MyMz
Anzeige

Schau

Künstler öffnen ihre Werkstätten

Zwölf Kunstschaffende aus Regensburg, Schwandorf und Kelheim stellten ihre Arbeiten vor. Der „Tag der offenen Ateliers“ bot viel Raum für neue Ideen.
Von Ingrid Kroboth, MZ

  • Der Holz- und Steinbildhauer Korbinian Huber stellte viele seiner Modelle aus verschiedenen Wettbewerben vor. Fotos: Kroboth(3)/Kox(1)
  • Karin Fleischer findet viel Inspiration in der Natur.
  • Herta Wimmer-Knorr schafft Skulpturen aus Plastik.
  • Heinrich Glas arbeitet bevorzugt mit Bronze und Grauguss.

Kallmünz.Im gut bestellten Bauerngarten steht der Grünkohl, die kräftigen Brombeerstöcke sind abgeerntet. Der Weg zum „Glashaus-Atelier“ von Günther und Anna Ebenbeck – Vater und Tochter – in Kallmünz-Traidendorf führt durch eine hölzerne Überdachung für den alten Traktor. Daneben ist auch noch genügend Platz für den Wintervorrat an Äpfeln, Birnen, Holz, Kürbissen. Im Garten reifen Tomaten und Paprika, drum herum Kräuter und Gewürze. Der erste Eindruck lässt hier eher einen klein-landwirtschaftlichen Betrieb vermuten, gut organisiert und vielseitig bestellt. Indes steht bei Ebenbecks die Kunst im Mittelpunkt, Kunst aus robustem Eisen und fein geschliffenem Stein, Kunst in zarter Keramik für den Gebrauch, Objekte und Skulpturen, Gedrucktes, Gemaltes auf Papier und Holz.

Grasbüschel aus PET-Flaschen

Anna Ebenbeck unterhält sich mit einer Frau, nimmt sich Zeit für die Besucher, die den „Tag der offenen Ateliers in der Oberpfalz“ zu einer Rundreise nutzen. Zwölf Künstler in den Landkreisen Regensburg, Schwandorf und Kelheim lassen sich an diesem Sonntagnachmittag in ihre Werkstätten schauen. „Das ist immer ein guter Grund, aufzuräumen“, weiß der Vorsitzende des Berufsverbandes bildender Künstler (BBK), Ludwig Bäuml aus eigener Erfahrung. Er bedient sich im gepflegten Innenhof von Herta Wimmer-Knorr in Kallmünz an einem lecker bestückten Buffet. Die Sonne verlockt zum gemütlichen Plausch auf der Holzterrasse, umgeben von Objekten aus Plastik, dem neuesten Werkstoff der Künstlerin, die eigentlich aus der Keramik kommt. Sie verarbeitet durchsichtige PET-Flaschen zu Blüten, Grasbüscheln, Kleidern, zu einem riesigen Ohr, das an der Ecke eines Holzanbaus befestigt ist. Ihr größtes Kunstwerk steht in der Landesgartenschau in Deggendorf: ein Gartenzwerg aus PET – vier Meter hoch.

In Duggendorf hat Korbinian Huber sein Atelier im Erdgeschoss des ehemaligen Schulhauses sozusagen auf Durchzug geöffnet. Die Türen zur Straße und in den kleinen Garten stehen weit offen. Draußen und drinnen erleben die Besucher ein sicher nicht immer romantisches Künstlerdasein. Der Holz- und Steinbildhauer hat viele seiner Modelle aus Wettbewerben ausgepackt und erzählt freimütig über vollendete Werke und ihre Standorte, wie etwa den wilden Drachen, der in einer Länge von sechs Metern im Märchenpfad beim Walderlebniszentrum in Sinzing schwebt. Huber zeigt aber auch seine Gestaltungsvorschläge, etwa für Brunnen, die nie realisiert wurden und nun als Modelle in seiner Werkstatt verstauben.

Eine „Jugendecke“ in luftiger Höhe

Seit ihrem Studium arbeitet Karin Fleischer in Waldetzenberg mit verschiedensten Techniken. Sie steht ihrem Sujet stets offen gegenüber. Ihre Bilder entstehen angesichts der vor ihr liegenden Landschaften, von Dingen des täglichen Bedarfs und Einzelobjekten. Durch die Umsetzung in ein Bild vermittelt die Künstlerin dem Betrachter die Besonderheiten, die sie selbst bei der Schaffung des Werks empfunden hat. In anderen Dimensionen haben sich Bettina und Heinrich Glas ihre Wirkungsstätte in Nittendorf eingerichtet. Das Ehepaar nutzt ein Atelier für kleinere Arbeiten daheim in Undorf und für große Werke einen mehrstöckigen Stadel, der ursprünglich auf dem Karthäuser Hof in Regensburg stand. Die Glasens trugen die gewaltige Holzscheune ab und bauten sie mit praktischen Veränderungen im Nittendorfer Gewerbegebiet wieder auf. Bettina Glas ist Malerin, schafft großformatige Werke in Öl auf Papier und Leinwand. Ihr Mann Heinrich arbeitet bevorzugt mit Bronze und Grauguss, malt, zeichnet und hat in schwindelnder Höhe im Stadel eine Art „Jugendecke“ eingerichtet: Plastiken aus seiner Studentenzeit in München und späteren Lehrtätigkeit in Oberammergau.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht