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Geschichte

Brunn feierte 200. Geburtstag

1818 wurde die Gemeinde gegründet. Zum Festakt gab es einen Rückblick auf die Geschichte und Musik aus der damaligen Zeit.
Von Manfred Kox

Bürgermeister Karl Söllner schneidet den Geburtstagskuchen für die Gemeinde Brunn an. Foto: Manfred Kox
Bürgermeister Karl Söllner schneidet den Geburtstagskuchen für die Gemeinde Brunn an. Foto: Manfred Kox

Brunn.Dass die Bürger der Gemeinde Brunn ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl haben, zeigte sich wieder einmal bei der Feier zum 200-jährigen Bestehen des Ortes. Bürgermeister Karl Söllner konnte im gesteckt vollen Plank-Saal neben den Brunnern auch die Landrätin Tanja Schweiger, Pfarrer Hausmann, die Bürgermeister-Kollegen aus der VG, Hans Schmid aus Laaber und Diethard Eichhammer aus Deuerling sowie Ehrenbürgermeister Karl Spangler, Vertreter des Kreistages, der Gemeinde Pielenhofen und Gemeinderäte und Träger der Bürgermedaille begrüßen. Er dankte dem Kulturverein für die Ausstellung, den Frauen vom KdFB fürs Kuchenbacken und Kerstin Graßler für die Herstellung der Geburtstagstorte.

Land soll attraktiv bleiben

Im Saal seien Besucher, die sich noch an eine Zeit ohne Strom erinnern könnten, sagte Söllner. Das sei noch nicht so lange her und zeige, wie die Entwicklung voranschreite. Für die Zukunft sieht der Bürgermeister große Herausforderungen. Manche betrachteten das Leben auf dem Land als Auslaufmodell. 80 Prozent der Menschen wollten angeblich in Städten leben. Das erfordere von den Gemeinden, alles zu tun, um die Selbstständigkeit zu erhalten. Dazu gehöre die Ansiedlung von Gewerbebetrieben, die Arbeitsplätze schaffen, ebenso wie der Ausbau der Digitalisierung.

Mit einem Geschenk bedankte sich Bürgermeister Karl Söllner bei Karl (l.) und Tobias Hammerl für ihre informativen Berichte über die geschichtliche Entwicklung, in die Brunn eingebettet war. Foto: Manfred Kox
Mit einem Geschenk bedankte sich Bürgermeister Karl Söllner bei Karl (l.) und Tobias Hammerl für ihre informativen Berichte über die geschichtliche Entwicklung, in die Brunn eingebettet war. Foto: Manfred Kox

Die Bayerische Verfassung stärke den ländlichen Raum, denn sie strebe gleiche Lebensbedingungen für beide Bereiche an. Die zunehmende Verdichtung der Städte schaffe Wohnraum- und Verkehrsprobleme. Der Spruch „Stadt und Land – Hand in Hand“ bekomme wieder mehr Gewicht. Das Land habe alles – Natur, Nahrung, Wasser, Platz, betonte Söllner. Und wenn es sich mit Investitionen in die Infrastruktur der Zeit anpasse, seien die Zukunftsaussichten nicht schlecht.

In ihrem Grußwort lobte Landrätin Tanja Schweiger, was die Bürger in den 200 Jahren aus dem Dorf gemacht haben. 41 Gemeinden habe der Landkreis. Einige seien in Verwaltungsgemeinschaften (VGs) zusammengeschlossen und alle arbeiteten daran, die Zukunft zu gestalten. In Brunn sieht Schweiger den hohen Zusammenhalt der Bürger, die entschlossene Zusammenarbeit des Gemeinderats bei seinen Vorhaben und das gesellschaftliche Leben in den Vereinen als besonders gelungen an. Sie wünschte, dass es auch in Zukunft gelingen möge, die positive Entwicklung weiter voranzubringen.

