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Kleiner Andreas kämpft gegen den Tumor

Der Junge aus Traidendorf hat einen sehr seltenen Hirntumor. Trotz intensiver Behandlung hat sich ein neuer Tumor gebildet.
Von Christof Seidl, MZ

Katrin Baumer mit ihrem Sohn Andreas. Der kleine Junge leidet an einer extrem seltenen Krebsart. An der Wand hängt seine Mutperlenkette des VKKK.
Katrin Baumer mit ihrem Sohn Andreas. Der kleine Junge leidet an einer extrem seltenen Krebsart. An der Wand hängt seine Mutperlenkette des VKKK. Foto: Martin Schmid

Kallmünz.Die Kette von Andreas Baumer ist bald vier Meter lang. Sie besteht aus vielen Mutperlen. Jede Perle zeigt einen Behandlungsschritt an, den der knapp zweijährige Junge schon hinter sich hat – von der Blutabnahme über die Chemotherapie bis zur großen Operation. Es sind viele Schritte, anstrengende, schwere Schritte. Andreas leidet an einem Pineoblastom, einem extrem seltenen bösartigen Hirntumor. Seine Behandlung zog sich seit Juli 2015 über sieben Monate hin und schien erfolgreich zu sei. Doch jetzt hat sich ein neuer Tumor im Kopf des kleinen Jungen gebildet.

Im Urlaub die Anzeichen bemerkt

Begonnen hat alles Ende Juni vergangenen Jahres. Katrin und Andreas Baumer waren mit ihrem Sohn in Urlaub, als ihnen auffiel, dass mit den Augen des damals knapp Einjährigen etwas nicht stimmte. Sie waren geweitet, sein Blick fiel immer wieder kurz nach unten. Die Baumers brachen ihren Urlaub ab und suchten einen Kinderarzt auf. Er vermutete einen stark erhöhten Druck im Gehirn des Jungen und überwies ihn sofort ins Krankenhaus.

Die Diagnose: Andreas hatte einen Hirntumor, der den Abfluss des Gehirnwassers blockierte, daher der hohe Druck. In einer Not-Operation wurde an der Regensburger Uniklinik ein Schlauch gelegt, der die Flüssigkeit ableitete, vier Tage später wurde in einem 14-stündigen Eingriff der Tumor entfernt. In zwei weiteren Operationen wurden für die Behandlung Anschlüsse in der Brust und im Kopf gelegt. Es folgten bis Januar 2016 mehrere, zum teil hoch dosierte Chemotherapien. Um Andreas in der jeweiligen Genesungsphase nach diesen Therapien zu unterstützen, wurden ihm davor körpereigene Stammzellen abgenommen.

Für die Eltern war es eine extrem belastende Zeit: lange Aufenthalte im Krankenhaus, Diagnosen, Werte, ein von den vielen Chemotherapien geschwächtes Kind. Die Behandlung ist teilweise nur unter Narkose möglich. Katrin Baumer bleibt häufig im Elternhaus des VKKK (Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder Ostbayern) an der Uniklinik. Vater Andreas Baumer ist da, wann immer es sein Beruf zulässt.

„Wir haben viel Unterstützung“

Wie hält man das aus? „Wir stützen uns gegenseitig. Wenn es mir schlecht geht, ist Andreas für mich da und umgekehrt“, sagt Katrin Baumer im Gespräch mit unserer Zeitung. Freunde und Verwandte würden helfen, wann immer Zeit ist. „Wir haben sehr viel Unterstützung.“ Äußerst positiv bewerten die beiden das Elternhaus. Der Austausch mit anderen Eltern, deren Kinder Krebs haben, nimmt das Gefühl des Alleinseins.

„Wir stützen uns gegenseitig. Wenn es mir schlecht geht, ist Andreas für mich da und umgekehrt“

Katrin Baumer

Im Februar und März schöpften die Baumers Hoffnung. Die Behandlungsphase war bis auf Kontrollen durch Gehirnwasserentnahme abgeschlossen. „Es ging Andreas so gut wie noch nie“, erklärt sein Vater. Der Junge habe die gefährliche Operation und die ganzen Behandlungen gut überstanden, es gebe keine Einschränkungen. „Wenn er zuhause ist, geht es uns gut“, sagt Katrin Baumer. „Er lacht viel.“ Fasziniert ist der kleine Junge von Traktoren.

Der Rückschlag folgte am 4. April. Ein neuer Tumor hat sich im Kopf von Andreas gebildet. Nicht mehr an derselben Stelle, deshalb ist der Abfluss der Gehirnflüssigkeit diesmal nicht betroffen. Aber er wächst schnell. Für die Eltern ist es ein Schock. „Die Nachricht, dass da wieder ein Tumor ist, war fast schlimmer als die erste Diagnose“, sagt Katrin Baumer. „Die Chemotherapie hat den Krebs gestoppt, aber nicht zerstört.“ Die nächste Therapie-Abfolge ist bereits angelaufen – erst eine Woche zu Hause in Tablettenform, dann eine Woche über Infusionen im Krankenhaus. „Das geht über fünf, sechs Monate so weiter“, erklären die Eltern die neue Situation. Das Ziel ist, die Chemotherapie fortzusetzen, bis der Tumor verschwindet. Doch er ist nicht das einzige Problem. Im Bereich des Rückenmarks haben sich drei kleine Metasthasen gebildet. „Bisher sind es nur Minipunkte“, sagt Katrin Baumer.

Eine Perlenkette macht Mut

  • Krankheit:

    Krebskranke Kinder haben mittlerweile oft gute Chancen, wieder gesund zu werden. Dennoch sind die Therapien langwierig, extrem belastend, oft auch schmerzhaft und zermürbend. Kinder und Eltern müssen dabei Rückschläge verkraften und mit der Angst leben, dass es vielleicht keine Heilung gibt.

  • Folgen:

    Es ist verständlich, dass es immer wieder Momente und Tage gibt, an denen die kleinen Patienten ihren Mut und ihre Geduld verlieren.

  • Konzept:

    Kleine Gesten haben in solchen Situationen oft große Wirkung – so wie die Mutperlen. Für jede Behandlung, jede Untersuchung gibt es eine besondere Perle als „Belohnung“, die genau diesen Eingriff symbolisiert und sichtbar macht.

  • Kette:

    Die Perlen nehmen den Interventionen etwas von ihrer Bedrohlichkeit und lassen Ängste in den Hintergrund treten. Die Perlenkette begleitet das Kind „als roter Faden“ über die gesamte Behandlungszeit.

Eine weitere Therapieform ist im Gespräch: eine spezielle Strahlenbehandlung. Es gibt im deutschsprachigen Raum aber kaum Kliniken, die solche Behandlungen an kleinen Kindern durchführen. Dafür müssten die Baumers vermutlich sechs Wochen lang nach Essen. Die Mutperlenkette von Andreas Baumer wird dann noch ein ganzes Stück länger werden.

Spendenkonto

Die Triathlon-Abteilung des ATSV Kallmünz will einen Teil des Erlöses aus dem nächsten Kallmünzer Triathlon für die Familie spenden. Sie hat auch ein Spendenkonto eingerichtet: Raiffeisenbank Hemau-Kallmünz, IBAN: DE17750690610002501058; Sichwort: Kleiner Tiger

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