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Umbau

Schluss mit dem Provisorium

Viel Platz bietet der alte Bahnhof künftig als neues Rathaus. Außen bleibt er klassizistisch, innen wird er modern.
Von Kerstin Hafner

Bauarbeiter montieren die schalldämmende Verkleidung im neuen 63 Quadratmeter großen Sitzungssaal im 1. Stock. Große Fensterflächen sollen den Gemeinderäten symbolisch zu „Entscheidungen mit Weitblick“ verhelfen. Foto: Hafner
Bauarbeiter montieren die schalldämmende Verkleidung im neuen 63 Quadratmeter großen Sitzungssaal im 1. Stock. Große Fensterflächen sollen den Gemeinderäten symbolisch zu „Entscheidungen mit Weitblick“ verhelfen. Foto: Hafner

Hagelstadt.„Unser neues Rathaus im alten Bahnhof ist von all unseren derzeitigen Baustellen diejenige, die mir am wenigsten Sorgen bereitet“, erklärt Bürgermeister Dr. Bernhard Bausenwein mit einer gewissen Vorfreude auf das neue Domizil. Kein Wunder, seit der Selbstständigkeit der Gemeinde 1992 residiert die Verwaltung in einer provisorischen Gemeindekanzlei, die aus allen Nähten platzt. Der ehrenamtliche Bürgermeister hat nicht mal ein eigenes Büro, sondern haust mit seinem fliegend verdrahteten Schreibtisch in einer Ecke unter der Dachschräge im Sitzungssaal. „In dem alten Gemäuer frieren wir im Winter wie die Schneider“, berichten die beiden Verwaltungs-Damen und ziehen unwillkürlich die Schultern hoch.

Kostenpunkt 1,65 Millionen Euro

Bausenwein fährt fort: „Bis jetzt läuft mit dem Bahnhof alles sehr gut, wir sind im Budget und im Zeitplan.“ Der Umbau ist im Sommer 2018 gestartet und soll heuer noch fertig werden. „Die Altbauräume schaffen wir dieses Jahr auf jeden Fall. Für den Stahlbau des Treppenhauses im wesentlich kleineren Neubautrakt wird aktuell noch ein Angebot geprüft, von dem letztlich auch abhängt, ob die Kostenentwicklung und der Bauzeitplan eingehalten werden. Nach der letzten Kostenfortschreibung kommen wir insgesamt auf 1,65 Millionen Euro.“

Lange Zeit war der alte Bahnhof in Hagelstadt sehr umstritten, ziemlich heruntergekommen, ein echter Schandfleck. Viele Bürger hätten lieber den Abriss gesehen. Doch die Gemeinde sah Potenzial und auch die historische Bedeutung des Bahnhofs fiel ins Gewicht. Das Gebäude wurde um 1860 im Zuge der Streckenbaus errichtet, die Haltestelle spielte in der Vergangenheit eine gewichtige Rolle für die positive Entwicklung des Ortes.

Zwei neue Bürgerbüros stehen künftig zur Verfügung. Die Bögen werden mit doppelseitig nutzbaren Büroschränken und Glaswänden gefüllt.
Zwei neue Bürgerbüros stehen künftig zur Verfügung. Die Bögen werden mit doppelseitig nutzbaren Büroschränken und Glaswänden gefüllt.

Gekauft wurde das Objekt von der Gemeinde „zu sehr günstigen Konditionen“ (Bausenwein) Anfang der 2000er Jahre. Zum damaligen Zeitpunkt waren noch Bahnfunktionen untergebracht, zum Beispiel ein Schaltwerk. „Ich habe mir das Projekt gleich zu Beginn meiner Amtszeit vorgeknöpft. Wir brauchten einfach eine neue Lösung. Wir arbeiten aktuell ausschließlich im ersten Stock und sind nur über eine Treppe zu erreichen. Barrierefrei ist da nichts, das ist nicht gerade bürgerfreundlich.“

„Wir haben das Gebäude auf größere Schäden untersuchen lassen und konnten relativ viel Substanz erhalten, die äußere Struktur etwa und auch das Dach, nur im Inneren wurde es vollständig entkernt“, so Bausenwein. „Unser Architekt Andreas Schubert aus Regensburg hat Erfahrung mit historischen Objekten.“ Der klassizistische Stil der Fassade war über die Jahre etwas verloren gegangen, doch der Architekt wollte den Charakter erhalten und brachte Stilelemente wie die alten Gesimse wieder zum Vorschein. Trotz teils vergrößerter Fensterflächen blieb die Symmetrie des Baus erhalten – obwohl der Eingang an die kurze Nordseite verrückt wurde. Er wird sich im Verbindungstrakt zwischen Neubau und Altbau befinden. Der moderne Neubau soll optisch völlig anders aussehen: Stahl und Glas.

Innen entkernt, außen erhalten

Das Farbkonzept für den Altbau ist an die Farbpalette der Deutschen Bahn angepasst: Cremeweiß und resedagrün soll die Fassade werden, die Fensterlaibungen olivgrün. Zu den Schienen hin wird das alte Dach als Unterstand für die Passagiere erhalten bleiben. Der kleine Neubauteil im Norden ist reduziert auf ein Minimum und war nötig für die Barrierefreiheit, dort befinden sich nach Fertigstellung lediglich ein Keller, ein Aufzug und die behindertengerechten Toiletten für Bahngäste und Besucher des Rathauses.

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Über den Haupteingang kommt die rollstuhlgerechte Verbindung zum 1. Stock des Altbaus. Dort residiert künftig ganz vorne der Bürgermeister, allerdings in durchaus nicht übertriebenen Dimensionen. Es folgt ein Besprechungsraum, ein Sozialraum und der 63 Quadratmeter große Sitzungssaal mit offengelegten Dachsparren, tiefen Sitzfensterbänken und nach allen Seiten vergrößerten Fensterflächen. „Damit die Räte ihre Gemeinde im Blick haben und hoffentlich auch Entscheidungen mit Weitblick treffen“, erklärt der Bürgermeister mit einem Augenzwinkern. Der Saal ist ausgelegt für 15 Gemeinderäte und bis zu 30 Zuhörer.

Der Ziegelboden ist eine Reminiszenz an die Vergangenheit Hagelstadts als Ziegeleistandort. Laut Bürgermeister soll das neue Rathaus ein Kristallisationskern für eine schöne Ortsmitte werden.

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