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Sanierung

Walhalla hat wieder einen sicheren Stand

Nach zehn Jahren Bauzeit ist der Ruhmestempel wieder frei von Gerüsten. 13,3 Millionen Euro wurden bei der Sanierung verbaut.
von Dagmar Unrecht und Christine Strasser, MZ

  • Die Generalsanierung der Walhalla ist abgeschlossen. Foto: Lex
  • (v.l.) Hans Weber, Baudirektor am Bauamt Regensburg, Kultusstaatssekretär Bernd Sibler und Verleger Fritz Pustet präsentieren das Buch zur Sanierung. Foto: Lex
  • Der Unterbau der Ruhmeshalle musste abgedichtet werden. Außerdem waren statische Sicherungsmaßnahmen nötig. Foto: Lex

Donaustauf.Brigitte Gnoth hat einen ganz besonderen Arbeitsplatz. „Einmalig“, wie sie sagt: Von hinten schaut ihr Heinrich Heine über die Schulter, gegenüber kann sie Wolfgang Amadeus Mozart in die Marmoraugen blicken. Über ihr strahlt die Sternendecke der Walhalla. Die 60-Jährige aus Schwabelweis sitzt seit 2003 an der Kasse der Ruhmeshalle in Donaustauf. „Ich bin zusammen mit Sophie Scholl gekommen“, sagt sie schmunzelnd. Deren Büste steht seit 22. Februar 2003 gleich neben dem Eingang, genau 60 Jahre nach dem Todestag der Widerstandskämpferin wurde sie dort aufgestellt.

Bedeutende Persönlichkeiten werden in der Walhalla durch 129 Marmorbüsten und 65 Gedenktafeln geehrt. Doch vor mehr als zehn Jahren wurde deutlich, dass sie kein sicheres Dach mehr über dem Kopf und keinen sicheren Stand mehr unterm Sockel haben. Denn der Unterbau, der verhindert dass das prächtige Gebäude den Abhang zur Donau hinabrutscht, war mit langen Rissen durchzogen. Die große Treppenanlage musste 2002 gesperrt werden, weil sich die Stützmauern teilweise erheblich nach außen gewölbt hatten. Mehrere Jahre lang prägten Kräne und Gerüste das Bild der Ruhmeshalle mit. Nun sind sie endlich wieder verschwunden. Am Donnerstag wurde der Abschluss der Sanierung gefeiert und ein Buch vorgestellt, dass die umfangreichen Arbeiten dokumentiert.

Aufwand hat sich gelohnt

„Ich freue mich, dass eines der wichtigsten Nationaldenkmäler unseres Landes und ein herausragendes Zeugnis klassizistischer Architektur des 19.Jahrhunderts nun wieder in neuem Glanz erstrahlt“, sagte Kultusstaatssekretär Bernd Sibler bei der Festveranstaltung. „Zwölf Jahre hat der Bau der Walhalla seinerzeit gedauert. Die Generalsanierung eineinhalb Jahrhunderte später nahm fast genauso viel Zeit in Anspruch. Aber wenn ich mir das Ergebnis dieses Mammutprojekts anschaue, muss ich sagen: Der finanzielle und zeitliche Aufwand haben sich wirklich gelohnt!“, betonte der Staatssekretär. Die gewaltige Kraft der Geschichte sei hier zu spüren – nicht nur für Touristen, wie er hoffe. Es sei wichtig, dass auch die Menschen aus der Umgebung zur Walhalla kommen.

13,3 Millionen Euro wurden verbaut. Besonderes Anliegen: Die gesamte Sanierung erfolgte bei laufendem Betrieb, wie der leitende Baudirektor des Staatlichen Bauamtes Regensburg, Hans Weber, erläuterte. Und: Es ging nicht so sehr darum, das Gebäude rundum zu erneuern, vielmehr sollten Alter und Gebrauch des Denkmals auch nach der Sanierung für die Besucher erlebbar bleiben.

König Ludwig I. (1825 bis 1848) hat das Gebäude von seinem damaligen Hofbaumeister Leo von Klenze in den Jahren 1830 bis 1842 errichten lassen. Mehr als zehn Jahre haben die jüngsten Instandsetzungsarbeiten gedauert. Vor allem eindringendes Wasser hatte das Bauwerk beschädigt. An vielen Stellen war es in die Mauern gedrungen, hatte dort Feuchtigkeitsschäden verursacht, in den Gewölben im Untergeschoss entstanden sogar Stalaktiten. Nun ist es Baudirektor Weber eine Freude, die erstaunten Gäste der Feierstunde durch diese Unterwelt zu führen. Denn unter der Ruhmeshalle tut sich ein Raum auf, der einer Kathedrale gleicht. Das Regenwasser wird nun über Kupferrohre abgeleitet. In den Seitengängen wurden vier gemauerte Wandscheiben ergänzt, um das bestehende Gefüge und das spezifische Tragwerkskonzept von Klenze zu verstärken.

Neues Konzept für Raumklima

Weil die Walhalla unbeheizt ist, bildete sich vor allem im Frühjahr und Herbst Kondenswasser an der Decke und im Dachbereich. Deshalb gibt es jetzt eine Lüftung, im Norden der Halle wurden dazu säulenförmige Ansaugstutzen installiert. Von dort wird Außenluft durch unterirdische Rohre ins Untergeschoss der Walhalla transportiert.

