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Asyl

Einfach für Flüchtlinge in Hemau da sein

Annika und Michael Baderschneider beraten Flüchtlinge in der Unterkunft. Dafür erfahren sie viel Lob und Dankbarkeit.
Von David Santl

Gemeinsam Fahrräder zu reparieren ist eine von vielen Aktionen, mit denen die Baderschneiders einen Beitrag zur Integration leisten wollen. Fotos: Santl
Gemeinsam Fahrräder zu reparieren ist eine von vielen Aktionen, mit denen die Baderschneiders einen Beitrag zur Integration leisten wollen. Fotos: Santl

Hemau.Im Innenhof der Hemauer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge stehen mehrere kaputte Fahrräder. Drumherum liegt einiges Werkzeug bereit. „Also Solomon, wo fangen wir an?“, fragt Annika Baderschneider einen der Flüchtlinge, die darauf warten, mit der Reparatur ihrer Fahrräder zu starten.

Ein Handy spielt im Hintergrund Musik ab, die für bayerische Ohren ungewöhnlich klingen mag. „Das ist Tigrinya, die Sprache von Eritrea“, erklärt Solomon. „Ohne Musik geht’s eben nicht“, lacht Michael Baderschneider. Gemeinsam mit seiner Frau Annika ist er für die Beratung und die Betreuung der Flüchtlinge in Hemau zuständig. „Oje, hier brauchen wir neue Bremsen“, meint das Ehepaar, nachdem es eines der Räder mit den Flüchtlingen beäugt hat.

Das Leben in Hemau erleichtern

„Die Fahrräder kommen von der Nachbarschaftshilfe oder von Privatpersonen“, erzählt Michael Baderschneider, während er an einem Reifen herumschraubt. Das Reparieren von Fahrrädern ist nur eine von vielen Aktivitäten, mit denen die Baderschneiders „ihren“ Flüchtlingen das Leben in Hemau erleichtern wollen. „Vor Kurzem haben wir die Stadtbücherei besucht“, erinnern sie sich.

„Andere wollten unbedingt arbeiten. Jetzt helfen sie im BRK-Seniorenheim mit und bekommen viel positives Feedback“, freut sich Michael Baderschneider. Zu sehen, wie die Flüchtlinge Fähigkeiten bei sich entdecken und selbstständig werden, sei das Schönste an ihrem Job: „Es freut uns, wenn sie merken, dass sie auch etwas zurückgeben können und nicht nur die sind, die Probleme haben.“ Hauptsächlich ist das Paar aber für die Beratung zuständig.

Beratung bei Asylverfahren ist der Schwerpunkt ihrer Arbeit.
Beratung bei Asylverfahren ist der Schwerpunkt ihrer Arbeit.

„Wir stehen ihnen bei allen möglichen Fragen zur Verfügung“, erklären sie. Dabei geht es vor allem um das Asylverfahren. „Am Anfang waren wir überrascht, wie vielfältig ihre Anliegen sind“, erzählen die beiden: „Das geht vom Arzt bis zu Sprachkursen.“ Diese Kurse würden für viele zum Alltag gehören. „Andere kochen auch gerne“, berichtet Annika Baderschneider. Trotzdem gebe es ein paar, die keine Perspektive haben. „Bei ihnen stockt das Asylverfahren und sie wissen nicht, was sie tun sollen. Ihnen wollen wir helfen“, erklären die beiden.

Ihnen persönlich sei es sehr wichtig, den Flüchtlingen den Start in ein neues Leben zu ermöglichen. „Wir sind Christen und tun das einfach aus unserer Verantwortung heraus, jemandem zu helfen, der in ein fremdes Land kommt“, sind sie sich einig. Deshalb legen sie auch viel Wert aufs Zuhören: „Die Menschen stehen vor riesigen Herausforderungen, haben Fluchterfahrungen im Gepäck und kämpfen mit Frust und Trauer“, berichten sie. Durch Beratungen würden sie versuchen, sie zu integrieren. „Es soll jemand da sein, der an ihrer Seite steht“, finden die beiden. Auch ein gutes Klima in Hemau sei wichtig. „Bei Problemen vermitteln wir. Außerdem probieren wir mit Projekten, dass das Zusammenleben klappt.“ Dazu gehört laut Michael Baderschneider auch, den Flüchtlingen zu erklären, wie Gesellschaft funktioniert. „Wenn ihnen keiner sagt, wie die Leute hier ticken, können sie es nicht wissen“, erklärt er.

Aus christlicher Überzeugung heraus

  • Verein:

    Die Integrations- und Flüchtlingsberater Annika und Michael Baderschneider sind beim „Christlichen Verein junger Menschen“ aktiv.

  • Hilfe:

    Der Verein hilft beim Asylverfahren, dem Kontakt zu Behörden und bei Fragen zu Sprache und zum allgemeinen Leben in Deutschland.

  • Kontakt:

    Am Montag und am Donnerstag sind die Baderschneiders direkt in der Hemauer Unterkunft.

  • Schwerpunkt:

    Ziel ist es, Flüchtlinge an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Das soll laut Annika und Michael Baderschneider auch durch direkte Begegnungen geschehen. (lds)

Deshalb empfiehlt er, an Vorurteile differenziert ranzugehen. „Überall gibt es Solche und Solche“, meint er. Daher sollte man immer offen sein. „Wenn man ihnen als Menschen begegnet, kann man Vorurteile leicht ablegen.“

Das „Nordkorea Afrikas“

Die meisten Flüchtlinge in der Hemauer Unterkunft kommen aus Eritrea. Was die Baderschneiders über deren Schicksal erzählen, ist bedrückend: „In Eritrea herrscht eine Militärdiktatur, die einen zu unbefristetem Militärdienst zwingt. Wer sich entzieht, bekommt es mit schlimmer Gewalt zu tun. Sie fliehen also vor dem Zwang, kämpfen zu müssen“, berichten sie. Nicht umsonst werde Eritrea als das „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet.

Für ihre Hilfe bekommen die Baderschneiders von den Flüchtlingen einiges zurück: „Manchmal bekommen wir einen Kuchen“, lachen sie, „einer hat uns sogar mal auf einem Feld Blumen gepflückt – und sie bezahlt.“ Um zu sehen, wie ihre Arbeit geschätzt wird, muss man nur die Flüchtlinge fragen, die eifrig an ihren Fahrrädern basteln: „Es ist sehr gut, was sie machen“, findet etwa Amaniel Yermane.

Auch Unterkunftsleiter Axel Kunz ist voll des Lobes: „Das basiert auf sehr viel Vertrauen. Was ihr beiden leistet, geht weit über den üblichen Rahmen hinaus“, schwärmt er. Erst kürzlich habe es Bürgermeister Hans Pollinger wieder auf den Punkt gebracht: „Er sagte, das Ehepaar Baderschneider sei ein Segen für Hemau. Und hinter dieser Aussage stehe ich zu 100 Prozent.“

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