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Politik

Peter Aumer will wieder nach Berlin

Der Politiker kündigte der CSU Regensburg-Land die Kandidatur an. Amtsinhaber Graf Lerchenfeld blieb der Sitzung fern.
Von Helmut Wanner, MZ

Maria Eichhorn gratuliert ihrem Nachfolger Peter Aumer nach der Bundestagswahl 2009.
Maria Eichhorn gratuliert ihrem Nachfolger Peter Aumer nach der Bundestagswahl 2009. Archiv-Foto: Wachter

Donaustauf.Peter Aumer will wieder in die Bundespolitik zurückkehren. Am Mittwoch erklärte der 39-Jährige vor dem Kreisvorstand der CSU: „Ich möchte meine Arbeit in Berlin gerne fortsetzen.“ Der amtierende MdB Philipp Graf von und zu Lerchenfeld hatte sich zur Kreisvorstandssitzung im Forsters Posthotel entschuldigt. Peter Aumer hatte die Region Regensburg schon einmal im Deutschen Bundestag vertreten. Weil Aumer wegen der Landratswahl auf eine Doppel-Kandidatur – also Bundestag und Landrats-Position – verzichtet hatte, rückte Philipp Graf von und zu Lerchenfeld als CSU-Kandidat nach. Lerchenfeld zog 2013 mit 48,5 Prozent der Erststimmen in den Bundestag ein. Peter Aumer hatte 2009 44,7 Prozent bekommen.

Entscheidung fällt im Juni

Bis zum Juni will sich die Landkreis-CSU – neben Aumer wird Amtsinhaber und MdB Lerchenfeld kandidieren, auf einen Bewerber einigen. Der Gewinner dieses Wettstreits wird dann bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Stadt- und Landkreis-Delegierten gegen die Regensburger Bundestagsabgeordnete Dr. Astrid Freudenstein darum kämpfen, wer für die CSU in Stadt und Landkreis als Direktkandidat antritt. Bei diesem Zweikampf muss es aber nicht bleiben. Denn weitere Bewerber können in der Veranstaltung vorgeschlagen werden. Das ist allerdings nur eine theoretische Option.

In der Landkreis-CSU werden sowohl Lerchenfeld wie auch Aumer gute Chancen eingeräumt. Ersterer punktet als amtierender Abgeordneter, Zweiterer wirft das Gewicht des Kreisvorsitzenden in die Waagschale. Wie die MZ aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, sind aktuell die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse zwischen Aumer und Lerchenfeld nicht einzuschätzen. Ein Mitglied des Kreisvorstands sagte allerdings unserer Zeitung: „Der Kreisvorsitzende hat den besseren Stand in der Partei. Die Personal-Rochaden des Grafen kamen nicht gut an.“

Der Amtsinhaber

  • Geburt:

    : Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, geboren 1952 in Köfering stammt aus einer Familie, die sich sich schon immer politisch betätigte. Sein Urgroßonkel Hugo Graf von und zu Lerchenfeld auf Köfering und Schönberg war 1921/22 bayerischer Ministerpräsident

  • Politische Laufbahn:

    2003 wurde der Graf Mitglied des Bayerischen Landtags: 2003 bis 2008 Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie; 2008 bis 2013 Mitglied des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen und finanzpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion

  • Bundestag:

    Seit 2013 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Regensburg (Stadt Regensburg und Landkreis Regensburg). Er ist Mitglied des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, im Ausschuss für Umwelt, Natur, Bau und Reaktorsicherheit sowie im Petitionsausschuss.

  • Privat:

    Graf Lerchenfeld lebt mit seiner aus dem ungarischen Adelsgeschlecht der Grafen Ambrózy von Seden und Remete stammenden Frau Marie Therese auf dem Familienschloss in Köfering.

Peter Aumer hält auf Nachfrage der MZ fest, dass bei der Kreisvorstandssitzung bewusst nicht über Personen diskutiert wurde. Es sei „nach einer konstruktiven und sachlichen Diskussion“ nur der Weg festgelegt worden, und zwar einstimmig. Dieser Weg sehe vor: Bis zum 31. Mai sollen die Ortshauptversammlungen in den 76 CSU-Ortsverbänden stattfinden, bei denen insgesamt 237 Delegierte für die Kreisvertreterversammlung gewählt werden. Diese soll im Juni den einen CSU-Bewerber aus dem Landkreis Regensburg für die Bundestagswahl nominieren. Er muss dann ins Rennen mit der Regensburgerin Astrid Freudenstein.

Mit über 3000 Mitgliedern ist der Kreisverband Regensburg Land einer der mitgliederstärksten CSU-Verbände in Bayern. Er stellt bei der Bundeswahlkonferenz im Juli 105 Delegierte, die CSU Regensburg-Stadt nur 50. Für einige Mitglieder dieses heterogenen Gremiums scheint es dieses Mal übrigens nicht unbedingt die größte Rolle zu spielen, dass der CSU-Kandidat der Region Regensburg aus dem Landkreis kommt. „Es ist bestimmt nicht schlecht, wenn der Bewerber vorrangig die Interessen der Landkreis-Bevölkerung vertritt“, sagte ein Landkreis-Bürgermeister unserer Zeitung. „Aber letztlich könnte man natürlich auch mit Freudenstein leben.“

Zweifel an einer fairen Lösung

Astrid Freudenstein wollte sich am Donnerstag nicht zu den Beschlüssen der Landkreis CSU äußern. Philipp Graf von und zu Lerchenfeld war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dafür äußerte sich sein ehemaliger Büroleiter Gerhard Gröschl aus Kareth. Der Vorsitzende der Mittelstands-Union ist kooptiertes Mitglied wie Graf Lerchenfeld. Beide blieben der Sitzung fern. Gröschl kritisierte auf Nachfrage unserer Zeitung den Weg der Kandidatenkür. Dass die Kreisvertreterversammlung einen Kandidaten bestimmen wolle, der bei der Bundeswahlkreisversammlung Ende Juli kandidieren werde, ist für Gröschl „eine Art Vorwahl, in der es darum geht, Graf Lerchenfeld aus dem Weg zu schieben.“ Für Gröschl ist der Weg, den die Kreisvorstandschaft jetzt beschlossen hat, „nicht der demokratischte, sondern der geschmeidigste Weg für den, der die Fäden in der Hand hält.“ Für Gröschl wäre die fairste Lösung, eine gemeinsame Delegiertenversammlung mit allen Kandidaten aus Stadt und Land.

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