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Denkmalschutz

Grabung: Schäden im Fürstengarten

Im Telekom-Auftrag wurde ein Leerrohr quer durch die denkmalgeschützte Anlage verlegt. Baufirma ignorierte einen Baustopp.
Von Christof Seidl, MZ

Ohne Genehmigung hat eine Baufirma im Auftrag der Telekom im Donaustaufer Fürstengarten ein Leerrohr für ein Internetkabel verlegt. Dabei wurde auch das Wurzelwerk einer rund 200 Jahre alten Blutbuche (im Hintergrund) geschädigt. Foto: Seidl
Ohne Genehmigung hat eine Baufirma im Auftrag der Telekom im Donaustaufer Fürstengarten ein Leerrohr für ein Internetkabel verlegt. Dabei wurde auch das Wurzelwerk einer rund 200 Jahre alten Blutbuche (im Hintergrund) geschädigt. Foto: Seidl

Donaustauf.Der Fürstengarten, der denkmalgeschützte „Grüne Salon“ der Marktgemeinde, hat schweren Schaden genommen. In der vergangenen Woche hat eine tschechische Baufirma im Auftrag der Telekom quer durch den Park ein Leerrohr für ein Glasfaserkabel verlegt – die Bauarbeiter nahmen dabei weder auf Baumwurzeln noch auf Bodendenkmäler Rücksicht, sagen Kritiker. Nach Informationen des Bürgerforums Donaustauf hatten sich mehrere Bürger deshalb entsetzt bei der Marktverwaltung gemeldet, um auf die Bauarbeiten aufmerksam zu machen.

Genehmigung nie beantragt

Diesen Bagger nutzte das Bauunternehmen für die Arbeiten im Fürstengarten.  Foto: Seidl
Diesen Bagger nutzte das Bauunternehmen für die Arbeiten im Fürstengarten. Foto: Seidl

Die Marktverwaltung, die die Bauarbeiten erst am vergangenen Donnerstag bemerkt hatte, wies die Baufirma noch am selben Tag an, die Grabung einzustellen. Mit gutem Grund: Nach Angaben von 2. Bürgermeister Wolfgang Weigert, der derzeit die Amtsgeschäfte führt, liegt für diese Grabung keine Genehmigung vor.

Wie der Verwaltungsleiter des Markts Donaustauf, Stefan Unertl, im Gespräch mit unserem Medienhaus sagte, habe es im Juni eine Vorbesprechung mit der Telekom gegeben. Damals habe das Unternehmen eine Trasse im nördlichen Bereich des Fürstengartens vorgeschlagen, die aus Sicht der Marktverwaltung schon aus Denkmalschutzgründen ausschied. Stattdessen habe man die Telekom aufgefordert, die Glasfaserleitung im Bereich des gekiesten Fußwegs am südlichen Randbereich des Fürstengartens zu verlegen und dafür einen Antrag zu stellen. Es sei aber nie ein entsprechender Antrag beim Markt Donaustauf eingegangen. Laut Unertl hätte die Telekom auch eine Grabungsgenehmigung vom Landesamt für Denkmalpflege benötigt. Auch diese sei offenbar nicht beantragt worden. Wie Unertl betont, steht der gesamte nördliche Bereich des Fürstengartens unter Denkmalschutz.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte die Baufirma das Leerrohr auf einer Länge von gut hundert Metern verlegt. Doch es kam noch schlimmer. Laut Unertl setzten die Mitarbeiter des tschechischen Unternehmens die Arbeiten trotz der Einstellung vom vergangenen Donnerstag am Tag darauf fort. Wie es dazu kommen konnte, ist dem Verwaltungsleiter völlig unverständlich. Weil die vor Ort tätigen Bauarbeiter kein Deutsch gesprochen hätten, habe man den Inhaber der Baufirma und einen Mitarbeiter der Telekom eingeschaltet und mit ihnen die Einstellung der Arbeiten besprochen.

