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Soziales

Flüchtlingsheim Hemau liegt im Zeitplan

Bis Mitte Mai steht das erste von drei Quartieren. Die Gemeinschaftsunterkunft bietet ausreichend Platz für 150 Asylbewerber.
Von Dietmar Krenz, MZ

  • Mit dem Kran wird eine der mächtigen Bodenplatten auf das vorbereitete Streifenfundament gehievt. Fotos: Krenz
  • Zimmerer Wolfgang Scheuerer erklärt die Gebäude des Flüchtlingsheims.
  • Während die Zimmerer die Gebäude errichten, laufen bereits die Arbeiten für die weiteren Fundamente der Gemeinschaftsunterkunft.

Hemau.„Ein Zentimeter fehlt noch“, ruft einer der Arbeiter am anderen Ende der meterlangen Bodenplatte. Zimmerer Wolfgang Scheuerer legt den Meterstab beiseite und schwingt den mächtigen Vorschlaghammer. Nach einigen wuchtigen Schlägen sitzt die massive Holzkonstruktion exakt auf den betonierten Fundamenten.

Derweilen hat Kranführer Florian Hofbauer schon das nächste Teil an den Haken gehängt. Mit kaum merklichen Fingerbewegungen am Joystick der Fernbedienung lässt er das letzte Teil über das Gerüst einschweben. Neun solcher Platten müssen passgenau zusammengefügt werden und bilden den Boden für das Gebäude.

Eine Handvoll Trupps der Firma Holzbau Semmler ist derzeit damit beschäftigt, die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Dietfurter Straße in Hemau zu errichten. Während die Handwerker auf dem Betriebsgelände in Rieb die Böden, Decken, Wände und Fassaden in Holzrahmenkonstruktion fertigen, sorgen Vorarbeiter Scheuerer und seine Crew für den Aufbau vor Ort.

Initiative des Zimmererhandwerks

Die große Zahl von Flüchtlingen und die Probleme der Kommunen mit deren Unterbringung hatte Thomas Semmler Ende 2015 auf den Plan gerufen. Der Unternehmer reagierte auf die Initiative des bayerischen Zimmererhandwerks und entwickelte ein Modellprojekt für eine Gemeinschaftsunterkunft. 150 Asylbewerber sollen demnach ab Oktober 2016 auf der Anlage untergebracht werden.

„Wir liegen gut im Zeitplan“, berichtet er auf Nachfrage. Zusammen mit den weiteren Handwerksbetrieben aus der Region laufe alles wie geschmiert. Bereits errichtet wurden das Verwaltungsgebäude sowie ein Wohnhaus im ersten Quartier. Seit dieser Woche werkeln die Zimmerer am zweiten Gebäude. Drei Quartiere mit jeweils zwei Häusern verteilen sich künftig auf der rund 8000 Quadratmeter großen Fläche. Der ausreichende Freiraum, die besondere Bauweise sowie die Aufteilung der Räumlichkeiten sollen laut Semmler für eine gute Wohnatmosphäre unter den Flüchtlingen sorgen. Betreut wird die Gemeinschaftsunterkunft künftig von zwei Personen. Als Bauherr finanziert der 53-Jährige Hemauer die Anlage selbst und vermietet die Gebäude an die Regierung der Oberpfalz. Von der Stadt Hemau hat er das Grundstück gepachtet und zahlt dafür Pachtzins.

Millimeterarbeit ist angesagt

Wenn das Wetter weiter so mitspielt, wird noch diese Woche das erste Quartier mit den zwei sich zugewandten Gebäuden stehen. „Rund vier Tage dauerte das Aufstellen solch eines Gebäudes“, erklärt Semmler. Dann übernehmen andere Handwerker und sorgen für die elektrischen Anschlüsse und sanitären Anlagen. Bauarbeiter stellen unterdessen die Schalelemente für die weiteren Fundamente auf.

Kranführer Florian Hofbauer hat seine Fernbedienung zu Seite gelegt. Die schweren Bodenplatten müssen auf den Betonfundamenten verankert werden. Millimeterarbeit ist dann bei den Montageschwellen angesagt, an denen die Wände fixiert werden.

In die Gemeinschaftsunterkunft ziehen Asylbewerber ein, die einen Antrag auf Schutz gestellt haben und auf den Ausgang ihres Verfahrens warten. Vor allem Menschen aus Syrien, Irak, Eritrea und der Ukraine dürften es sein, die ab Oktober in Hemau eine Zuflucht finden, da die Oberpfalz für diese Länder zuständig ist.

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Die Gemeinschaftsunterkunft

  • Anlage:

    Der in der Dietfurter Straße entstehende Gebäudekomplex ist unterteilt in drei Quartiere, wobei jedes davon aus jeweils zwei zueinanderstehenden Gebäudewinkeln besteht. So entstehen Innenhöfe als Begegnungsstätte.

  • Einheiten:

    In den jeweiligen Einheiten gibt es Vierbett- und Zweibettzimmer, die einen gemeinsamen Eingang haben und über Nasszellen verfügen. In jedem Quartier gibt es eine Gemeinschaftsküche, einen Schulungsraum, Räume für die Wasch- und Haustechnik, Spiel- und Hausaufgabenzimmer für Kinder.

  • Verwaltung:

    Die Verwaltung der Anlage ist in einem weiteren Gebäude untergebracht. Zwei Betreuer kümmern sich rund um die Uhr um die Flüchtlinge. Betreiber der Anlage ist die Regierung der Oberpfalz und nicht die Stadt Hemau oder die Firma Holzbau Semmler.

  • Unterbringung:

    Die Flüchtlinge bewohnen die Hemauer Anlage nur so lange, wie das Asylverfahren läuft.

  • Laufzeit:

    Nach einer Laufzeit von zehn Jahren wird der komplette Gebäudekomplex zurückgebaut. (wd)

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