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Umwelt

Rund um Gailsbach fallen Bäume

Bis Ende Februar wird für den Hochwasserschutz gerodet. Bauern erledigen die Arbeiten im Auftrag der Dorferneuerung.
Von Michael Jaumann

Dieser Baum muss dem Hochwasserschutz weichen. Michael Kraus markiert mit Farbspray das störende Gehölz. Fotos: Jaumann
Dieser Baum muss dem Hochwasserschutz weichen. Michael Kraus markiert mit Farbspray das störende Gehölz. Fotos: Jaumann

Hagelstadt.Grellrot leuchten in und um Gailsbach Markierungen an Baumstämmen und Ästen in die winterlich ausgeräumte Landschaft. Sie zeigen an, wo in den nächsten Wochen die Säge angesetzt wird. Denn 2018 soll es ernst werden mit dem Hochwasserschutz. Derzeit läuft die Ausschreibung für die Arbeiten, die an mehreren Stellen der Gailsbacher Flur anlaufen sollen. Weil aber Ende Februar schon wieder der Schutz für die Vogelwelt greift, wird störender Bewuchs bereits jetzt entfernt.

Zusammen mit Bürgermeister Dr. Bernhard Bausenwein war Michael Kraus vom Amt für Ländliche Entwicklung in Tirschenreuth zusammen mit Josef Meier von der Ingenieurgesellschaft EBB im Gelände unterwegs und hat anhand der Pläne festgelegt, wo überall Vegetation entfernt werden muss. Nicht nur Wildwuchs an Gräben muss weg. Auch Streuobstwiesen bleiben vom Farbspray nicht verschont. Und beim Gang durch die Natur entdecken Meier und Kraus auch schon mal einen betonierten Grabenzulauf, der so nicht in den Plänen enthalten ist.

Seit 20 Jahren Dorferneuerung

Die Fachleute vom Amt für Ländliche Entwicklung sind Dauergast in dem kleinen, zu Hagelstadt gehörenden Dorf. Wer durch das abseits liegende Gailsbach fährt, dem kommt der schmucke Ort wie ein Musterbeispiel für gelungene Dorferneuerung vor. Schon 1998 haben sich die Grundeigentümer von Gailsbach zur Teilnehmergemeinschaft einer Dorferneuerung zusammengeschlossen. Zusammen mit Planern und den Experten vom Amt für Ländliche Entwicklung gelang es ihnen, viele Gailsbacher in die Planungen zur Dorfentwicklung einzubeziehen. Drei Viertel der Dorfbewohner hatten sich zu Beginn des Prozesses Gedanken über die Zukunft des Dorfs gemacht und ein Leitbild entwickelt, wie sich das Zusammenleben im Dorf gestalten soll.

In der Folge wurden Flächen von fast 6,5 Hektar landschaftspflegerisch umgestaltet und ein Nahwärmenetz aufgebaut. Als zusätzlicher Dorfmittelpunkt zum Gasthaus Limmer wurde 2015 ein Gemeinschaftshaus eingeweiht. Insgesamt wurde in dem sogenannten Verfahren Gailsbach II eine Summe von 3,1 Millionen Euro investiert. Das Amt für Ländliche Entwicklung hat den Betrag mit 1,9 Millionen Euro gefördert.

In einer Senke liegt der kleine Ort Gailsbach. Bei Starkregen schießt das Wasser von den Hängen ins Dorf.
In einer Senke liegt der kleine Ort Gailsbach. Bei Starkregen schießt das Wasser von den Hängen ins Dorf.

2013 hat die Teilnehmergemeinschaft unter dem Eindruck von Starkregenereignissen beschlossen, einen Hochwasserschutz in die Dorferneuerung einzuarbeiten. Das von den umliegenden Hängen schießende Wasser hatte im Ort immer wieder für erhebliche Schäden gesorgt. Auch die benachbarten Gemeinden Pfakofen und Aufhausen kennen das Phänomen und sind schon dabei, die Auswirkungen von Starregen zu bekämpfen.

Im Sommer 2016 stimmten die
Gailsbacher den Plänen für einen Hochwasserschutz zu. Die Entwürfe sehen unter anderem Hochwasserrückhaltebecken im Westen, Süden und Norden von Gailsbach vor. Sie sollen mehr als 26 000 Kubikmeter Wasser aufnehmen können.

Zwei Sedimentationsbecken im Osten und Westen sorgen zudem dafür, dass sich Schlamm in einer Mulde ablagern und wieder von den Bauern als wertvoller Nährboden verwendet werden kann. Entlang der Bachläufe im Ort sollen weitere Arbeiten für Schadensbegrenzung sorgen. Das romantisch wirkende Gassl am Gittinger Bach bleibt dabei als traditioneller Fußweg erhalten.

Zwei Drittel als Zuschuss

In den vergangenen eineinhalb Jahren haben die Planer die Entwürfe verfeinert und für einen effektiven Hochwasserschutz optimiert. Ein 20- bis 50-jährliches Hochwasser könne man nach Angaben von Ingenieur Kraus damit nun in den Griff bekommen. Die Gemeinde Hagelstadt kümmerte sich in der Zwischenzeit darum, die benötigten Flächen in ihr Eigentum zu bekommen. Wo dies nicht möglich oder nötig war, sorgen Gestattungsverträge für den öffentlichen Zugriff, erklärt Kraus. Das Amt für Ländliche Entwicklung wiederum war für Genehmigung und Förderung zuständig.

Ingenieur Josef Meier von der EBB hat in seinen Plänen das Gelände im Blick.
Ingenieur Josef Meier von der EBB hat in seinen Plänen das Gelände im Blick.

Die Kosten werden auf 1,7 Millionen Euro geschätzt. „Unterm Strich zwei Drittel“, so Kraus, gibt es als öffentliche Förderung. Weil in der Ausschreibung das Bauzeitenfenster bis Ende 2019 recht groß gehalten ist, hoffen die Beteiligten auf günstige Baukosten. Die nötigen Sägearbeiten erledigen jetzt Bauern im Auftrag der Teilnehmergemeinschaft. Wo immer es geht, sollen zudem in den Vorjahren von den Gailsbachern liebevoll gepflanzte Streuobstbäume versetzt werden.

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