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Umwelt

„Juradistl“– ein Erfolgsmodell

Vor zehn Jahren wurden in der Region Landschaftspflegeverbände gegründet. Zum Jubiläum kam auch Minister Thorsten Glauber.
von Paul Neuhoff

Umweltminister Thorsten Glauber (2. von links) war unter den Gästen bei der „Geburtstagsfeier“ von „Juradistl“. Foto: Paul Neuhoff
Umweltminister Thorsten Glauber (2. von links) war unter den Gästen bei der „Geburtstagsfeier“ von „Juradistl“. Foto: Paul Neuhoff

Nittendorf.„Juradistl“ – ein Markenname, für den sich vor zehn Jahren vier Landkreise und zwei kreisfreie Städte im Oberpfälzer Jura zusammengefunden und Landschafspflegeverbände gegründet haben, um die wertvolle Kulturlandschaft zu erhalten. Zum kleinen Jubiläum haben sich gestern am Naturfreundehaus in Schönhofen, hoch über dem Tal der Schwarzen Laber, neben Landrätin Tanja Schweiger auch Vertreter der Landkreise Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Neumarkt i.d.Opf. und der Regierung der Oberpfalz eingefunden, um das Erfolgsprojekt zu würdigen. Prominentester Gast war der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber. Eingeladen hatte die Geschäftsstelle des Verbandes im Landkreis Regensburg.

Größtes Projekt in Bayern

Wie Heidrun Waidele, Mitarbeiterin der Geschäftsstelle, unserer Zeitung erklärte, habe sich die Idee, in einem Gemeinschaftsprojekt die einmalige Kulturlandschaft des Jura in unserer Region zu erhalten, zu einem Vorzeigemodell entwickelt. Durch die Zusammenarbeit von vier Landkreisen und zwei kreisfreien Städten ist mit einer Gesamtfläche von 170 000 Hektar das größte Biodiversitätsprojekt in Bayern entstanden.

Die Arbeitsgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die überaus artenreiche Fauna und Flora des Operpfälzer Juras mit seinen Kalkmagerrasen und Wacholderheiden vor Verbuschung und Bewaldung zu bewahren. Entstanden ist diese Kulturlandschaft durch jahrhundertelange Beweidung. Die Bewohner der Dörfer in den Flusstälern und auf den Höhenzügen ließen Schafe, Ziegen und auch Rinder an den Steilhängen grasen. Dadurch blieben die Flächen weitgehend frei von größerem Bewuchs. Auf den sonnenbeschienenen Arealen konnte sich eine einzigartige Vielfalt an Pflanzen und Tieren, eben hohe Biodiversität, entwickeln.

Daten und Zahlen

  • Umsätze:

    Über „Juradistl“ wurden in den letzten zehn Jahren in der Region über Maßnahmen und Verkauf 24 Millionen Euro umgesetzt.

  • Produkte:

    Die erzeugten Produkte werden u.a. in der Mensa der Uni Regensburg und in Berufsschulen verwertet.

  • Zukunft:

    Die Entwicklung weiterer Produkte, wie etwa aus Getreide und Kartoffeln, ist geplant.

Durch die strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft, verbunden mit der Aufgabe vieler Höfe, entfiel die Beweidung in der jüngeren Vergangenheit immer mehr. Um diese Entwicklung zu stoppen, wurde bereits 2002 das sogenannte Bayernnetzprojekt „nepomuk“ ins Leben gerufen. Aus diesem entwickelte sich dann ab 2009 das Netzwerk „Juradistl“. Wanderschäfer konnten gewonnen werden, die mit ihren Tieren über die freien Flächen ziehen. Darüber hinaus lassen die Landschaftspflegeverbände Entbuschungsmaßnahmen durchführen, um den typischen Magerrasen zu erhalten.. Eingebettet ist das Ganze in das Biodiversitätsprogramm 2030 der Bayerischen Staatsregierung.

Große Bedeutung hat nach den Ausführungen von Heidrun Waidele neben den Pfegemaßnahmen und einer naturverträglichen Bewirtschaftung von Flächen durch die beteiligten Landwirte auch die regionale Vermarktung von Produkten, die auf den landwirtschaftlichen Arealen des Projektgebietes erzeugt werden.

Am Anfang stand das hochwertige Fleisch der Lämmer aus den eingesetzten Schafherden. Das „Juradistl“-Lamm wird über Partner, wie Metzgereien, Gastwirt oder aber auch den Schäfer selbst vertrieben. Später kam das „Juradistl“-Weiderind dazu. Rinderherden grasen auf den Wiesen des Projektgebietes und tragen so zum Erhalt der artenreichen Grünflächen bei. Zu einem Erfolgsmodell hat sich in Zusammenarbeit mit einer regionalen Kelterei die Verwertung von Obst aus Streuobstwiesen entpuppt. Seit 2013 wurden über eine Million Liter an Apfelsaftschorle verkauft. Auch die noch junge Honigvermarktung aus dem Juradistl-Gebiet entwickelt sich gut.

Minister sagt Hilfe zu

Landrätin Tanja Schweiger bezeichnete die Arbeit der vier Landschaftspflegeverbände als ein von der Bevölkerung wahrgenommenes interkommunales Erfolgsmodell für nachhaltiges Handeln. Die Landkreischefin bedankte sich bei Minister Glauber für die Unterstützung, verbunden mit der Bitte, das Projekt auch über das Jahr 2020 hinaus zu finanzieren. Der Umweltminister reagierte prompt und sagte weitere Unterstützung zu. Auch Thorsten Glauber zeigte sich beeindruckt von der vor zehn Jahren geborenen Idee. In der Projektgemeinschaft werde seitdem zugunsten einer kleinteiligen Landschaft das Gemeinschaftliche und nicht das Trennende betont. Glauber forderte die Beteiligten auf, das herausragende Projekt, auf das alle stolz sein könnten, weiter zu bewerben, damit es noch viele Nachahmer finde.

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