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Umwelt

Hagelstadt: Schutz vor den Wassermassen

Damm und Rückhaltebecken machen das Dorf Hagelstadt sicher. Und eine ökologische Umgestaltung nützt den Langenerlingern.
Von Michael Jaumann

In den 60er-Jahren wurde die Siedlung im Hintergrund gebaut. Bei Starkregenereignissen und Hochwasser wurden Spielplatz und angrenzende Straßen überflutet. Mit dem 3,40 Meter hohen Dammbauwerk im Vordergrund soll damit Schluss sein. Foto: Jaumann
In den 60er-Jahren wurde die Siedlung im Hintergrund gebaut. Bei Starkregenereignissen und Hochwasser wurden Spielplatz und angrenzende Straßen überflutet. Mit dem 3,40 Meter hohen Dammbauwerk im Vordergrund soll damit Schluss sein. Foto: Jaumann

Hagelstadt.Man sieht es Gemeinden wie Hagelstadt, Aufhausen oder Pfakofen nicht an. Aber die Dörfer im fruchtbaren Hügelland südlich von Regensburg haben ein Hochwasserproblem. Wenn sich Wolken im Frühjahr stundenlang über den Feldern abregnen oder Starkregen über gefrorenen kahlen Äckern niedergeht, dann herrscht in den tiefer gelegenen Orten „Land unter“.

Pfakofen und Aufhausen gestalten mit der Dorferneuerung und dem Förderprogramm boden.ständig die Landschaft um. In Hagelstadt geht die Gemeinde im Ortsteil Gailsbach mit der Dorferneuerung in die letzte Phase des Hochwasserschutzes. In Langenerling ist der Langenerlinger Bach auf 1,2 Kilometern Länge mit Förderung des Wasserwirtschaftsamts ökologisch umgestaltet worden. Damit soll das Dorf vor einem 20- bis 25-jährlichen Hochwasser geschützt sein. Und in Hagelstadt ist, ebenfalls bezuschusst durch das Wasserwirtschaftsamt, jetzt der Schutzstandard HQ100+ verwirklicht worden. Das bedeutet, das mit den beiden gebauten Hochwasserrückhaltebecken Süd und West der Hauptort Hagelstadt künftig vor einem Hochwasser mit 100-jährlicher Wiederkehrzeit (plus eines 15-prozentigen Zuschlags als Klimafaktors) geschützt sein sollen.

Rund 1,3 Millionen wird die Maßnahme in Hagelstadt wohl nach der Endabrechnung kosten. Und beim Projekt Langenerlinger Bach, bei dem noch eine Nachpflanzung und eine Schlussmahd ansteht, werden die Kosten wohl bei 780 000 Euro liegen.

Ein Video zum Thema sehen Sie hier:

Hochwasserschutz für Hagelstadt und Langenerling

Gräben bieten Lebewesen Schutz

Nach der ersten Vegetationsperiode sind die Gräben bereits dicht bewachsen und bieten Lebewesen Schutz. Das Niederwild sei im umgebauten Bereich zwischen Hagelstadt und Langenerling zurückgekehrt, freut sich Bürgermeister Bernhard Bausenwein. Und auch Fische finden sich in dem neu angelegten Bachbett.

Parallel zum ehemals begradigten Bach ist ein neues Bett angelegt worden, in dem das Gewässer mäandern darf. Rückhalteflächen wurden angelegt, begleitet von Sedimentationsmulden, in die Ackerland eingeschwemmt werden und von der Landwirtschaft wieder in die Flur ausgebracht werden kann.

Die Rückhalteflächen bieten dem tiefer gelegenen Langenerling Schutz. Befestigte Sperrbauwerke und Einengungen aus Stein sorgen dafür, dass das Wasser nicht zu schnell abfließen kann und sich in den Rückhalteflächen verteilt.

Eine Bildergalerie zum Thema finden Sie hier:

Hochwasserschutz in Hagelstadt und Langenerling

Nur die Kirche bliebe verschont

Die Arbeiten in Hagelstadt haben sich auf zwei Bereiche verteilt. Am Eheweg westlich der Bundesstraße ist ein Becken mit 4000 Kubikmetern Fassungsvermögen angelegt worden. Es schützt die Anwesen vor den von den Feldern fließenden Wassermassen.

Die größte Baumaßnahme gab es südlich von Hagelstadt in Verlängerung der Sudetenstraße. Hier fließt der südlich von Hagelstadt entspringende Langenerlinger Bach in einer Mulde ins Dorf. Fast alljährlich wurde der am Ortsrand liegende Spielplatz überflutet. In den angrenzenden Straßen, die in den 60er-Jahren gebaut wurden, stoppte die Feuerwehr dann mit Sandsäcken das Wasser.

Bei einem 100-jährlichen Hochwasser würde nach den Berechnungen des Büros EBB ohne Schutzbauten der Ortskern überflutet. Lediglich die höher gelegene Pfarrkirche würden den Fluten entgehen.

Ein 3,40 Meter hoher, befestigter und bereits eingegrünter Damm schützt nun den Ort. Jenseits davon kann sich das Wasser in einem 51 000 Kubikmeter fassenden natürlichen Geländebecken sammeln und wird dann kontrolliert abgeleitet. Kleinere Hochwässer können in zwei Flutmulden fließen und sollen die Landwirtschaft nicht beeinträchtigen.

Noch nicht allzu viele Hagelstädter werden sich dort am Ortsrand umgeschaut haben, glaubt Heidi Schiller, die am Damm gerne mit dem Hund spazieren geht. Sie habe sich das Bauwerk schlimmer vorgestellt, berichtet die kritische Gemeinderätin, die nicht der Bürgermeisterfraktion angehört. „Es ist dort fast schöner wie zuvor.“ Da müsse sie den Bürgermeister ausnahmsweise mal sogar loben.

Weitere Nachrichten und Berichte aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Der Hochwasserschutz in der Gemeinde

  • Neues Bachbett:

    Der Bach bekam im Zug der ökologischen Umgestaltung ein neues Bett und darf frei mäandern. Rechts ist das alte und schnurgerade Bachbett zu sehen, links der neue Lauf. Die Flächen daneben nehmen Hochwasser auf.

  • Hagelstadt-West:

    Die Häuser am Eheweg westlich der Bundesstraße 15 waren aus zwei Richtungen bei Starkregen gefährdet. Ein Hochwasser-Rückhaltebecken soll jetzt für die Sicherheit der Anwohner sorgen. Es fasst 4000 Kubikmeter Wasser.

  • Hürden für das Wasser:

    Sperren und Einengungen sollen dafür sorgen, dass das Wasser nicht zu schnell Richtung Langenerling fließt. Die Drossel im Bild wurde nachträglich bepflanzt, nachdem Crossfahrer sie als Sprungschanze nutzten.

  • Hagelstadt-Süd:

    3,40 Meter hoch ist der aufgeschüttete und bepflanzte Schutzdamm, der Wasser kontrolliert in eine Flutmulde und einen Grabenabfließen lässt. Das dahinter entstandene natürliche Becken kann im Katastrophenfall rund 51 000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. (jn)

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