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Interview

Spielzeugverzicht lässt Kinder wachsen

Viele Kindergärten im Landkreis Regensburg probieren die „spielzeugfreie Zeit“ aus. Das Gesundheitsamt unterstützt dabei.

Petra Kliegel Dipl.-Sozialpädagogin im Gesundheitsamt Foto: Birgit Retzer
Petra Kliegel Dipl.-Sozialpädagogin im Gesundheitsamt Foto: Birgit Retzer

Regensburg.Wie viele Kindergärten im Landkreis Regensburg probieren das Modell „spielzeugfreie Zeit“ aus?

Viele Kindergärten führen das Projekt auch ohne Begleitung des Gesundheitsamtes durch. Daher gibt es keine exakten Zahlen. Seit 2001 begleite ich die spielzeugfreie Zeit und konnte schon mit einigen Kindergärten zusammenarbeiten. Auch in der Stadt Regensburg gibt es Kindergärten, die dieses Projekt durchführen.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Kindergärten?

Die Kindergärten führen das Projekt meist in zweijährigem Abstand durch und haben es zum Teil in der Konzeption verankert. Das bedeutet aus meiner Sicht, dass die Teams von dem Projekt überzeugt sind und den Kindern neben der üblichen Kindergartenzeit auch diese Möglichkeit bieten wollen. Zudem berichten die Kindergartenteams davon, dass die Kinder in der spielzeugfreien Zeit oft „wachsen“ und in ihrer Entwicklung gut vorankommen.

Welche Vorteile sehen Sie für die Kinder bei diesem Projekt?

Im Projektzeitraum dürfen die Kinder entscheiden, was und mit wem sie spielen. Sie sind auf eigene Ideen und Aktivitäten angewiesen, da sich die Pädagoginnen zurückhalten. Die Kinder müssen kommunizieren, Spielüberlegungen ausdenken und Spielkameraden finden, mit denen sie ihre Ideen umsetzen. Dies sind Faktoren, die dazu beitragen, zu wissen, was man will und damit klar zu kommen, wenn andere Interessen dagegenstehen. Die Teams melden zurück, dass personale und soziale Kompetenzen gefördert werden.

Inwieweit kann dieses Projekt helfen, spätere Suchtgefahren zu reduzieren?

Vor allem bei mehrmaliger Durchführung des Projektes wurde festgestellt, dass es Auswirkungen auf Selbstkompetenz, Konfliktfähigkeit, usw. gibt. Hier Fähigkeiten zu entwickeln, stärkt Kinder. „Starke“ Kinder sind weniger anfällig für problematische Entwicklungen, wie Suchterkrankungen. Natürlich gibt es keine Garantie für ein suchtfreies Leben, aber die Chancen steigen, dass Kinder mit den Aufgaben beim Erwachsenwerden gut klar kommen und bei Problemen oder Langeweile nicht auf Suchtmitteln ausweichen.

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