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Tierhasser

Rotmilan mit aggressivem Gift getötet

Der geschützte Greifvogel fraß im Landkreis Regensburg offenbar ein mit hochtoxischem Kontaktgift präpariertes Stück Fleisch.

Dieser tote Rotmilan wurde im Landkreis Regensburg entdeckt. Daneben ist deutlich der Fleischbrocken zu sehen. Foto: A. Gottschalk
Dieser tote Rotmilan wurde im Landkreis Regensburg entdeckt. Daneben ist deutlich der Fleischbrocken zu sehen. Foto: A. Gottschalk

Kallmünz.Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) wurde über einen sehr verdächtigen Fund eines toten Rotmilans im Landkreis Regensburg informiert. Der Greifvogel wurde neben einem Fleischbrocken auf einer Wiese gefunden und trug sogar einen Satellitensender. Bereits im April wurden im Landkreis Eichstätt zwischen Ettling und Forchheim an der Donau zwei tote Greifvögel auf einem Acker gefunden. Die toxikologische Untersuchung der Rohrweihe und des Rotmilans aus Eichstätt konnte bei beiden streng geschützten Arten Rückstände von Carbofuran, einem hochtoxischen Kontaktgift, nachweisen und als Todesursache bestimmen. Unklar ist, ob die getöteten Vögel gezielt ausgelegte Giftköder gefressen haben. „Genauso wie es die geschützten Greifvögel erwischt hat, stellen möglicherweise ausgelegte Giftköder auch für Kinder und Hunde eine echte Gefahr dar“, warnt LBV-Landesfachbeauftragter Dr. Andreas von Lindeiner.

Der tote Vogel war schon weg

Am 28. Juli wurde bei Dinau, in der Nähe von Kallmünz, im Landkreis Regensburg von einer Wanderin ein toter Rotmilan gefunden, der neben einem Fleischbrocken auf einer Wiese lag. Die Frau fotografierte das tote Tier und schickte das Bild an den LBV. Dieser schickte daraufhin Mitarbeiter aus Regenstauf zum Fundort, die sogar von der Polizei begleitet wurden, doch der Vogel lag nicht mehr an der Stelle, konnte also nicht untersucht werden. Dr. von Lindeiner geht dennoch davon aus, dass das Tier von dem Fleischbrocken probiert hat und daraufhin starb. Eine Vergiftung sei sehr wahrscheinlich die Todesursache.

„Aufgrund unserer nicht einfachen Recherchen wissen wir nun, dass der totgefunden Rotmilan Jungtier ist, das im Frühjahr 2019 von Wissenschaftlern der Universität Marburg besendert wurde“, so von Lindeiner. Es stammt von einem Brutpaar aus dem südlichen Vogelsbergkreis. Der Vogel hielt sich am 27. Juli noch südlich von Regensburg auf und flog erst im Lauf des Tages die etwa 30 Kilometer Luftlinie in die Nähe von Dinau. Danach gab es keine Sender-Signale mehr von dem Tier.

Gefahr auch für Kinder und Hunde

Auch im Landkreis Eichstätt wurde ein Rotmilan vergiftet. Foto: Richter/Wasserschutzpolizei Beilngries
Auch im Landkreis Eichstätt wurde ein Rotmilan vergiftet. Foto: Richter/Wasserschutzpolizei Beilngries

In allen diesen Fällen kann ein Verdacht auf weitere Giftköder nicht ausgeschlossen werden. Deshalb appellieren LBV und Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) an alle Eltern in diesen Gebieten, ihre Kinder nichts Verdächtiges anfassen zu lassen. Alle Hundehalter sollten ihre Tiere an die Leine nehmen. Denn das hochtoxische Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt und führt selbst in geringen Dosen zu Krämpfen. „Der Schutz der Öffentlichkeit ist ein zentrales Anliegen wie auch die Aufklärung der Vergiftungsfälle“, sagt Franziska Baur, GLUS-Fachreferentin für Naturschutz. „Wir werden nicht weiter zusehen, wie langjährige Schutzbemühungen um bedrohte, einheimische Tierarten durch illegale Tötung mit qualvollen Methoden - wie Vergiftung - zunichte gemacht werden und dafür sorgen, dass solche Straftaten in Bayern künftig strikter verfolgt werden!“

Toten Vogel auch der Polizei melden

Die Aufklärung illegaler Tiertötungen ist schwierig, deshalb hoffen LBV und die Umweltstiftung auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Spaziergänger, die einen toten Wildvogel auf einer Wiese oder im Feld finden, können diesen dem LBV oder der Polizei melden“, erklärt von Lindeiner. Eine Vergiftung kann nur durch Untersuchungen in einem Speziallabor festgestellt werden.

Fälle oder Verdachtsfälle von Naturschutzkriminalität können ab sofort gemeldet werden unter: www.lbv.de/naturschutzkriminalitaet-melden. Wer einen toten Vogel findet, bei dem es Anzeichen auf Vergiftung gibt, kann auch die Polizei unter der 110 kontaktieren.

Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen

  • Projekt

    Ein Großteil der Fälle von Naturschutzkriminalität bleibt ungeklärt und für die Täter folgenlos, was sich dringend ändern muss. LBV und GLUS starten deshalb 2019 das gemeinsame Projekt „Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!“. In einer bayernweiten Datenbank sollen alle (Verdachts-)Fälle von Naturschutzkriminalität gespeichert werden.

  • Meldeplattform

    Als erste Anlaufstelle für betroffene Behörden und die Öffentlichkeit soll die Datenbank fachliche Unterstützung bieten und als Melde- und Informationsplattform dienen. Mit ihrer Hilfe soll außerdem die langfristige Weiterverfolgung einzelner Fälle sichergestellt werden. Mit dem Projekt soll auch die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt und Fortbildungsangebote bereitgestellt werden. Projektleiter und Ansprechpartner sind die Biologen Franziska Baur (GLUS) und Dr. Andreas von Lindeiner (LBV).

  • Weitere Informationen

    Mehr Infos zum Thema „Naturschutzkriminalität“ und eine Checkliste zum richtigen Verhalten bei einem Totfund mit Verdacht auf illegale Tötung können kostenlos unter info@umweltstiftung.com angefordert oder unter www.umweltstiftung.com/projekte/bayern-wild/naturschutzkriminalitaet heruntergeladen werden.

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