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Jubiläum

Brunn blickt auf 200 Jahre zurück

Rasante Entwicklung: Das Leben in dem Dorf war früher ganz anders. In zwei Vorträgen wird daran erinnert.
Von Manfred Kox

Der Ortsteil Eglsee in der Nachkiegszeit vor 1956 Foto: Sammlung Josef Jobst
Der Ortsteil Eglsee in der Nachkiegszeit vor 1956 Foto: Sammlung Josef Jobst

Brunn.Die Gemeinde Brunn schaut in diesem Jahr auf ein 200-jähriges Bestehen zurück. Wenn man das moderne Dorf mit den zugehörigen Ortsteilen heute betrachtet, kann man erahnen, welche Entwicklung das Gemeinwesen seit seinen Ursprüngen gemacht hat. Rudi Kürzinger und Josef Jobst haben sich der Vergangenheit angenommen und sie mit Fotos, die sie in den Schubkästen der Familien ihrer Mitbürger fanden, illustriert.

Natürlich geht die Geschichte viel weiter zurück. Erstmals wurde der Ortsteil Eglsee im Jahre 1268 in einer Verkaufsurkunde eines Werner von Eglsee erwähnt, der Grundbesitz an das Kloster Pielenhofen übereignete. Auch danach erscheint der Name des Geschlechts noch öfter in Verträgen.

Wechselnde Herren

Brunn lag zu dieser Zeit im unteren Regenkreis des Fürstentums Pfalz-Neuburg, deren Rechtsvertreter die Herren von Laaber waren. Kirchenrechtlich gehörte der Ort zum Kloster Pielenhofen und zeitweise zum Kloster Prüfening. Die Verwaltung wechselte, wie zur damaligen Zeit üblich, mit dem jeweiligen Landesherren, kam also indirekt auch zu den Wittelsbachern.

Vereine und ihre Feiern halten die Gemeinschaft aufrecht. Archivfoto: Kox
Vereine und ihre Feiern halten die Gemeinschaft aufrecht. Archivfoto: Kox

Man kann sich vorstellen, dass das Leben ein anderes war. Landwirtschaft prägte das Ortsbild. Ochsen- und Pferdegespanne bestimmten die Szene. An gepflasterte Straßen war nicht zu denken. Dementsprechend kamen die Brunner aus ihren Ortsteilen kaum heraus. Die Straßenführungen waren umständlicher, und auch die Witterungsverhältnisse mit den großen Schneehöhen machten manches Gehöft zeitweise unerreichbar.

Diese Zeit, in der Brunn nicht selbst über Entwicklungsmaßnahmen entscheiden konnte, endete erst in der nachnapoleonischen Ära, als eine Neuorganisation der Gebiete durch die von Graf von Montgelas geschaffene moderne Verwaltung stattfand. Das Lehnsrecht und die Herrschaft der Grundbesitzer ging zu Ende und 1808 wurde die Leibeigenschaft der Bauern per Verfassung abgeschafft.

1818 kam es zur Bildung von politischen Gemeinden, wenn diese bestimmte Kriterien erfüllten, wozu u. a. Grundbesitz zählte. Brunn erfüllte die Voraussetzungen, und noch im gleichen Jahr wurde die Gründungsurkunde ausgestellt. Der Ort war schon eine geschlossene Einheit und gab deshalb der Gemeinde den Namen. Es dauerte bis 1836, bis die Zusammensetzung der Gemeinde festgeschrieben wurde. Dann gehörten Brunn, Frauenberg, Eglsee, Pettenhof, Münchsried, Konstein, Eislberg, Kirchhof zusammen.

200 Jahre Brunn

  • Identität:

    1988 erhielt Brunn ein eigenes Wappen, mit dem man selbstbewusst auftreten kann.

  • Jubiläum:

    Zur Feier dieses Ereignisses lädt die Gemeinde ihre Bürger zur Festveranstaltung am 20. 1. um 14.30 ins Gashaus Plank in Brunn ein. Zwei Referenten werden die Geschichte erläutern, Bürgermeister Karl Söllner wird den Blick in die Zukunft richten.

In der Folgezeit entwickelte sich die Gemeinde weiter und wurde durch Eisenbahn- und Straßenbau, den Einzug der Mechanisierung und Entwicklung des Verkehrs aus der ländlichen Beschaulichkeit in die modernere Zeit gerückt. Der Bau der Schule und die Einrichtung des Sitzes der Pfarrei in Frauenberg hoben die Bedeutung des Wallfahrtsorts auf Augenhöhe. Über die ersten Bürgermeister, die Einwohnerzahlen und die Wirtschaftskraft ist nichts mehr zu erfahren, aber durch den Zusammenschluss konnte die Großgemeinde an Bedeutung gewinnen. Die Gründung von Vereinen wie die Feuerwehren in Brunn 1895 und Frauenberg 1896, Raiffeisenverein 1911, Kriegerkameradschaft 1919, OGV 1920, Burschenverein 1927, Blaskapelle Frauenberg 1930, Schützenverein 1953, TSV Brunn 1961, Verein für Brauchtumspflege 1983, Wanderfreunde 1975 und Seniorenclub in Frauenberg 1986, viele Wettkämpfe in verschiedenen Disziplinen und gemeinsame Kirchweihfeste brachten die Bürger der verschiedenen, früher selbstständigen Ortsteile zusammen und durch gemeinsame Interessen und Aktivitäten entstand das notwendige Gemeinschaftsgefühl, das ein Miteinander für eine erfolgreiche Zukunftsarbeit braucht.

Ein rigoroser Schnitt

Nach 1900 wurde die Entwicklung durch die beiden Weltkriege nicht sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Direkte Kriegsschäden entstanden nicht. Das Kriegerdenkmal zeugt aber von den Opfern, die die Bevölkerung mit ihren Gefallenen und Vermissten brachte. Ein rabiater Schnitt holte dann die Gemeinde Mitte der 60er Jahre in die Neuzeit. Die Autobahn wurde rigoros durch Frauenberg gelegt, machte den Abriss einiger Häuser notwendig und zerschnitt den Ortsteil, so dass Pettenhof abgetrennt wurde.

Da die Aufgaben für die Kommunen immer größer und komplizierter wurden, kam es zur Gebietsreform. 1972 entschieden sich die Brunner gegen eine Eingemeindung nach Laaber, bildeten aber mit Deuerling und Laaber eine Verwaltungsgemeinschaft. So mancher der Entscheidungsträger hat damals ein Unwohlsein verspürt, weil keiner wusste, ob das Projekt gelingen würde. Heute, nach einer Zeit guter Erfahrungen, weiß man, dass die gewählte Lösung die Beste war. Den heutigen Verwaltungsaufwand mit all seinen Besonderheiten können nur Fachleute bewältigen, und die könnte sich eine kleine Gemeinde nicht leisten. An der Entwicklung Brunns mit Frauenberg, Eglsee, Münchsried, Pettenhof, Konstein und Babetsberg kann man ablesen, wie eine zielgerichtete Kommunalpolitik mit leistungsfähiger Verwaltung im Hintergrund zum Segen aller eine Gemeinde voranbringen kann.

Heute findet man ein Gemeinwesen vor, das mit Straßen, Abwasser-System, Gewerbegebiet, Glasfaser-Breitbandanschluss und Kindergärten alles bietet, was erforderlich ist und doch seinen ländlich-ruhigen Charme nicht verloren hat.

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