganz andere Seite“.

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Fragen über Fragen

  • Standort

    Warum hat man nicht die westliche Umgebung von Regensburg als Trasse gewählt? – „Weil man da im Kalkgestein drin wäre“.

  • Gewässer

    Was ist mit den Bächen? – „Die werden unterbohrt“.

  • Kontakt

    Wann wird mit den Grundstücksbesitzern direkt gesprochen? – „Sobald der 1000 Meter Korridor endgültig festgelegt ist“.

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