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Unglück

Brand: Schreiner kämpft für sein Team

Nach dem Feuer in Duggendorf liegt der Betrieb in Trümmern. Der Chef denkt schon an Wiederaufbau – wegen seiner Mitarbeiter.
Von Katharina Eichinger, MZ

Für Gerhard und Elvira Schönberger beginnen nun die Aufräumarbeiten. Foto: Eichinger
Für Gerhard und Elvira Schönberger beginnen nun die Aufräumarbeiten. Foto: Eichinger

Duggendorf.Glassplitter liegen herum, Nägel und bunte Ostereier sind auf dem Boden um das blaue Haus verstreut. Wie es in der Schreinerei Gerhard Schönberger einmal aussah, lässt sich nicht einmal mehr erahnen. Es riecht noch immer nach Feuer.

In der Nacht zum Dienstag hat ein Großbrand die Schreinerei völlig zerstört. Etwa 160 Ehrenamtliche von 14 Feuerwehren waren im Einsatz. Erst am Vormittag zog die letzte Feuerwehr ab. Gegen ein Uhr nachts hatte ein Nachbar das Unglück bemerkt, die Feuerwehr alarmiert und dann auch das Ehepaar Schönberger angerufen. „Der Lothar wenn nicht gewesen wäre, dann wäre gar nichts mehr hier“, sagt Schreinermeister Gerhard Schönberger. Als er aus seinem Haus, das auf dem gleichen Grundstück steht, heraustrat, sah er, wie die Flammen aus dem Dach loderten. „Das kennst du sonst bloß aus dem Fernsehen.“

Mitarbeiter haben Priorität

Wie die Schreinerei früher aussah, ist nicht mehr zu erkennen.
Wie die Schreinerei früher aussah, ist nicht mehr zu erkennen. Foto: Eichinger

Im Wohnzimmer der Schönbergers saß am Mittwochvormittag jemand von der Versicherung, erzählt Schönberger. Morgen komme ein Gutachter, am Freitag ein Mann von der Handwerkskammer. Auch die Kriminalpolizei war schon da. „Und noch jemand wollte kommen, ich weiß grad nicht mehr wer“, sagt der 52-Jährige. Zu viel ist in den vergangenen Tagen passiert.

Sehen Sie hier ein 360-Grad-Bild aus dem Inneren der Schreinerei. Klicken Sie und bewegen Sie sich mit der Maus (oder dem Finger, wenn sie ein mobiles Endgerät nutzen) in dem Bild, um sich umzusehen:

Die Schreinerei ist vollständig zerstört. - Spherical Image - RICOH THETA

Die Schönbergers haben jetzt viel zu tun. Gerhard Schönberger will erst einmal alles für seine Mitarbeiter tun. „Ich versuche es – und ich bringe das auch hin – meine Mitarbeiter übergangsweise bei anderen Schreinereien fertigen zu lassen, bis unser Betrieb wieder aufgebaut und einsatzfähig ist“, sagt der Schreinermeister. Er denke immer an sein Team: „Die sind die Firma, nicht ich. Alleine kann man so etwas nicht machen.“ Seine hochmotivierten Mitarbeiter seien der Grund, warum er die Schreinerei wieder aufbauen möchte.

Am Tag nach dem Brand zeigt sich die Zerstörung:

Aufräumarbeiten in der Schreinerei Duggendorf

Drei seiner Mitarbeiter kamen noch in der Brandnacht zum Betrieb. Am Tag darauf waren alle da. Einige können in dieser Woche regulär arbeiten und Montageaufträge ausführen. „Jetzt schauen wir erst einmal, wo wir unsere offenen Aufträge anfertigen können“, sagt Elvira Schönberger.

Großbrand in Duggendorf

Für die Schönbergers ist es am schlimmsten, dass sie das, was der Brand angerichtet hat, immer sehen müssen. „Ich komme aus der Haustür und sehe mein zerstörtes Lebenswerk“, sagt Gerhard Schönberger. „Mein ganzes Leben bin ich schon hier. Ich war immer in der Werkstatt und jetzt brennt mir das Haus weg.“

Vorgehen im Brandfall

  • Leitfaden:

    Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz hat aus den Hochwasserkatastrophen 2013 und 2016 gelernt und einen Leitfaden für den Unglücksfall erarbeitet.

  • Schäden dokumentieren:

    Andreas Keller, Bereichsleiter Beratung bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz rät, die Schäden für die Versicherung zu dokumentieren, bevor die Aufräumarbeiten beginnen.

  • Versicherung:

    Betroffene sollen ihre Versicherungspolicen prüfen lassen, damit sie wissen, was genau versichert ist und wen sie anzurufen haben. Keller empfiehlt, einen Experten hinzuzuziehen.

  • Vermögen:

    „Außerdem schadet eine Aufstellung von Vermögensgegenständen nicht“, sagt Keller.

  • Personal:

    Betroffene sollen umgehend Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiter beantragen. Das wird vom Arbeitsamt ausgezahlt. „Das Schlimmste in so einem Fall ist, wenn die Mitarbeiter davonlaufen“, sagt Keller.

  • Soforthilfe:

    Eine schnelle Auszahlung wie beim Hochwasser gibt es in der Regel in Brandfällen nicht. Allerdings können Betroffene Gelder aus dem Härtefallfonds der bayerischen Staatsregierung beantragen. Doch auch das könne sich hinziehen, sagt Keller.

Vom Vater aufgebaut

Die Schreinerei brannte lichterloh.
Die Schreinerei brannte lichterloh. Foto: Baumgarten

1968 hat sein Vater die Schreinerei aufgebaut, 1986 hat Schönberger sie mit 22 Jahren übernommen. Nach und nach hat er immer mehr investiert und sich auf Ladenbau spezialisiert. Heute hat er insgesamt acht Mitarbeiter.

Die Ursache des Brandes war auch am Mittwoch noch unklar. Die Kriminalpolizei schließt Brandstiftung und Fahrlässigkeit aus. Es soll sich um einen technischen Defekt gehandelt haben. Gerhard Schönberger ist sich sicher: „Ich habe nichts falsch gemacht. Meine Heizung war in Ordnung – die lief sogar noch.“

Weitere Bilder vom Brand sehen Sie in unserer Galerie:

Großbrand in Duggendorf

Von der Versicherung hat die Familie noch nichts gehört. „Wir klären das möglichst schnell ab“, sagt Elvira Schönberger. Doch das könne sich hinziehen. Das Ehepaar ist dankbar für die Hilfsbereitschaft anderer Schreinereien aus dem Umfeld. „Der Zusammenhalt in der Region ist toll“, sagt Schönberger.

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