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Tradition

Gesangverein singt leise Servus

Der Chor in Donaustauf könnte 2020 sein 130. Jubiläum feiern – doch er wird aufgelöst. Jetzt wurde der Leiter geehrt.
Von Petra Schmid

Die Gründerväter des Gesangvereins Donaustauf: Die Aufnahme stammt aus dem Chronikbuch des Chors. Foto: Repro Petra Schmid
Die Gründerväter des Gesangvereins Donaustauf: Die Aufnahme stammt aus dem Chronikbuch des Chors. Foto: Repro Petra Schmid

Donaustauf.Singen bereitet vielen Menschen Freude. Und einige, die Spaß am Gesang haben, trällern nicht nur unter der Dusche ihre Liedchen – sondern sie schließen sich einer Chorgemeinschaft an. Dort wird nicht nur gemeinsam gesungen: Man tritt auch gemeinsam bei Konzerten und Veranstaltungen auf – und das macht vielen noch mehr Spaß. Auch den Sängerinnen und Sängern des Gesangvereins 1890 in Donaustauf geht es so.

Der Chor kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Im kommenden Jahr würde er das 130. Gründungsjubiläum feiern. Könnte deshalb, weil der Gesangverein das Jubiläum als offizieller Verein nicht mehr erleben wird. Die Verantwortlichen um die Vorsitzende Maximiliane Groß haben sich nämlich entschlossen, dass sie sich aus dem „offiziellen Leben“ zurückziehen.

Kein alltägliches Jubiläum

Der Grund: Nicht nur der Verein ist in die Jahre gekommen, sondern auch die Führungscrew und die Sänger sind schon seit vielen Jahren dabei. Quasi zum Abschied kann der Gesangverein 1890 noch zumindest mit einem kleinen Jubiläum aufwarten, das sicherlich auch nicht alltäglich ist. Deshalb lud die Marktgemeinde vor Kurzem zu einer kleinen Feierstunde in die Räume der Gemeindebücherei im Rathaus ein.

Der Anlass für das Fest ist schnell gelüftet: Wilhelm Lehner leitet seit rund 30 Jahren den Laienchor. Dies sei ein Grund, einmal das Engagement hervorzuheben und Dank zu sagen, meinten nicht nur die Sängerinnen und Sänger, sondern auch Bürgermeister Jürgen Sommer. Er sagte, es freue ihn, das Engagement des Chorleiters hervorzuheben. Er kenne Lehner schon, seit er die zweite oder dritte Klasse in der Grundschule Donaustauf besucht habe. Dort habe er Lehner als Lehrer wahrgenommen, verriet der Rathauschef. Er sei ein dynamischer und eloquenter Grundschullehrer gewesen, sagte Sommer: „Eben ein klasse Lehrer!“ Seine Qualitäten habe er in seinen drei Jahrzehnten als Chorleiter bewiesen, betonte er.

Wilhelm Lehner (2. von links) führte mehr als 30 Jahre den Chor Foto: Schmid
Wilhelm Lehner (2. von links) führte mehr als 30 Jahre den Chor Foto: Schmid

Die Verantwortlichen des Gesangvereins hätten den Vorschlag gemacht, Lehner für sein Engagement einmal Dank auszusprechen – und der Markt habe den Vorschlag gerne aufgegriffen. Der Marktrat habe eine kleine Feierstunde vorgeschlagen, erklärte Sommer. Gerne denke er noch an das Chorkonzert zurück, das zum 100. Gründungsjubiläum ausgerichtet worden sei, schwärmte der Rathauschef. Ein außerordentliches Ereignis sei sicherlich auch die Verleihung der Zelter-Plakette gewesen, die nur Chorgemeinschaften erhalten können, die älter als 100 Jahre seien. Dies zähle bestimmt zu den herausragenden Ereignissen der großen und breiten Vereinsgeschichte, meinte er und übergab das Wort an Joachim Czech.

Er hatte lange den Gesangverein als Vorsitzender geführt und sprach humorvoll die Laudatio für Wilhelm Lehner – oder „Helmi“, wie er chorintern liebevoll genannt wird. Czech lobte nicht nur den langjährigen Chorleiter, sondern offenbarte auch die Vereinsauflösung. Sie seien auch zusammengekommen, um Abschied zu nehmen: von lieben Gewohnheiten, regelmäßigen Zusammenkünften, weinseligen Abenden, aber auch von einem altehrwürdigen Verein, der nach überwiegend harmonischen Stunden in die Jahre gekommen sei. Dass viele mit gemischten Gefühlen hier stünden, sei kein Wunder, denn es handle sich schließlich um einen gemischten Chor, scherzte er.

Mit „Helmi“ hätten sie nicht nur einen exzellenten Chorleiter an der Spitze gehabt, sondern auch einen eingefleischten Lehrer, der mit pädagogischem Können regelrecht jede Note eingepaukt habe. So manche Anekdote gab Czech zum Besten und schilderte augenzwinkernd, wie sehr Lehner den Chor mit seinem TÜV-geprüften Präzisions-Keyboard gequält habe.

Gerne den Chor geleitet

Chorleiter Wilhelm Lehner bedankte sich gerührt und hob hervor: „Ich habe nicht 30 Jahre die Chorleitung gemacht, damit ich eine Ehrung empfangen kann.“ Er habe dies gerne gemacht und sich immer dabei wohlgefühlt. Nicht nur die Chorproben, sondern auch das gemütliche Zusammensein habe den Gesangverein ausgemacht. Es seien nicht nur die Konzerte und Auftritte gewesen, sondern die großen Unternehmungen, wie etwa die Chorausflüge, die den Chorgeist weitergegeben würden. Er wolle die Ehrung nicht an sich gerichtet wissen, sondern an dem gesamten Chor, bat Lehner und über gab das Wort an die derzeitige Vereinschefin Maximiliane Groß.

„Wir werden unsere Vereinsaktivitäten auflösen und uns in Zukunft einmal im Monat als lose Vereinigung treffen“, erklärte sie. Man wolle die Freundschaften, die in den vergangenen Jahren entstanden seien, weiterpflegen und aus Freude am Singen sicherlich das eine oder andere Lied erklingen lassen, kündigte Groß an. Aber den Gesangverein 1890 gebe es dann nicht mehr offiziell, betonte sie.

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