Durch der Fortsetzung der Arbeiten ist am Freitag unter anderem eine mächtige Blutbuche aus der Zeit der Walhalla-Einweihung (1842) in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei den Grabungen sollen zahlreiche Wurzeln des Baumes beschädigt worden sein.

Nach Angaben der Marktverwaltung wurde auch das frühere Fundament des sogenannten Urturms durch die Kabeltrasse durchschnitten. Dieser Vorgänger des jetzigen Chinesischen Turms stand unterhalb einer kleinen Böschung – genau dort, wo die ungenehmigte Kabeltrasse verläuft. Als Vermessungstechniker den historischen Standort des im Urkataster von 1816 dargestellten Chinesischen Turms im vergangenen Jahr einmessen wollten, stießen sie beim Stecken der Vermessungspflöcke prompt auf zwei Steinplatten. Es handelt sich mit Sicherheit um die Fundamentsteine des einstigen Turms. Er befand sich genau in der Achse einer Allee des einstigen fürstlichen Parks.

Die Grabungsarbeiten wurden trotz eines Baustopps fortgesetzt. Foto: Seidl
Die Grabungsarbeiten wurden trotz eines Baustopps fortgesetzt. Foto: Seidl

Das Landratsamt Regensburg erklärte auf Anfrage, dass weder die Untere Denkmalschutzbehörde noch die Bauabteilung Kenntnis von den Grabungsarbeiten im Fürstengarten hatten. „Wir waren hier außen vor“, sagte Pressesprecher Hans Fichtl. Die Behörde hatte den Fall erst auf die Anfragen von Anwohnern hin aufgegriffen. Sie schaltete einen Grabungstechniker vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ein, der sich die Sache vor Ort ansah.

Wiedergutmachung steht noch aus

Erst seit dem Wochenende sind die Arbeiten im Fürstengarten definitiv unterbrochen. Der Markt Donaustauf organisierte am gestrigen Dienstag eine Besprechung mit Vertretern der Telekom, der Baufirma sowie mit Landschaftspflege-Fachleuten des Landratsamts. Das Ergebnis dieses Gesprächs wollte die Telekom nach Angaben der Marktverwaltung selbst bekanntgeben. Das Unternehmen hatte aber bis Dienstagabend nicht auf eine schriftliche Anfrage unseres Medienhauses zu den Ergebnissen des Gesprächs reagiert.

Der Fürstengarten

  • Auftakt:

    1812 erhält das Fürstenhaus Thurn und Taxis vom Königreich Bayern die vormalige Herrschaft Donaustauf als Entschädigung für die Übertragung der Postrechte an den Staat. Umbauarbeiten an den Gebäuden beginnen.

  • Ausbau:

    1820 startet der Ausbau der Parkanlage, des heutigen Fürstengartens. 1840/42 folgt der Umbau zum repräsentativen Schloss für die Einweihung der Walhalla.

  • Erweiterung:

    In dieser Zeit wird auch die Parkanlage erweitert. Bis zum großen Brand in Donaustauf 1880, bei dem auch das Schloss zerstört wird, investiert das Fürstenhaus immer wieder in die Aufwertung des Fürstengartens.

  • Heute:

    Die Parkanlage ist öffentlich, Blickfang ist der Chinesische Turm, der bei dem Brand unversehrt blieb und seit 1999 wieder ein Wahrzeichen des Markts ist.

Ob und in welcher Weise die Telekom die Grabungsschäden ausgleichen will, ist daher noch offen. Nach Informationen unseres Medienhauses gibt es zumindest eine Vereinbarung, dass das Kabel um die Fundamente des Urturms herum verlegt wird. Ob das Landesamt für Denkmalpflege darüber hinaus Forderungen stellen wird, erscheint derzeit als unwahrscheinlich. Angeblich handelt es sich bei den Turmfundamenten nicht um ein Bau- oder Bodendenkmal.

Wichtiger ist für die meisten Donaustaufer Bürger vermutlich die Frage, ob die Bäume entlang der Grabungstrasse dauerhaft Schaden nehmen werden. Vor allem die große Blutbuche wäre unersetzlich.

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