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Natur

Telekom lässt die Blutbuche pflegen

Das Unternehmen räumt seine Verantwortung für die Schäden an etlichen Bäumen im Donaustaufer Fürstengarten ein.
Von Christof Seidl, MZ

Die Telekom hat das beschädigte Wurzelwerk der historischen Blutbuche im Fürstenpark Donaustauf mittlerweile von einem Fachmann pflegen lassen. Foto: Seidl
Die Telekom hat das beschädigte Wurzelwerk der historischen Blutbuche im Fürstenpark Donaustauf mittlerweile von einem Fachmann pflegen lassen. Foto: Seidl

Donaustauf.Die Deutsche Telekom räumt ein, für die Schäden im Donaustaufer Fürstengarten verantwortlich zu sein, und leistet Wiedergutmachung. Dies kündigt das Unternehmen in einer Pressemitteilung an. Wie berichtet hatte in der vergangenen Woche eine tschechische Baufirma im Auftrag der Telekom quer durch den Park ein Leerrohr für ein Glasfaserkabel verlegt. Die Bauarbeiter nahmen dabei weder auf Baumwurzeln noch auf Bodendenkmäler Rücksicht. Noch schlimmer: Für die rabiate Grabungsaktion lag nach Angaben der Marktverwaltung keine Genehmigung vor und die Baufirma setzte ihre Arbeiten auch noch nach einem Baustopp fort – und schädigte dadurch das Wurzelwerk einer mächtigen Blutbuche aus der Zeit der Walhalla-Einweihung.

Nach einem Ortstermin am Dienstag erklärte die Telekom nun auf Anfrage unseres Medienhauses, dass sie für die Schäden verantwortlich ist. In dem Schreiben betont Pressesprecher Hubertus Kischkewitz, dass die Maßnahme in Donaustauf einer Netzerweiterung zur Verbesserung der Breitbandversorgung diene. Laut Kischkewitz habe die Telekom für eine Trasse am nördlichen Gehweg die Zustimmung beim Markt beantragt und diese sei auch erteilt worden.

„Es kam leider zu Fehlern“

Wörtlich heißt es dann: „Bei der weiteren Durchführung dieser Arbeiten kam es dann leider zu Fehlern, die wir bedauern.“ So sei versäumt worden, für die kurzfristig vereinbarte Verlegung der Trasse zum südlichen Gehweg die Zustimmung einzuholen und das Landratsamt Regensburg einzubinden. Kischkewitz: „Wir bedauern ferner fachliche Mängel in der Bauausführung.“

Die Marktverwaltung kann diese Darstellung nicht ganz nachvollziehen. Nach Angaben von 3. Bürgermeisterin Brigitte West sei nie eine Zustimmung zu einer Trasse erteilt worden, schon weil die Telekom nie einen angeforderten Tekturplan beigebracht habe. West will aber nicht auf einer Berichtigung bestehen. Ihr ist wichtiger, dass die Telekom bei dem Ortstermin, an dem auch die Bürgermeisterin teilgenommen hatte, Wiedergutmachung ankündigte.

Nach Angaben von Kischkewitz wird die Telekom für das Breitbandkabel eine neue Trasse am südlichen Gehweg nutzen. So werde auch das ehemalige Fundament des Chinesischen Turms künftig umgangen. Dieses Fundament sei bei den Bauarbeiten nicht beschädigt worden, betont der Pressesprecher. Die Telekom werde außerdem für den entstandenen zusätzlichen Aufwand aufkommen. So würden spezielle Baumpflegearbeiten durchgeführt werden.

Wurzelpflege bereits durchgeführt

Kischkewitz kündigte speziell für den Bereich der historischen Blutbuche an, dass in Abstimmung mit dem Markt noch diese Woche gesonderte Wurzelpflegemaßnahmen durchgeführt werden. Diese sind nach Angaben der Verwaltung am Donnerstag bereits erfolgt. Die fehlenden Zustimmungen und Genehmigungen werden laut Kischkewitz nachträglich eingereicht bzw. neu beantragt. Die Arbeiten würden erst nach Prüfung und Freigabe durch die Verwaltung fortgesetzt werden.

Das Bürgerforum Donaustauf, das sich für die Einstellung der Grabungsarbeiten eingesetzt hatte, will sich mit diesem Ergebnis nicht ganz zufriedengeben, wie Vorsitzender Florian Eckert und sein Stellvertreter Gerd-Dieter Vangerow in einer Stellungnahme betonen. Auch wenn die Gemeinde keine Kenntnis über die exakten Planungen der Telekom gehabt habe, so sei sie grundsätzlich in der Pflicht, sich um die Wahrung der Interessen des Orts und den Erhalt seiner Kulturgüter zu kümmern. „Es ist schon seltsam, dass unser denkmalgeschützter Fürstengarten von einem Bautrupp vogelwild umgepflügt wird und die Gemeinde bemerkt es nicht“, sagt Eckert.

Konzept für den Fürstengarten

  • Konzept:

    Das Pflege- und Entwicklungskonzept Fürstengarten aus dem Jahre 1999 hatte das Ziel, die historische Anlage als öffentlichen Park für die Bevölkerung und den Tourismus wieder erlebbar zu machen und aufzuwerten.

  • Ausstellung:

    Eine Ausstellung der Pläne im Obergeschoss des Chinesischen Turmes, die erstmals seit 1999 gezeigt werden, soll diese Ziele beleuchten und die kulturhistorische Bedeutung des Fürstengartens aufzeigen.

  • Öffnungszeiten:

    Die Ausstellung ist im Rahmen der Öffnungszeiten des Chinesischen Turms bis Ende September jeden Sonntag, 14 bis 17 Uhr, zu sehen.

  • Trasse:

    Der Förderverein Chinesischer Turm strebt ein nachhaltiges Konzept für den Turm an, das nur auf der Grundlage eines nahegelegenen Nebengebäudes machbar ist. Die jetzt verhinderte Leitungstrasse hätte den geplanten Standort dieses Gebäudes durchschnitten und dieses so verhindert.

Er und Vangerow wünschen sich ein Umdenken bei der Marktgemeinde Donaustauf: Zwar habe sich die Kommune erfreulicherweise zu der Erstellung eines kommunalen Denkmalkonzepts durchgerungen, aber immer noch scheine der Erhalt des baulichen Erbes nicht so richtig als echte Aufgabe angenommen worden zu sein. „Wir brauchen im Rathaus endlich mehr Sensibilität für den Eigenwert von Denkmälern und Natur“, kritisiert Eckert. Immer noch müsse man sich eher für das Streben nach dem Erhalt von historischer Bausubstanz rechtfertigen als für deren Beseitigung. Als Konsequenz aus den aktuellen Geschehnissen regen er und Vangerow eine bessere strukturelle und personelle Verankerung von Denkmalschutz und Naturschutz in der Verwaltung an.

Was den Fürstenpark angeht, müsse sichergestellt werden, dass für künftige Kosten durch Baumpflegemaßnahmen oder Ersatzpflanzungen die Telekom auch längerfristig herangezogen werden könne. „Für die Folgekosten dieses krassen Versagens der Telekom darf nicht der Markt aufkommen müssen.“

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