MyMz
Anzeige

Die „Dolina“ forscht seit 25 Jahren

Die Arbeit der Gesellschaft für Landeskunde hat sich gewandelt. Die Betätigungsfelder werden jetzt in einem Buch vorgestellt.
Von Dietmar Krenz, MZ

  • Seit 25 Jahren ist die Dolina eine kulturelle Institution auf der Südlichen Frankenalb. Von Anfang an hat sie sich nicht nur der Erforschung der Natur- und Kulturlandschaft des Juras unter Beachtung des frühen Eisenbergbaus verschrieben, sondern auch der Jugend- und Erwachsenenbildung. Foto: MZ-Archiv
  • Der Chor Cantaloupes umrahmte die Barbarafeier im Gasthaus Donhauser musikalisch.

Hemau.Vor 25 Jahren ist in Parsberg der Verein „Dolina – Gesellschaft für Landeskunde e.V.“ gegründet worden. Am Wochenende feierten die Mitglieder und Freunde des Vereins das Jubiläum bei der Barbarafeier mit einem ansprechenden Programm im Gasthaus Donhauser. Vorgestellt wurde die im Verlag von Dr. Thomas Feuerer erschienene Festschrift der Dolina in der Reihe „Regensburger Beiträge zur Heimatforschung“. Das knapp 100-seitige Buch zeigt deutlich, wie vielschichtig die Arbeit der Dolina inzwischen ist.

„Die Hauptaufgabe des Vereins ist es, landeskundliche Forschung und Bildung auf der Südlichen Frankenalb zu betreiben und zu fördern“, teilt Friedrich Loré, Vorsitzender der Dolina mit. Die Festschrift wolle neben der Geschichte der Gesellschaft vor allem die breiten Betätigungsfelder des Vereins präsentieren. Ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens seien außer den wissenschaftlichen Forschungen und Grabungen zu den Dolinen die kulturellen Veranstaltungen, die die Dolina in der Öffentlichkeit bekannt und beliebt gemacht hätten.

Wichtige Schwerpunkte aufgreifen

„Dabei geht es allerdings nicht um eine vollständige Dokumentation aller Veranstaltungen, die die Dolina im Laufe ihres Bestehens organisierte. Das hätte den Rahmen gesprengt“, so der Vorsitzende. Vielmehr sollen wichtige Schwerpunkte aufgegriffen werden, die beide Themenkomplexe des inzwischen 300-Mitglieder starken Vereins gut repräsentieren. „Diese Publikation möchte aber auch demonstrieren, dass der Verein und die zugehörige Stiftung sich weiter für die Kultur und Kunst im südlichen Frankenjura einsetzen“, berichtet Friedrich Loré.

„Neu: „Gesellschaft für Landeskunde“ – Hobbyforscher gründeten in Parsberg einen Verein namens Dolina“ lautet die Schlagzeile der Mittelbayerischen Zeitung vom 22. Juni 1990. Zwei Tage zuvor war der Verein ins Leben gerufen worden. Diesem Ereignis waren Vorarbeiten vorangegangen, die im April 1988 mit der Ergrabung eines Langhauses der Bronzezeit durch Hobby-Archäologen mit dem Landesamt für Denkmalpflege einsetzten.

Wissenschaftler und Laien

Seit 25 Jahren ist die Dolina eine kulturelle Institution auf der Südlichen Frankenalb. Von Anfang an hat sie sich nicht nur der Erforschung der Natur- und Kulturlandschaft des Juras unter Beachtung des frühen Eisenbergbaus verschrieben, sondern auch der Jugend- und Erwachsenenbildung.
Seit 25 Jahren ist die Dolina eine kulturelle Institution auf der Südlichen Frankenalb. Von Anfang an hat sie sich nicht nur der Erforschung der Natur- und Kulturlandschaft des Juras unter Beachtung des frühen Eisenbergbaus verschrieben, sondern auch der Jugend- und Erwachsenenbildung. Foto: MZ-Archiv

Dieser Aktion folgte im Dezember 1988 die Errichtung des „Stammtisch Jura“. Dieser versammelte unter Leitung von Dr. Kurt Brenner und Ernst Olav, beide Hobby-Archäologen, Heimatforscher und archäologische Sammler. Zentrales Element war die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Laien aus verschiedensten Fachrichtungen.

An diesen Stammtisch schloss sich im Januar 1989 der „Arbeitskreis zur Förderung der Erforschung der Vor- und Frühgeschichte „Südlicher Jura“ an, der die Vereinsgründung Mitte 1990 vorbereitete. Kurt Brenner, der an der Fachhochschule Regensburg als Professor für Volkswirtschaftslehre lehrte, war bereits viel früher mit Forschungen zur frühen Eisenindustrie auf der Jura-Hochebene um Hemau beschäftigt, deren Ergebnisse er 1987 im Aufsatz „Spuren vergessener Groß-Industrie im Südjura – die Doline Wasserklingen bei Hemau auf dem Tangrintel“ zusammenfasste.

Die zahlreichen Exkursionen der Gesellschaft für Landeskunde erfreuen sich höchster Beliebtheit.
Die zahlreichen Exkursionen der Gesellschaft für Landeskunde erfreuen sich höchster Beliebtheit.

Knapp 30 Interessierte hoben die Gesellschaft aus der Taufe, Vorsitzende wurden Kurt Brenner und Ernst Olav. Die vorbereitete Vereinssatzung wurde bestätigt, die Ziele und Betätigungsfelder der Dolina benannt und der Jahresbeitrag auf 20 Mark festgesetzt. Überdies war geplant, eine Geschäftsstelle in Parsberg einzurichten.

