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Engagement

Nur wenige nutzen die Ehrenamtskarte

Fast 1500 Menschen aus dem Kreis Regensburg haben die Bonuskarte beantragt. Doch einen Run auf deren Rabatte gibt es nicht.
Von Bettina Mehltretter, MZ

  • Wer sich häufig ehrenamtlich engagiert, kann die Bayerische Ehrenamtskarte beantragen. Foto: Stefan Gruber
  • Im Theater Regensburg sparen Ehrenamtskarteninhaber 25 Prozent. Foto: Jochen Quast

Regensburg. Das Projekt Ehrenamtskarte ist Chefinnensache im Landratsamt: Schon 2012 hatte Tanja Schweiger, damals noch Oppositionsführerin im Kreistag, für die Einführung gekämpft – vergeblich, denn der Kreistag lehnte die Bonuskarte ab. 2013, Schweiger war inzwischen Landrätin, kam dann die Freiwilligenkarte in Landkreis und Stadt Regensburg. Im April 2016 schlossen sich Landkreis und Stadt schließlich dem bayernweiten Projekt Ehrenamtskarte an. Knapp 1500 Ehrenamtliche im Landkreis und 1352 in der Stadt haben die Karte seitdem beantragt. Im bayernweiten Vergleich stehen beide damit sehr gut da. Trotzdem sagt Dr. Gaby von Rhein, die Chefin der Freiwilligenagentur im Landkreis: „Meine Sorge ist, dass sich viele über die Karte als Würdigung freuen – viele sie aber kaum oder nur wenig nutzen“.

Im Mai lud das Landratsamt Neu-Ehrenamtskartenbesitzer zu einer Feier nach Eilsbrunn. Solche Veranstaltungen sind Höhepunkte für die Ehrenamtlichen. Foto: Hans Fichtl, Landratsamt
Im Mai lud das Landratsamt Neu-Ehrenamtskartenbesitzer zu einer Feier nach Eilsbrunn. Solche Veranstaltungen sind Höhepunkte für die Ehrenamtlichen. Foto: Hans Fichtl, Landratsamt

Informationen unserer Redaktion zufolge gibt es Akzeptanzstellen in der Region, bei denen seit 2016 kein einziger Ehrenamtlicher seine Karte vorgezeigt hat, um einen Rabatt zu nutzen. Von Rhein weiß aber auch von echten Rennern: Im Theater Regensburg erhalten Ehrenamtliche beispielsweise 25 Prozent Rabatt auf den Eintrittspreis. Das kommt gut an: Allein in der Spielzeit 2016/2017 haben Kunden den Bonus für 421 Tickets genutzt. Ein Akzeptanzpartner erlebt aber offenbar einen noch größeren Ansturm: Viele nutzen die Möglichkeit, dank der Karte am Sarchinger, Guggenberger und Roither See kostenlos parken zu dürfen. „Der Träger – der Verein für Naherholung im Raum Regensburg – überlegt sogar schon, ob er das noch lange so weitermachen kann“, sagt von Rhein.

Auch Werner Altmann, Bäckermeister aus Schönhofen und selbst ehrenamtlich bei der Feuerwehr aktiv, will das Ehrenamt fördern. Er schenkt denen, die in seinen Filialen in Schönhofen und Nittendorf die Karte vorlegen, bei jedem Einkauf eine Breze. Dass ihm so ein paar Euro Umsatz abhanden kommen könnten, stört Altmann nicht. Fünf bis zehn seiner Kunden nutzen sein Gratis-Angebot ab und zu. „Aber das sind wirklich Leute, die sich verdient gemacht haben“, sagt der Unternehmer. Eigentlich sei deren Einsatz viel mehr Wert als eine Breze.

