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Glaube

Holzheim: Prangertag fällt aus

Der Priestermangel fordert in der kleinen Filialgemeinde seinen Tribut. Es wird heuer keine Fronleichnamsprozession geben.
Von Thomas Kreissl

Der Ruhestandsgeistliche Hans-Peter Heindl trägt die Monstranz bei der Fronleichnamsfeier im vergangenen Jahr. Hier machte die Prozession beim Grundstück der Familie Dobler Station. Foto: Alois Dobler
Der Ruhestandsgeistliche Hans-Peter Heindl trägt die Monstranz bei der Fronleichnamsfeier im vergangenen Jahr. Hier machte die Prozession beim Grundstück der Familie Dobler Station. Foto: Alois Dobler

Holzheim.Es ist eines der großen Hochfeste im Kirchenjahr. Viele Gläubige im Sonntagsstaat, die Vereine mit ihren Fahnen, die Kommunionkinder in ihren liturgischen Kleidern, eine lange Reihe Ministranten und der Pfarrer unter dem großen Stoffbaldachin mit der Monstranz in den Händen – sie alle ziehen am Prangertag, wie Fronleichnam vielerorts genannt wird, durch die Dörfer und Städte und feiern anschließend gemeinsam unter freiem Himmel. Doch nicht mehr in Holzheim. Dort geht nach fünf Jahrzehnten eine Tradition zu Ende. Die Fronleichnamsprozession fällt heuer aus.

„So etwas tut mir körperlich weh“, gesteht Pfarrer Andreas Giehrl im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Doch ihm bleibt nichts anderes übrig. Denn Giehrl muss sich an Fronleichnam allein um die Gläubigen in der Pfarreiengemeinschaft kümmern. Darin sind die Pfarreien Kallmünz und Duggendorf mit der Filialgemeinde in Holzheim zusammengeschlossen.

Der Vikar fährt nach Indien

Unterstützt wird Giehrl in seiner geistlichen Arbeit eigentlich von Pfarrvikar Yesu Jeyapal Savariyappan aus Indien. Doch der Pfarrvikar muss jetzt in seine Heimat reisen, um dort ein Schulprojekt voranzutreiben, das er seit Jahren betreut. Und zuletzt musste auch noch der Ruhestandsgeistliche Hans-Peter Heindl absagen, der in den vergangenen Jahren am Prangertag in Holzheim ausgeholfen hatte, nun aber selbst in seiner Heimatpfarrei unabkömmlich ist.

Alois und Gertrud Dobler werden heuer keinen Altar aufbauen. Foto: Kreissl
Alois und Gertrud Dobler werden heuer keinen Altar aufbauen. Foto: Kreissl

„Das wird heuer für uns kein echtes Fronleichnam sein“, ist sich Gertrud Dobler sicher. Seit zwei Jahrzehnten kümmert sie sich zusammen mit ihrem Mann Alois und Nachbarin Veronika Steinbauer um den letzten der vier Altäre auf dem Weg der Prozession. Jedesmal sammeln sie Tage vorher Grünschmuck und Blumen, stehen um fünf Uhr morgens auf, legen den farbenprächtigen Blumenteppich und schmücken den Altar, auf dem ein Bild der Heiligen Familie steht, das einst den Eltern von Gertrud Dobler gehört hat.

Ein Blick in die Geschichte des Prangertags in Holzheim: Gertrud Dobler mit Enkelin Katharina sowie Veronika Steinbauer und Sieglinde Bäuml legen den Blumenteppich. Foto: Dobler
Ein Blick in die Geschichte des Prangertags in Holzheim: Gertrud Dobler mit Enkelin Katharina sowie Veronika Steinbauer und Sieglinde Bäuml legen den Blumenteppich. Foto: Dobler

Drei Stunden arbeiten die drei daran, dass die gemeindliche Grünfläche neben ihrem Grundstück ein kleines Schmuckstück wird. „Es ist schade, dass es diese Tradition heuer nicht geben wird“, sagt ihr Mann. Alois Dobler weiß, wovon er spricht. Er ist das fotografische Gedächtnis von Holzheim und hält seit vielen Jahren alle Feste im Ort mit seiner Kamera fest. Ganze Generationen von Prozessionsteilnehmern tummeln sich auf seinen Bildern.

Fronleichnam fällt in Holzheim aus.

200 bis 250 Holzheimer haben sich regelmäßig an den Umzügen beteiligt, schätzt Bürgermeister Andreas Beer. Und die meisten davon haben sich nach Gottesdienst und Prozession auch noch zum gemütlichen weltlichen Ratsch im Wirtshaus oder dem Schulgarten getroffen. Dort kümmerte sich die Feuerwehr regelmäßig um die Bratwürste, die allerorten ein kulinarisches Muss sind am Prangertag.

„Für das Dorf ist das schon ein großer Verlust“, bedauert auch Beer die Absage des Fronleichnamsfestes. Nicht wenige Holzheimer freuen sich seinen Beobachtungen zufolge das ganze Jahr über darauf. Doch der Bürgermeister hat Verständnis für die Entscheidung des Pfarrers. „Was mittlerweile alles an Aufgaben auf die Priester zukommt, ist doch oft gar nicht mehr zu stemmen“, ist er überzeugt.

Solidarität für den Pfarrer

Nicht zuletzt deshalb kann sich Andreas Giehrl trotz der Absage auf die Solidarität der Gläubigen in Holzheim verlassen. Denn dass er die kleine Filialgemeinde nicht zu kurz kommen lässt, bewies er erst vor wenigen Wochen. Obwohl es heuer in Holzheim nur drei Kommunionkinder gab, ließ er es sich nicht nehmen, in der kleinen Filialkirche einen eigenen Gottesdienst für sie zu feiern. Und Giehrl hat auch Verständnis für sehr weltliche Anliegen seiner Schäfchen. Damit die das DFB-Pokalendspiel in voller Länge verfolgen konnten, verlegte er kurzerhand die Maiandacht nach vorne.

Prangertag kommt von „prangen“

  • Erklärung:

    Mundartexperte Prof. Dr. Ludwig Zehetner hat sich im Rahmen seiner MZ-Serie schon einmal mit dem „Prangertag“ beschäftigt. Die Bezeichnung wird heute noch vielerorts in Altbayern für den Fronleichnamstag verwendet. Sie kommt von „prangen“. Das heißt: „Festlich geschmückt sein“. So wie die Straßen und Plätze auf dem Prozessionsweg, so wie die Menschen in Festtagskleidung oder in Volkstrachten und so wie die Mädchen mit Blumenkränzchen im Haar.

  • Ursprung:

    Fronleichnam geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich im Jahr 1209 zurück. Die Nonne berichtete, sie habe beim Beten eine dunkle Stelle im Mond gesehen. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des Altarssakraments. Papst Urban IV. legte 1264 fest, Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten zu feiern. Die erste Fronleichnamsprozession in Bayern fand 1273 in Benediktbeuern statt.

Pfarrer Giehrl hatte zuletzt auch noch im Ordinariat um Unterstützung gebeten. Doch auch dort fand sich kein Geistlicher, der am Donnerstag nach Holzheim hätte kommen können. „Ich bedauere es sehr, die Konsequenzen aus dem Priestermangel bei uns umsetzen zu müssen“, erklärte er deshalb vor wenigen Tagen in einem Beitrag auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft.

Ein Bild aus dem Jahr 2017: Die Prozession auf ihrem Weg durch Holzheim. Foto: Dobler
Ein Bild aus dem Jahr 2017: Die Prozession auf ihrem Weg durch Holzheim. Foto: Dobler

Giehrl ist überzeugt davon, dass in den dörflichen Pfarreien neue Lösungen gefunden werden müssen, um die Kirchen weiterhin im Dorf zu halten. Im Blick hat der Kallmünzer Pfarrer das Beispiel Frankreich mit seinem ausgeprägtem Laienengagement. „Davon müssen wir in Zukunft lernen“, fordert er.

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