Mehr Bilder von der 200-Jahr-Feier sehen Sie hier:

200-Jahr-Feier in Brunn

Tobias Hammerl, Museumsleiter und Stadtrat aus Regensburg, und sein Vater Karl Hammerl, Ortsheimatpfleger aus Laaber, zeigten den Gästen die Geschichte Brunns im Laufe von fast 1000 Jahren auf. Sie schilderten, wie aus freien Germanen in der Zeit Karls des Großen abhängige Bürger wurden, wie seitdem das Land von Kirche, Staat und Adel in Besitz genommen wurde und in den Dörfern nur leibeigene Bauern wohnten, die hohe Abgaben zahlen mussten.

Als dann Kurfürst Max I. Josef Bayern erbte, fand er ein Chaos vor. Sein Minister Graf Montgelas teilte das Gebiet in 15 Kreise, schaffte die Binnenzölle ab und ebenso die Käuflichkeit von Ämtern. 1801 schuf er ein Katasterbüro, das die Vermessung der Grundstücke vorantrieb und Steuerdistrikte festlegte. Das Geld und die Maße und Gewichte wurden vereinheitlicht. Damit war eine große Verwaltungsvereinfachung geschafft.

Viel Musik zur Jubiläumsfeier

  • Instrumente:

    Tom Dürr, ein ausgewiesener Fachmann für die Musik des 19. Jahrhunderts, spielte auf historischen Instrumenten wie Holzquerflöte, Brummeisen, Maultrommel und Harmonika alte Volkslieder.

  • Blaskapelle:

    Die Frauenberger Blaskapelle unter Leitung von Bernhard Wein hatte ebenfalls Musik aus dem 19. Jahrhundert ausgewählt wie den „Yorkscher Marsch“, die „Intrade“ sowie die zum Abschluss von allen mitgesungene Bayernhymne. (lox)

Da Max I. Josef aber der Aufklärung anhing, stellte er den Menschen in den Mittelpunkt und erließ 1808 die erste Bayerische Verfassung. 1813 trennte er sich von Napoleon und kämpfte mit den deutschen Truppen. Als dann Napoleon unterlag und zum Ausgleich der Landverluste an den Rheinbund der Besitz von Klöstern und Kirchen, sowie der Reichsstädte und Stiftungen aufgelöst wurde, bekam der Kurfürst so viel Ländereien, dass man sie weder verkaufen noch verwalten konnte. Also überlegte man sich, sie in Bauernhand zu geben, eine Abstandszahlung festzulegen und Steuern zu erheben.

Eigentümer, aber trotzdem arm

Damit waren zwar die Bauern Eigner ihrer bisherigen Pachtgrundstücke, konnte aber die Zahlungen nicht leisten und die Finanzierungsstrukturen gab’s nicht mehr. In dieser Zeit entstanden Raiffeisenbanken und Sparkassen, die Kredite geben konnten. Die Belastungen waren aber so hoch, dass noch 1923 daran abgezahlt wurde und erst 1933 der Bodenzins per Gesetz abgeschafft wurde. Das 2. Edikt legte dann 1818 die Selbstverwaltung der Gemeinden fest und die Zensuswahl wurde eingeführt. Nun wurde am 17. Mai 1818 Brunn gegründet. In den Unterlagen sind die Ortsteile, die dazu gehörten, aufgeführt. Mit dieser Gründung konnte Brunn sein Eigentum verwalten und wurde zuständig für die Entwicklung des Ortes. Erst 1848 wurden die Bauern endgültig frei.

Nach der Gleichschaltung 1933, in der die Gemeinden nichts zu entscheiden hatten, wurde die Selbstverwaltung 1945 nach Ende des Zweiten Weltkrieges durch die Alliierten wieder hergestellt. Da die Anforderungen stiegen, sollten bei der Gebietsreform 1972 diejenigen der 8000 bestehenden Gemeinden, die weniger als 5000 Einwohner hatten, zusammengelegt werden. Das konnten Brunn, Laaber und Deuerling durch die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft verhindern.

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