Neue Akzeptanzpartner gesucht

Oft überreichen Bürgermeister den Ehrenamtlichen ihre Karten, manchmal auch die Landrätin höchstpersönlich. Wer zu solchen Übergabeveranstaltungen eingeladen ist, freut sich. Doch dann lässt er die Karte häufig monatelang ungenutzt in seiner Geldbörse stecken. Die Chefin der Freiwilligenagentur will das ändern. „Wir sind uns der Hausaufgaben schon bewusst“, sagt von Rhein. „Und wir tun alles, um die Ehrenamtskarte zu bewerben.“ Zum einen will sie neue Akzeptanzpartner an Bord holen, um die Karte noch attraktiver zu machen. Dafür sei aber fast immer das persönliche Gespräch nötig. Immerhin erhalte der Akzeptanzpartner jenseits der Nennung in den Werbemitteln der Freiwilligenagentur keinen direkten Gegenwert, sondern erfahre einen materiellen Nachteil. Zum anderen will die Freiwilligenagentur den Wert der Karten mehr betonen – und so Ehrenamtliche ermuntern, sie häufig zu nutzen beziehungsweise überhaupt erst einmal zu beantragen. Dabei soll zum Beispiel ein Newsletter helfen, für den man sich per E-Mail an freiwilligenagentur@lra-regensburg.de anmelden kann.

Denn bei der Zahl der verliehenen Ehrenamtskarten im Landkreis ist noch Luft nach oben. Allein unter den Feuerwehrleuten gibt es laut Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer 6000 bis 7000 Aktive, die die Truppmann-Ausbildung absolviert haben. Sie könnten die auf drei Jahre befristete blaue Ehrenamtskarte beantragen, ohne ihr Engagement nachweisen zu müssen. Für alle, die bei Feuerwehren, im Katastrophenschutz und im Rettungsdienst tätig sind, reicht die Grundausbildung schon aus. Die anderen Ehrenamtlichen erklären auf dem Antrag, dass sie durchschnittlich fünf Stunden pro Woche bzw. mindestens 250 Stunden im Jahr aktiv sind. Wer besonders lange engagiert ist, erhält sogar eine lebenslang gültige Karte. Dazu zählen etwa Einsatzkräfte, die für mindestens 25 Jahre Dienst ausgezeichnet worden sind.

Ehrenamtskarte im Landkreis Regensburg

  • Inhaber:

    Im Landkreis Regensburg wurden bisher fast 1500 Ehrenamtskarten beantragt.

  • Akzeptanzstellen:

    139 Geschäfte und Einrichtungen im Landkreis und in der Stadt akzeptieren die Karte. Die Rabatte reichen von freiem bzw. ermäßigtem Eintritt in kulturelle Einrichtungen über kostenloses Parken an Badeseen bis hin zu satten Rabatten bei Einkäufen. Bayernweit erhalten Karteninhaber Rabatte bei rund 4000 Partnern.

  • Teilnehmen:

    Wer die Ehrenamtskarte beantragen möchte, findet auf freiwilligenagentur.landkreis-regensburg.de Einzel- und Sammelanträge. Dort kann auch die Akzeptanzpartnervereinbarung heruntergeladen werden.

  • Kontakt:

    Ansprechpartner zur Ehrenamtskarte im Landkreis ist die Freiwilligenagentur. Interessierte melden sich telefonisch bei Dr. Gaby von Rhein (Tel. 09 41 / 40 09 - 3 05) oder per E-Mail an ehrenamtskarte@lra-regensburg.de .

Schlusslicht ist Holzheim

Allerdings gibt es Gemeinden im Landkreis, aus denen sich bisher kaum einer für die Karte beworben hat. Zum Stichtag 15. Mai etwa gab es in Bach, Duggendorf und Pielenhofen jeweils nur einen Inhaber, in Holzheim keinen einzigen. Mit drei Karten zählt auch Mötzing noch zu den Schlusslichtern. Bürgermeister Reinhard Knott räumte auf Anfrage unserer Redaktion ein, dass er sich persönlich bisher nur wenig für die Verbreitung der Karte eingesetzt habe – „das muss ich gestehen.“ Ähnliche Sätze hört man auch aus anderen Rathäusern. Aber fast überall versprechen die Bürgermeister, bei den Jahresversammlungen der Vereine, die vielerorts im Januar beginnen, Werbung für die Ehrenamtskarte zu machen.

Spitzenreiter im Landkreis war im Mai übrigens Neutraubling mit 75 Ehrenamtskarten, gefolgt von Sinzing (70), Regenstauf (70) und der Gemeinde, in der Bäcker Altmann Brezen verschenkt: Nittendorf (68 Karten).

Einen Überblick über die Akzeptanzstellen in Stadt und Landkreis Regensburg geben wir Ihnen hier:

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