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Kulturpreis

Für Stadel-Rettung ausgezeichnet

Ein Zimmererehepaar gewinnt den Denkmalpreis. Andrea und Thomas Semmler sanierten engagiert ein Gebäude in Hemau.
Von Tino Lex, MZ

  • Der Denkmalpreis geht in diesem Jahr an zwei Familien, darunter das Ehepaar Semmler aus Hemau (rechts).
  • Thomas Gabler hielt die Laudatio auf Jürgen Böhm (rechts).Fotos: Lex

Hemau.Die Verleihung des Denkmalpreises und des Kulturpreises des Bezirks Oberpfalz wurde in diesem Jahr zu einer überaus heiteren Veranstaltung. Im „Weismannstadl“ in Hemau überreichte Bezirkstagspräsident Franz Löffler zusammen mit den Laudatoren die Auszeichnungen an die diesjährigen Preisträger. Neu und einmalig: der zum dritten Mal verliehene Denkmalpreis geht erstmals an zwei Preisträger. Zum einen an das Zimmererehepaar Andrea und Thomas Semmler für ihre „Rettung“ des „Weismannstadels“ in Hemau sowie an Angela und Max Völkl für die Sanierung des „Ledereranwesens“ in Tännesberg.

Den Kulturpreis in der Kategorie „Objektkunst und Installation“ erhält der in Kallmünz lebende Künstler Jürgen Böhm. Das Schwandorfer Marionettentheater überzeugte in der Kategorie „Kleinkunst“. Preisträger in der Kategorie „Neuer Heimatklang“ wurden die beiden Musiker von „Bauersfünfer“ aus Edelsfeld (Amberg-Sulzbach), Dominik Niklas und Uli Radl.

Hartnäckiger, genialer Tüftler

Der Kulturreferent des Bezirks Oberpfalz, Thomas Gabler, hatte die schöne Aufgabe, die Laudatio auf Jürgen Böhm in der Kategorie „Objektkunst und Installation“ zu halten. Böhm studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und erwarb sich so das künstlerische Rüstzeug, um seine kreativen Ideen mit der ihm eigenen Kombination aus hohen künstlerischen wie handwerklichen Fähigkeiten umzusetzen. Dabei erweist er sich als hartnäckiger genialer Tüftler. Sicherlich auch durch sein elektrotechnisches Interesse geprägt, bevorzugt Jürgen Böhm seit einigen Jahren bei der Auswahl seiner Materialien verstärkt Produkte aus dem Sektor Video und Fotografie, darunter verschiedenste Leuchtmittel und elektronische Bauteile. Zahlreiche Ausstellungen in Süddeutschland, England, Mexiko, Südkorea zeugen von seiner Schaffenskraft. Eine Arbeit hob Gabler hervor: „Böhm legt in einem grenzüberschreitenden künstlerischen Ansatz Fotonegative mit Oberpfälzer und tschechischen Motiven übereinander und beleuchtet diese von hinten, ein wirklich innovativer Ansatz!“

Der Bezirkstagspräsident Franz Löffler legte ganz besonderen Wert auf die Tatsache, dass der Denkmalpreis in diesem Jahr erstmals zweimal vergeben wurde. „Preis und Preisgeld wurden nicht geteilt, sondern gleichwertig zwei Familien für ihr großartiges Engagement bei der Erhaltung und Sanierung von Ortsbild- und Kulturlandschaft prägender Gebäude verliehen.“ Den „Weismannstadl“ in Hemau richtete die Familie Semmler in beeindruckender Weise wieder her. Das leer stehende und dem Verfall preisgegebene Gebäude wurde zusammen mit dem benachbarten Blauhornstadl und den dazugehörigen Flächen 1996 von der Stadt erworben. Der Verein „Kulturstadl Hemau“ wollte das Gebäude wieder herrichten, musste aber bekannt geben, dass die Finanzierung und Instandsetzung von dem Verein nicht zu schultern sei.

„Eigentlich ist es umgekehrt, normalerweise springt eine Kommune ein, wenn Privatleute bei der Sanierung von Baudenkmälern finanziell nicht mehr weiter wissen. In diesem Fall war es genau andersherum“, so der Bezirkstagspräsident. Jetzt wird der „Weismannstadl“ für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt und mit Leben erfüllt.

„Kultur schafft Identität“

Beim „Ledereranwesen“ in Tännesberg verhielt es sich ähnlich: Dem später als Gasthaus genutzten Hof mit einseitigem Halbwalmdach und gewölbtem Keller sowie dazugehörigem Stallgebäude kommt für das Erscheinungsbild des unter Ensembleschutz stehenden Marktplatzes große Bedeutung zu. Die Sanierung sei außerordentlich gut gelungen, betonte Bezirkstagspräsident Löffler in seiner Rede: „Kultur schafft Identität!“

Ein weiterer Laudator ist kein Unbekannter. Norbert Neugirg, der sich gerne selbst als Gaukler bezeichnet, hielt eine überaus unterhaltsame Rede auf die Preisträger in der Sparte Kleinkunst, das Schwandorfer Marionettentheater. „Die Fäden in der Hand halten“, oder „die Strippen ziehen“, „alles läuft wie am Schnürchen“ oder einfach „die Puppen tanzen lassen“ – hier attestierte der Chef der Altneihauser Feierwehrkapell’n den Preisträgern große künstlerische Fähigkeiten.

Die Edelsfelder Musiker gaben dem Abend mit ihrer musikalischen Virtuosität und ihren pfiffigen, oft sehr witzigen, im Dialekt vorgetragenen Texten den entsprechenden Rahmen. Dass die beiden mit Gummistiefeln auf die Bühne kamen, zeigte einmal mehr ihre witzige Art.

Die Preise

  • Kulturpreis:

    Mit dem seit 2000 verliehenen Kulturpreis zeichnet der Bezirk Oberpfalz alljährlich Persönlichkeiten beziehungsweise Vereinigungen aus, die sich um die Kultur in der Oberpfalz besondere Verdienste erworben haben.

  • Kriterien:

    Kriterien für die Auswahl der Preisträger sind: herausragende Qualität und Leistung im übrigen Kulturbereich, öffentliches Engagement, Verdienste um die Pflege des jeweiligen kulturellen Fachgebiets, erkennbare Beständigkeit der kulturellen Arbeit über Jahre hinweg

  • Denkmalpreis:

    Der Denkmalpreis wird seit dem Jahr 2013 verliehen. (xtl)

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