„Als juristischer Sitz wurde der Eichlberg an der Grenze zwischen den heutigen Landkreisen Regensburg und Neumarkt und inmitten des alten Jurakreises Parsberg bestimmt. Der Eichlberg gewährt einen weiten Blick über die Tangrintel-Hochfläche, die das Zentrum des Forschungsfelds bildet“, berichtet der Autor und Historiker Bernhard Fuchs. Hier führte die Dolina große Grabungskampagnen durch und dort finden auch die meisten Kulturveranstaltungen statt.

Einzugsgebiet ständig vergrößert

Das Einzugsgebiet der Dolina, der Fränkische Jura in der Region zwischen Parsberg, Hemau und Riedenburg gelegen, wurde aber schon bald vergrößert. Aus dem ganzen Juraraum zwischen Treuchtlingen im Westen, Regensburg im Osten, Neumarkt im Norden sowie Neustadt an der Donau im Süden, traten Personen als Vereinsmitglieder bei. Das Gebiet erstreckt sich also auf die vier Regierungsbezirke Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern und Mittelfranken.

„Der Verein ist weit davon entfernt, sich auf dem Erreichten auszuruhen,“ teilt der Vorsitzende mit. Die wissenschaftliche Komponente ist seit 2002 in der Dolina-Stiftung konzentriert, die Sammlungen aus den Grabungen in großen Teilen im Stadtmuseum Ingolstadt gesichert. Die Schwerpunkte des Vereins bleiben auf der kulturellen Ebene, für die Wissenschaft ist die Stiftung zuständig, so Loré.

Dr. Thomas Feuerer (von links), Vorsitzender Friedrich Loré, Bürgermeister Hans Pollinger (mit neuer Festschrift) sowie Gründungsmitglied Rupert Faltermeier und Ehrenmitglied Prof. Dr. Kurt Brenner bei der Jubiläumsfeier in Hemau. Foto: Popp
Dr. Thomas Feuerer (von links), Vorsitzender Friedrich Loré, Bürgermeister Hans Pollinger (mit neuer Festschrift) sowie Gründungsmitglied Rupert Faltermeier und Ehrenmitglied Prof. Dr. Kurt Brenner bei der Jubiläumsfeier in Hemau. Foto: Popp

Auch für die Zukunft hat sich der Verein zahlreiche Projekte vorgenommen. Zunächst soll die Bewertung der Stücke der Sammlungen abgeschlossen und die Ergebnisse aus den Grabungen gesichert werden. Die Wiederbelebung des Dolina-Gewölbes mit Kunstveranstaltungen und Lesungen ist für 2016 geplant. Auch die Vernetzung mit Vereinen und Organisationen und die Zusammenarbeit mit dem Donaugymnasium Kelheim soll intensiviert und eine eigene Schriftenreihe etabliert werden.

Das Buch „25 Jahre Dolina Gesellschaft für Landeskunde e. V.“ ist in der Reihe „Regensburger Beiträge zur Heimatforschung“ im Verlag Thomas Feuerer erschienen; Autor ist Historiker Bernhard Fuchs. Die Seitenzahl umfasst knapp 100, der Preis liegt bei 14,80 Euro;

ISBN: 978-3-88246-363-7. Weitere Infos unter www.heimatforschung-regensburg.de.

Jubiläumsfeier in Hemau

  • Böllerschützen:

    Mit Böllern eröffnete die Schützengilde Alte Linde aus Undorf beim unteren Stadttor die Jubiläumsveranstaltung samt Jahresversammlung der Dolina im Gasthaus Donhauser.

  • Forschung:

    Bürgermeister Hans Pollinger beglückwünschte den Verein. „Menschen, die forschen und den Geschehnissen nachfassen sind besonders geerdet und haben eine gute Verbindung zur Erde“, sagte er. Pollinger wünschte den Mitgliedern, dass sie stets den Blick nach vorne richten und dabei die Heimat im Herzen behalten mögen. Musik: Stimmgewaltig umrahmte der Chor Cantaloupes unter der Leitung von Walter J. Hansch den Abend.

  • Rückblick:

    Vorsitzender Friedrich Loré sprach in seinem Jahresrückblick auch das aktuelle Weltgeschehen und die globale Klimaveränderung an. Rückblickend erinnerte Loré an die Veranstaltungen im abgelaufenen Vereinsjahr.

  • Hl. Barbara:

    Dr. Thomas Feuerer schilderte die Geschichte der Heiligen Barbara, die auch über die Dolina ihre schützende Hand halte. Dabei teilte Feuerer mit, dass die Legende auch mit der Tangrintelstadt fest verwurzelt sei und viele Spuren zu ihr führen.

  • Ehrung:

    Geehrt durch den Vorsitzenden wurde das Gründungsmitglied Rupert Faltermeier für 25-jährige Mitgliedschaft und Schatzmeistertätigkeit.

  • Buchvorstellung:

    Autor Bernhard Fuchs präsentierte die Festschrift. Mit Hilfe von vielen Mitgliedern konnte ein besonderes Nachlagewerk in Buchformat geschaffen werden.

  • Nachwahl:

    Jutta Pöller aus Kelheim wurde als Beisitzerin in die Vorstandschaft von der Versammlung gewählt.

  • Stiftung:

    Thomas Feuerer wurde zum neuen Stiftungsvorstand ernannt. Dem gehören bereits Prof. Dr. Kurt Brenner und Rupert Faltermeier an. (lbp)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht