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Engagement

Sie helfen seit zehn Jahren

Die Freiwillige Feuerwehr Donaustauf hat eine Ersthelfer-Einheit. Sie kommen meist vor dem Notarzt und bringen Hilfe.
Von Petra Schmid

Michael Wagner und Kommandant Christopher Möck (rechts) beim Einsatzfahrzeug Foto: Petra Schmid
Michael Wagner und Kommandant Christopher Möck (rechts) beim Einsatzfahrzeug Foto: Petra Schmid

Donaustauf.Die ganze Familie sitzt gemütlich an einem der Feiertage zusammen und unterhält sich. Plötzlich greift sich der Opa an die Brust und ringt mühsam nach Atem. Geschockt versuchen die anderen zu helfen und wählen sofort den Notruf. Noch während des Telefonats mit der Notrufzentrale hat der Mann das Bewusstsein verloren. Aufgeregt und ängstlich wartet die Familie auf den Notarzt und Sanitätswagen. Es scheint ewig zu dauern, bis Hilfe kommt, dabei sind erst wenige Minuten vergangen.

Da ist schon das schnell näher kommende Martinshorn zu hören. Die Familienmitglieder atmen erleichtert auf, als ein rotes Auto vor dem Haus hält, und im Laufschritt zwei junge Männer auf das Haus zu laufen. Die Familie hat Glück, sie wohnt im Einsatzgebiet der First Responder Einheit der Freiwilligen Feuerwehr Donaustauf. Diese Gruppe rückt immer dann aus, wenn ein medizinischer Notfall gemeldet wird, um die Zeit zu überbrücken bis Rettungsdienst und Sanitäter vor Ort sind.

Helfer fast von Anfang an

Solche oder ähnliche Situationen haben die First Responder an den Weihnachtsfeiertagen und an Silvester erlebt. Denn gerade am Abend, am Wochenende und an Feiertagen „rücken“ die Responder aus. Freilich schieben die rund zehn Mitglieder der Einheit, die eine extra Ausbildung absolviert haben, auch tagsüber Dienst, wenn jemand im Schichtdienst tätig ist und frei oder Urlaub hat, erklärt FF-Kommandant Christopher Möck, der auch der Chef der First Responder Einheit ist und der fast von Beginn an dabei ist und dies schon seit zehn Jahren. Im Jahr 2008 wurde nämlich die Einheit ins Leben gerufen.

Mit dem Gedanken gespielt habe man allerdings schon Jahre zuvor, aber rechtliche Unklarheiten hätten das Projekt vorerst noch auf Eis gelegt. Federführend griffen damaliger Kommandant Helmut Moser und Vize Christian Höpfl das Projekt wieder auf und stellten entsprechend die Weichen. Der Markt Donaustauf unter Führung des damaligen Bürgermeisters Hans Lauberger zeigte sich aufgeschlossen und förderte das Projekt „First Responder“ von Anfang an.

Den Zeitvorsprung nutzen

Kommandant Moser und nun Möck betonen, dass man nicht in Konkurrenz zu Rettungsdiensten stehe, sondern lediglich den oft wertvollen Zeitvorteil nutzen wolle, um beispielsweise einen Patienten mit Sauerstoff zu versorgen. Der Zeitvorsprung liegt daran, dass der Anfahrtsweg kürzer ist und auch Ortskenntnisse genutzt werden können; zum anderen befindet sich im Fahrzeug ein Navigationsgerät, auf das die Integrierte Leitstelle in Regensburg automatisch die kompletten Einsatzdaten sendet. So können die Responder, meist rücken sie zu zweit aus, beim Einsteigen in das Fahrzeug sofort wissen, wo sie hinmüssen. „Ein Klick auf das Touch und die Navigation zum Einsatzort startet“, erklärt Kommandant Möck.

„Als First Responder ist der einzelne noch mehr gefordert als beim aktiven Feuerwehrdienst.“

Christopher Möck, Kommandant

Unterwegs zu den Einsätzen ist die First Responder Einheit derzeit mit einem Audi Q5. Was als Experiment begann, hat sich rasch als notwendige Einrichtung erwiesen, beispielsweise im vergangenen Jahr eilten sie zu mehr als 360 Einsätzen, erzählt Möck. Das zehnköpfige Team ist während der Woche meist in der Kernzeit von 17 bis 7 Uhr und am Wochenende unterwegs. Der Einsatz als First Responder gehe, so wie auch als aktiver Feuerwehrler schon gelegentlich an die Substanz. Das, was man erlebe und gerade, wenn man nicht mehr habe helfen können, müsse man ja schließlich auch verarbeiten und dürfe man nicht in das private Leben mitnehmen. Das Mitgefühl sei bei ihm und seinen Kollegen immer groß. Nach einem schweren Einsatz helfe es ihm, mit dem Kollegen darüber zu sprechen, aber jeder habe seine eigene Art damit umzugehen. Wenn man zu einem Kindernotfall gerufen werde, sei man froh, wenn Eltern übertrieben hätten. Die Gedanken, kämen aber erst, wenn man wieder auf dem Rückweg sei, denn zuvor stehe die „Arbeit“, das Helfen im Vordergrund, machte er deutlich.

Es sei erfreulich, dass mittlerweile der Dienst der First Responder Einheit von vielen Donaustaufer Bürgern geschätzt werde. Anfangs habe es Kritiker gegeben, die die Einrichtung für unnötig hielten, blickt Möck zurück. „Besonders freuen wir uns, wenn wir und von betreuten Patienten oder den Angehörigen eine Rückmeldung bekommen.“ Ob dies nun in Form eines kurzen Besuchs, eines Dankschreibens oder einer Spende sei, zählt er auf.

Derzeit sind Donaustauf und die Freiwilligen Feuerwehr in Rechberg, die einzigen der 176 Feuerwehren im Landkreis, die so eine Ersthelfereinheit anbieten. Nachahmer, die das Netz ausbauen würden, seien willkommen, wirbt Kommandant Möck. Infos für Spenden sind unter www.feuerwehr-donaustauf.de zu finden.

Das gehört zur Ausrüstung der Responder

  • Rucksack:

    Hier sind die Materalien und Geräte, die zur Versorgung der Patienten notwendig sind untergebracht. Beispielsweise Blutdruck und Blutzucker können gemessen und Wunden verbunden werden.

  • Sauerstoffplatte:

    Sauerstoff kann über eine Sauerstoffmaske, Beatmungsbeutel oder Larynxtubus möglich. Außerdem können damit Fremdkörpern aus dem Mundraum abgesaugt werden.

  • Ausrüstung für Kindernotfälle:

    In einem eigenen Rucksack für Kindernotfälle sind neben diversen Standardteilen auch einige speziell auf kleine Patienten zugeschnittene Ausrüstungsgegenstände enthalten.

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