MyMz
Anzeige

Spesenrechnung für das letzte Geleit

Nach dem Tod des Autokönigs Hartl 1976 schickte der Brunner Bürgermeister der Erbin einen frechen Brief. Die „Woche“ berichtete.

  • Todesanzeige, Busfahrt, sonstige Spesen – das alles wollte der Bürgermeister von Brunn von der Erbin eintreiben.Foto: dpa
  • Die WOCHE machte das Geschäftsgebahren des Bürgermeisters öffentlich.

Regensburg.Der Regensburger Franz Hartl, seines Zeichens Herrscher über ein Autoimperium, das seinen Namen trug, war auch in der kleinen Gemeinde Brunn im Landkreis Regensburg gern gesehen, wo er nicht nur Jagdpächter war, sondern auch der Feuerwehr und anderen Vereinen so manches Gute tat. Mal war es eine Feuerwehrspritze, die man ihm abbettelte, mal die Vorhänge für die Schule. Der erfolgreiche Geschäftsmann ließ sich gerne bitten und unterstützte das Dorf in seinen Anliegen. Ob seiner Verdienste wurde er gar zum Ehrenbürger ernannt. Klar, dass ihm bei seiner Beerdigung 1976 auch der damalige Bürgermeister, Gemeinderäte, Jagdgenossen und Feuerwehrmänner aus Brunn die letzte Ehre erwiesen.

Nachricht für die Tochter

In zwei Bussen waren sie in die Großstadt gepilgert, um hier am Grab des Ehrenbürgers einen Kranz niederzulegen, so wie unter anderem auch die Geschäftsführung des Wolfsburger VW-Konzerns. Beim Leichenschmaus saß das Gemeindeoberhaupt ganz oben an der Tafel, also ganz nah bei den nächsten Verwandten des Verstorbenen. Kaum war das Trauerjahr vorüber, wich die Anteilnahme des Bürgermeisters der Geschäftstüchtigkeit. Als oberster Sparkommissar schrieb er einen Brief an die Tochter des Ehrenbürgers und forderte höflich, aber bestimmt die Erstattung der Unkosten ein, die der Gemeinde durch den Besuch der Beerdigung entstanden waren. Gleichzeitig erinnerte er die Hinterbliebene auch an ein angeblich von Hartl versprochenes Erbe, das der Gemeinde Brunn zukommen sollte.

Unter anderem hieß es da in nicht ganz korrektem Deutsch und unter souveränem Verzicht auf jegliche Satzzeichen wörtlich: „Ich möchte Sie Frau Jungmann nur höflichst bitten uns die Ausgaben anläßlich der Beerdigung ihres Papers erstatten zu wollen. Nachruf in der Tageszeitung: DM 180,– Einen Kranz: DM 60,– 2 Busfahrten nach Regensburg: 100,– SA: DM 360,– Wenn Sie sonst noch etwas tun wollten, so ist dies Ihnen überlassen. Ich hoffe Frau Jungmann, daß Sie mir diese Zeilen nicht übel nehmen und verbleibe Hochachtungsvoll …“ Das einnehmende Wesen des Landwirts, der zu diesem Zeitpunkt seit 20 Jahren in der Gemeinde regierte, war im Dorf allgemein bekannt.

Jagdpacht stieg auf 7000 Mark

Auch von Franz Hartl hatte er einiges erbettelt. Schon als dieser sich 1970 für die Jagdpacht interessierte, schnellte der Preis von 2000 auf 7000 Mark in die Höhe, recherchierte die WOCHE. Der Bürgermeister begründete dies seinerzeit mit der darbenden Landwirtschaft. „I moan, dass wir rausholen, was rauszuholen ist“, sagte er damals. Und Hartl zahlte und zeigte sich auch sonst sehr großzügig.

Doch dieses Schreiben an die Hinterbliebenen, das ohne Wissen des Gemeinderats entstanden war, ließ dann doch feinfühligere Gemeinderäte und Bürger die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Damit hatte der Bürgermeister das schöne Jura-Dorf unsterblich blamiert.

Weitere Teile unserer Serie „,Die Woche‘ – Die spannendsten Schlagzeilen“ finden Sie hier.

Das Buch zur Serie

  • Die Zeitung:

    Donnerstag war in Regensburg WOCHE-Tag. Die Stadt wartete auf die einzige wöchentlich erscheinende regionale Boulevardzeitung Deutschlands. Der damalige Chefredakteur Josef „Jupp“ Titz und WOCHE-Redakteur Manfred Rohm erinnern sich an die besten Geschichten aus 30 Jahre.

  • Das Buch:

    Das Buch „Die Woche bringt es an den Tag“ ist im Gietl-Verlag erschienen und kostet 29,90 Euro.

Weitere Nachrichten aus Regensburg finden Sie hier.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de jetzt auch über WhatsApp. Hier können Sie sich anmelden: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht