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Protest

Stromtrasse: Über 100 Bürger gründen BI

Die „Energiewender“ aus Brennberg wollen hartnäckig sein, Aktionen planen und Mitstreiter gegen den SüdOstLink mobilisieren.
von Resi Beiderbeck

Die betroffenen Bürger haben kein Verständnis für die geplante Monstertrasse. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Die betroffenen Bürger haben kein Verständnis für die geplante Monstertrasse. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Brennberg.Zur Gründung der Bürgerinitiative gegen den SüdOstLink kamen so viele Leute in den Lehrer-Saal, dass zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Dicht saßen die Menschen beieinander, hörten kluge Statements, tauschten Argumente aus und machten sich gegenseitig Mut, den Kampf gegen die Monstertrasse, für die in der Oberpfalz 1000 ha umgepflügt würden, mit aller Kraft voranzutreiben. Im Namen der Initiatoren begrüßte Bürgermeisterin Irmgard Sauerer Besucher aus allen Gemeindeteilen Brennbergs und weit darüber hinaus. Bis aus Laberweinting waren „Protestler“ angereist. Junge und ältere Menschen waren gekommen, um sich mit jenen solidarisch zu zeigen, die direkt am Vorschlagskorridor zur Erdkabel-Leitung leben. „Betroffen“ seien ohnehin alle Bürger, denn bezahlen werde für die Monstertrasse jeder einzelne durch den Strompreis, hieß es.

Johann Hirschberger und Olga Brandl berichteten über frustrierende Erlebnisse bei dem Versuch, die „Öffentlichkeitsbeteiligung“ im Gewerbepark Regensburg wahrzunehmen. Evi Luft zeigte sich besorgt wegen der völlig unerforschten gesundheitlichen Auswirkungen.

Trassenkreuze verdeutlichen den Protest gegen den SüdOstLink. Die neu gegründete BI will noch mehr von diesen Mahnmalen aufstellen. Foto: Beiderbeck
Trassenkreuze verdeutlichen den Protest gegen den SüdOstLink. Die neu gegründete BI will noch mehr von diesen Mahnmalen aufstellen. Foto: Beiderbeck

Josef Heimerl sagte, es gehe bei dem Projekt nur um den Profit von Großkonzernen: „40 Jahre lang haben wir´ s auf der Stromrechnung drauf“. Thomas Saradeth zog Parallelen zu Wackersdorf. Dr. Helmut Stadler regte an, im Landkreis ein „Jetzt red i“ mit Professor Sterner zu veranstalten, der in seinen „8 Thesen zum bayerischen Energiegipfel“ längst dezidiert darlegte, wie es einwandfrei funktionieren würde - ohne SüdOstLink!

Brennberg will die Trasse verhindern

Die Gemeinde Brennberg hat den Kampf gegen die Trasse schon vor drei Jahren aufgenommen und mit einstimmigem Beschluss des Gemeinderates auch Geldmittel eingesetzt. „Es gilt, diese Trasse zu verhindern, weil sie überflüssig ist“, so der Tenor des Abends.

Süd-Ost-Link

Zwist um Trassenverlauf entlang der A 93

Kritiker der Stromtrasse wollen erreichen, dass die Erdkabel entlang der Autobahn verlaufen und sprechen von ersten Erfolgen.

Ein leidenschaftliches Plädoyer „pro“ Energiewende lieferte Petra Filbeck, Sprecherin des Bündnisses für Atomausstieg und Erneuerbare Energien Regensburg (BüfA). „Das hat nichts mit Versorgungssicherheit zu tun, sondern nur mit Kapitalinteressen“ sagte sie über das Stromtrassenprojekt. Alles wäre gewonnen, würde man die 56 Milliarden stattdessen in dezentrale Energieerzeugung und „Power to Gas“ investieren. „An der OTH Regensburg haben wir die Technologie dazu“, so Filbeck.

„Eine Bürgerinitiative gründen - wie geht denn das?“ fragte sich mancher. Listen wurden verteilt und überall an den Tischen wurde eifrig unterschrieben. Schon am Gründungsabend hat die „Bürgerinitiative östlicher Landkreis Regensburg gegen den SüdOstLink“ über 100 Mitstreiter gewonnen. Viele von ihnen nahmen Listen mit, um weitere Unterstützer zu mobilisieren. So einfach wie die Gründung wird der aktive Kampf nicht werden, aber „gemeinsam sind wir stark“ sind sich die Mitglieder einig.

Bürger haben viele Ideen

An Ideen mangelt es nicht: „Viele weitere Protestkreuze aufstellen“, „Politiker ansprechen“ oder „ein Windrad bauen“ wurde genannt und nicht zuletzt wurde empfohlen, „massiv Einwendungen zu erheben“, denn jeder Bürger Deutschlands habe das Recht dazu. Bei diesem hochspannenden, intensiven Abend wurde jedenfalls so viel Energie freigesetzt, dass der Saal nach zwei Stunden förmlich vibrierte.

Als BI-Sprecher stellten sich Markus Bauer aus Pfatter, Josef Zimmerer aus Wiesent, Franz Löffl und Sepp Zierer aus Frauenzell, Johann Hirschberger aus Kirnberg, Hans Obermeier aus Altenthann und Dr. Josef Stadler aus Wörth zur Verfügung. Gemeinsam will man jetzt Strategien austüfteln und den Protest verdichten. „Gleichzeitig wollen wir aber positiv bleiben und mit kreativen Aktionen Aufmerksamkeit schaffen“, sagte die Bürgermeisterin im Hinblick auf das Open-Air-Konzert, das am Sonntag, 19. Mai, um 16 Uhr im Himmeltal stattfinden wird.

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Die Trassenpläne

  • Öffentlichkeitsbeteiligung:

    Die Antragsunterlagen, die TenneT als sogenannten „Vorschlagskorridor“ eingereicht hat, liegen bis 11. Juni 2019 öffentlich aus.

  • Ort und Zeit:

    Die Unterlagen können in der Bundesnetzagentur, Im Gewerbepark A15, 93059 Regensburg Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8 bis 17.30 Uhr, Freitag von 8 bis 13 Uhr eingesehen werden.

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