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Glaube

Junger Hemauer will Priester werden

Martin Seiberl wird am 30. Juni von Bischof Rudolf Voderholzer zum Priester geweiht. Er will den Menschen helfen.
Von Angelika Lukesch

Martin Seiberl will die Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten. Foto: Lukesch
Martin Seiberl will die Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten. Foto: Lukesch

Hemau.Manchmal kommt es im Leben anders, als man ursprünglich dachte. Für Martin Seiberl (29) aus Hemau hat sich der Gedanke, Priester zu werden, zunächst überhaupt nicht abgezeichnet. Zwar entstammt er einer katholisch geprägten Familie, die den Sonntagsgottesdienst stets besuchte. „Mit christlichen Traditionen ist man in meiner Familie vertraut“, sagt Seiberl. Er selbst war als Kind Ministrant und hatte als Jugendlicher lange Jahre die Einteilung der Ministranten übernommen. „In dieser Zeit lockerte sich allerdings meine Bindung zur Kirche und ich besuchte noch alle zwei, drei Wochen die Sonntagsmesse“, gibt Seiberl ehrlich zu. Der Berufsweg des jungen Mannes schien nach seinem Abschluss der mittleren Reife vorhersehbar. Er absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Ligabank in Regensburg: „Die Ausbildung hat mich in zweieinhalb Jahren auf unterschiedlichste Art und Weise sehr bereichert“, erzählt er. Noch heute interessiert er sich für den Finanzsektor. Nach Abschluss der Ausbildung jedoch spürte Seiberl, dass er sich gerne noch weiterbilden wollte und zwar nicht etwa für einen speziellen Bereich, „sondern breit und allgemein“. Er entschied sich, die Bank zu verlassen und erwarb an der Berufsoberschule Wirtschaft in Regensburg die allgemeine Hochschulreife.

Als Mesner gearbeitet

Zu diesem Zeitpunkt zog es den jungen Mann bereits zur Kirche hin, denn als er bei seiner Bank gekündigt hatte und auf die Berufsoberschule ging, musste er sich nebenbei Geld verdienen. Seiberl hatte aus seiner Tätigkeit als Ministrant ein sehr gutes Verhältnis zu seinem damaligen Pfarrer Thomas Strunz in Hemau. „Zufälligerweise war zu dem Zeitpunkt in der Gemeinde eine Mesnerstelle frei, die ich dann annahm. Über diese Tätigkeit wurde ich wieder sehr stark in das kirchliche Leben meiner Heimatpfarrei hineingezogen. Ich erlebte verschiedene Tätigkeitsbereiche des Pfarrers und weil das damalige Team – Pfarrer, Pastoralassistentin, Kirchenmusiker und die Mesner – sehr harmonisch war, übte das eine sehr positive Wirkung auf mich aus“, erzählt Seiberl weiter.

„Der Glaube an Gott ist für mich verbunden mit den Fragen nach Sinn und dem Woher und Wohin des Menschen.“

Martin Seiberl

Er begann sich allmählich für den Beruf eines Priesters zu interessieren. Pfarrer Thomas Strunz zeigte dem jungen Mann das Priesterseminar in Regensburg und „dann war mir klar, dass ich es versuchen wollte“, berichtet der Weihekandidat. Dennoch habe er erst mit seiner Ausbildung im Priesterseminar und mit dem Studium der Theologie an der Universität gesehen, was mit einer Berufung zum Priester alles verbunden ist. Seiberl erkannte, dass ihn die Theologie sehr interessierte und kam zu der Überzeugung, dass „die Lebensform eines Priesters ein erfüllender Lebensweg für mich sein kann.“ Die Motivation des Hemauers, Priester zu werden, ist vielfältig. Er habe für sich erkannt, dass Gott der Ursprung dieser Welt und seiner Existenz sei, sagt Seiberl.

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„Dennoch bleibt man im Glauben ein Suchender nach der tieferen Wahrheit, die unser ganzes Leben trägt. Der Glaube an Gott ist für mich verbunden mit den Fragen nach Sinn und dem Woher und Wohin des Menschen.“ Seiberl will als Priester den anderen Menschen auf deren eigener Suche helfen und sie auf ihrem Lebensweg mit allen Höhen und Tiefen begleiten: „Ein christlicher Lebensentwurf und ein christliches Denkgebäude ermöglichen eine sinnvollere Lebensführung. Als Priester will ich den Menschen einen Blick dafür öffnen, dass wir als Menschen auf eine ewige Existenz hin angelegt sind.“

Das Evangelium verkünden

Der Mensch verliere sich zu sehr in alltäglichen Kleinigkeiten, meint Seiberl. „Der christliche Glaube will den Blick des Menschen heben und verleiht ihm eine großartige Perspektive. Der Priester muss helfen, Gott und Mensch zu verbinden. Das kann ich, indem ich das Evangelium verkünde, meinen Glauben durch meinen Lebenswandel bezeuge und indem ich versuche, jene in die Mitte zu stellen, die an den Rändern der Gesellschaft sind.“ Er glaubt auch, dass der moderne Mensch wieder mit dem Glauben versöhnt werden müsse. Martin Seiberl ist ein junger Mann, der sich mit der Priesterweihe für die Ehelosigkeit entscheidet. Wie geht er damit um? „Man traut erst einmal dem Ganzen. Die Zölibatsfrage schwingt natürlich all die Jahre mit. Denn irgendwann muss man sich konkret entscheiden“, sagt Seiberl. Er ist überzeugt, dass der Dienst eines Priesters umfassende Freiheit benötigt. Man wähle schließlich nicht einen Beruf, sondern eine ganze Lebenshaltung und diese habe die katholische Kirche mit der Lebensform der Ehelosigkeit verknüpft. Außerdem bedeute Ehelosigkeit nicht, dass man ohne tragfähige Freundschaften leben müsse. „Gefühle von Sicherheit und Vertrautheit sind auch in guten Freundschaften gegeben und müssen nicht speziell in einer Liebesbeziehung gestaltet sein“, stellt Seiberl fest. Seine Primiz, also die erste offizielle Messe als Neupriester in der Pfarrgemeinde, wird Seiberl am 8. Juli um 9.30 Uhr in Hemau feiern.

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Stationen

  • Flach auf dem Boden:

    Zu Beginn der Priesterweihe werden die Kandidaten aufgerufen. Danach erfolgt die Belehrung durch den Bischof. Schließlich strecken sich die Weihekandidaten flach auf den Boden aus und rufen alle Heiligen des Himmels an.

  • Weihe:

    Die Kandidaten richten sich wieder auf und jeder einzelne tritt zum Bischof vor, um die Weihe durch Handauflegung zu erhalten. Danach treten alle anwesenden Priester vor und legen dem Weihekandidaten ebenfalls die Hände auf.

  • Primizgottesdienst:

    Nach der Priesterweihe kommen die Neupriester in ihre Heimatpfarrei zum Primizgottesdienst. Der Tradition gemäß legen die Frauen der Pfarrei einen Blumenteppich vor der Kirche aus, über den der Primiziant in die Kirche schreitet.

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