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Schulprojekt

Tod und Sterben als Farbgefühl

Eine ganze Woche lang widmete sich die vierte Klasse der Brennberger Grundschule dem Thema „Werden und Vergehen“.
Von Resi Beiderbeck

Jedes Gefühl, das sich bei Tod und Trauer einstellt, ist gleich viel wert und hat seinen Platz als Farbe im „Seelenbild“.  Foto Beiderbeck
Jedes Gefühl, das sich bei Tod und Trauer einstellt, ist gleich viel wert und hat seinen Platz als Farbe im „Seelenbild“. Foto Beiderbeck

Brennberg.Tod und Sterben ist gerade für Kinder ein schwieriges Thema. In Stadt und Landkreis Regensburg ist die Grundschule Brennberg die erste und bislang auch die einzige, die sich an das Projekt „Hospiz macht Schule“ des ambulanten Hospiz-und Palliativ-Beratungsdienstes herantraut. Ziel des Projektes ist es, den Kindern Wege im Umgang mit Tod und Trauer aufzuzeigen.

Der Hospiz-Verein Regensburg hat nun Tage voller Emotionen mit Katrin Dehner, der hauptamtlichen Koordinatorin des Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes, gestaltet. Der Verein verwirklicht im Raum Regensburg den Hospiz-Gedanken durch Begleitung Schwerstkranker und Sterbender, sowie durch Vermittlung von fachlichem Wissen. Ein Baustein ist das Projekt „Hospiz macht Schule“ durch Ehrenamtliche, die an der Bundes-Hospiz-Akademie ausgebildet wurden. Schon im Vorfeld werden die Eltern eingebunden.

Thema ist oft ein Tabu

Alles begann damit, dass Angelika Lehner, die im Hospizteam ehrenamtlich mitarbeitet, der Brennberger Schulleiterin von „Hospiz macht Schule“ erzählte. Renate Gritschmeier war sofort interessiert, weil sie Tod und Sterben als wichtiges Thema betrachtet, das aber ganz oft tabuisiert wird. „Ich kannte Angelika Lehner schon lange als Schulleiterkollegin und wusste die Kinder bei ihr in guten Händen, einer fremden Person hätte ich die Klasse bei so einem sensiblen Thema nicht anvertraut“. Der erste Versuch klappte 2018 prima, so dass die Woche auch heuer eingeplant wurde. Ohne Benotung und ohne Hausaufgaben widmen sich die Kinder den schweren Dingen, die mit einem Todesfall verbunden sind. Auch die Unbegreiflichkeit bekommt ihren Platz. Alle Fragen sind erlaubt. Das gut durchdachte, kindgerechte Konzept bietet Raum, die eigenen Gefühle zu entdecken.

Draußen vor den Schulhausfenstern regiert der Frühling. Die Sonne scheint, Knospen und Blüten öffnen sich, Bäume und Wiesen werden grün, Vögel zwitschern. Drinnen im Klassenzimmer geht es dagegen fünf Tage lang um Krankheit und Leid, Sterben und Tod. Die Kinder sprechen gerade darüber, dass mit solchen Lebenssituationen unterschiedliche Gefühle verbunden sind. Das kann die Angst davor sein, schwer kranke Angehörige im Krankenhaus zu besuchen, weil man nicht weiß, was einen dort erwartet. Es kann Wut darüber sein, dass ein geliebter Mensch gestorben ist oder Erleichterung, weil die Oma endlich sterben konnte und nicht mehr leiden muss. Und wie soll man nun all diese Empfindungen in ein Bild packen? Genau das schlagen die erfahrenen Hospiz-Helferinnen nämlich gerade vor: Ruhig und mit großer Ernsthaftigkeit machen sich die Buben und Mädchen ans Werk, tauchen förmlich ein in Farben und Stimmungen. „Du bist richtig mit dem, was du fühlst“, so lautet die Botschaft.

Kinder kommen zu Wort

Kinder trauern anders als Erwachsene. Ihre Trauer kann in einem Moment abgrundtief sein und fünf Minuten später scheinbar wieder vergessen. „Hintergrundtrauer als ständig präsentes Gefühl, wie es Erwachsene meist erleben, das kennen Kinder so nicht“, erklärt Katrin Thomas. Mit ihren Teamkolleginnen Rosi Koller, Ulrika Voderholzer und Praktikantin Sophie Döberl geht sie sensibel auf die Kinder ein. Im Lauf der Woche wird viel mit Symbolen gearbeitet, mit bunten Bändern oder mit Bohnenpflanzen in Tontöpfchen. Gesprächsrunden und Arbeitsaufträge wechseln sich ab. Ist eine Arbeit beendet, ruft die Zimbel behutsam dazu, sich wieder zu sammeln.

Schulprojekt

Ein Gewinn für das Leben

Die Brennberger Schulleiterin Renate Gritschmeier spricht im Interview über das Hospiz-Projekt zum Thema „Tod und Sterben“.

Durch die Anzahl von fünf Ehrenamtlichen in einer Klasse ist gewährleistet, dass die Kinder in den Kleingruppen ausreichend zu Wort kommen und ihre Fragen in diesem geschützten Rahmen stellen können. Das ist besonders dann wichtig, wenn Kinder gerade erst einen Angehörigen verloren haben. Da kommt es schon vor, dass sie weinen und spontan Mitgefühl von Klassenkameraden bekommen. Am letzten Tag sind die Eltern eingeladen, um staunend zu erleben, was ihre Kinder erarbeitet haben.

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