In der Halle selbst griffen die Ingenieure auf Lüftungsschächte zurück, die bereits beim Bau der monumentalen Anlage geschaffen worden sind. Die Sternendecke hat einen speziellen Überzug erhalten, um sie künftig vor Feuchtigkeitsschäden zu bewahren. Auch die fünf großen Holztüren der Walhalla wurden restauriert und mit einer speziellen Lackierung versehen, die das Holz widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit macht.

Brigitte Gnoth ist froh, dass die Sanierungsarbeiten endlich zu Ende sind. „Zuletzt war das Gerüst direkt über der Kasse, da kam ich mir vor wie im Keller“, sagt sie. Jetzt ist der Raum wieder hell, von draußen fällt Sonnenlicht durch die geöffnete Eingangstür in die Halle.

Auch Traudel Waizenegger wundert sich, wie lichtdurchflutet die Walhalla ist: „Ich habe es mir dunkler vorgestellt.“ Sie ist aus Leutkirch im Allgäu angereist und hat einige Tage in Regensburg verbracht. „Pompös“ wirke die Totenhalle, sagt sie beeindruckt. „Gigantisch und überwältigend“, findet Franziska Stieber aus Dresden die Walhalla. Zusammen mit ihrem Vater Hans Wünschmann hat sie in Viechtach Urlaub gemacht, jetzt sind sie auf der Heimfahrt zurück nach Sachsen.

Der 93-jährige Vater erinnert sich, dass er schon als Jugendlicher mit dem Zug an der Walhalla vorbeigefahren ist. Damals war er mit der Hitlerjugend in einem Ferienlager in Zwiesel. Heute ist er zum ersten Mal in der Walhalla drin. Dass dort die Büsten „großer Dichter und Denker“ stehen, wissen die beiden und witzeln: „Wir fehlen noch.“ Auf die Frage, wer denn nun konkret in der Ruhmeshalle verewigt ist, müssen Vater und Tochter raten und tippen richtig auf die Komponistern Richard Wagner und Ludwig van Beethoven. „Heute würde man so ein Gebäude ja als Geldverschwendung bezeichnen“, meint Franziska Stieber nachdenklich und lässt ihren Blick schweifen, „aber schön ist es trotzdem“.

Ein Stück Identität

Auch Brigitte Gnoth hat „ihre“ Walhalla ins Herz geschlossen. Schon als kleines Mädchen war sie regelmäßig hier. Wenn ihr Vater freihatte, spazierte die ganze Familie von Schwabelweis aus nach Donaustauf. „Hier haben wir dann immer Brotzeit gemacht“, erinnert sie sich. Auch nach all den Jahren kann sie den „tollen Ausblick“ noch genießen, besonders im Sommer. Dann sitzt sie auf dem zweiten Kassenplatz, von dort kann sie durch die geöffnete Eingangstür sogar bis in die Donauebene schauen. „Nur Zeit habe ich dafür meist keine, weil so viel los ist, besonders am Wochenende.“

Jetzt im Spätherbst ist es dagegen ruhig. Wenn sich der zähe Nebel hält, kommt oft den ganzen Vormittag niemand vorbei. Dann sitzt Brigitte Gnoth allein in ihrem Kassenhäuschen, schaut hin und wieder zu Sophie Scholl hinüber und freut sich, dass sie da ist.

Kommentar

Gut angelegt

Diese 13,3 Millionen Euro hat der Freistaat gut angelegt. So viel hat die Sanierung der Walhalla gekostet. So viel sollte den Bayern der Ruhmestempel wert...

Das Buch zur Sanierung

  • Herausgeber

  • Das Bauamt Regensburg hat die Generalsanierung der Walhalla in einem umfangreichen Werkbericht dokumentiert. Dieser wurde als Buch veröffentlicht.

  • Aus dem Inhalt

  • Unter dem Titel „Walhalla 2004-2014“ wird das breite Themenspektrum der Restaurierungsaufgabe in einzelnen Aufsätzen dargestellt. Neben der statischen Sicherung und der Abdichtung der Terrassenflächen lagen die Schwerpunkte in der Instandsetzung der Natursteinoberflächen, der Konsolidierung der Raumschale des Tempels sowie der Optimierung des Raumklimas.

  • Spezialthemen

  • „aber ein Ur-Werk soll es seyn“ – Mit diesem Zitat aus einem Brief von Kronprinz Ludwig an den Architekten Leo von Klenze hat Michael Schmidt, Gebietsreferent des Landesamtes für Denkmalpflege, seinen Beitrag überschrieben. Abgerundet wurde die Sanierung durch ein Landschaftspflegekonzept mit dem Ziel der Rückführung hin zur historischen Gesamtkonzeption. Auch diesem Thema ist ein Kapitel gewidment.

  • Infos zur Bestellung

  • Erschienen ist der Werkbericht im Pustet Verlag. Er umfasst 160 Seiten und kostet 19,95 Euro. ISBN: 978-3-7917-2602-1

Die Büsten in der Walhalla
Walhalla erstrahlt in neuem Glanz
Sanierung der Walhalla ist abgeschlossen

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