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Landwirtschaft

Sie hat einen ausgezeichneten Saustall

Die Schweine haben es gut auf dem Hof von Eveline Heigl. Sie genießen besonderen Luxus – zum Beispiel eine Fußbodenheizung.
von Michael Sperger, MZ

Auf dem Heigl-Hof strahlt nicht nur die Sonne. Wenn ihre Tiere glücklich sind, zaubert das auch Eveline Heigl ein Lächeln aufs Gesicht. Fotos: Sperger
Auf dem Heigl-Hof strahlt nicht nur die Sonne. Wenn ihre Tiere glücklich sind, zaubert das auch Eveline Heigl ein Lächeln aufs Gesicht. Fotos: Sperger

Kallmünz.Für Tierwohl interessiert sich keine Sau? Doch – auf dem Heigl-Hof nahe Kallmünz haben es die Schweine richtig gut. Sie leben in Bedingungen, die über den Öko-Standard hinaus gehen. Das hat nun auch das Bayerische Umweltministerium honoriert und Eveline Heigl den Bayerischen Tierschutzpreis verliehen. „Ich habe mich über die Auszeichnung sehr gefreut. Die Preisverleihung war ein gelungener Abend“, erzählt die Preisträgerin.

Gemeinsam mit ihrem Mann Hubert führt sie seit 1998 den Hof. Damals übernahm sie ihn von ihren Eltern. „Uns war klar, dass wir bald neue Ställe brauchen werden. Für uns kam nur die Öko-Haltung der Tiere in Frage“, erinnert sie sich. „Viel Platz, ausreichend Stroh und persönliche Betreuung sind die wichtigsten Voraussetzungen für glückliche Tiere.“

Wir waren auf dem Heigl-Hof zu Gast und machten uns selbst ein Bild vom herrschenden Saustall. Video: Sperger; Schnitt: Bayes

Stroh ist Chefsache

Besonders beim Stroh, das zweimal die Woche in den Ställen frisch ausgelegt wird, macht das Ehepaar keine Abstriche. „Auf 70 Hektar landwirtschaftlicher Fläche erzeugen wir alles Getreide und Stroh, das wir brauchen“, erklärt die Bäuerin. Es sei wichtig für Bereiche wie den Nestbau der Mutterschweine und die Ernährung der 80 Zuchtsauen und der Ferkel.

Bei der Ernte birgt das Stress für das Ehepaar, das ohne zusätzliche Arbeiter auskommt. Einzig Sohn Stefan und die siebenjährige Hündin Emma helfen ab und an ein wenig aus. „Die Qualität des Strohs ist sehr wichtig, deshalb muss die Ernte gut geplant werden. Entscheidend ist aber das Wetter.“ So wollen die Landwirte verhindern, dass in den Ställen schimmelndes Stroh landet.

In ihren „Wohnungen“ haben Ferkel, Mutterschweine, Zuchtsauen und der Eber des Hofes das ganze Jahr über selbst die Wahl zwischen einem geräumigen Außen- und Innenbereich. „Die Tiere können zu jeder Jahreszeit nach draußen und tollen auch im Winter herum“, erklärt Heigl.

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie und sehen Sie weitere Eindrücke vom Hof.

Ein Besuch im Saustall

Dafür haben sie ausreichend Platz. Denn auch hier hält sich das Ehepaar nicht nur an den Öko-Standard, sondern übertrifft ihn sogar. „Das Wohl der Tiere liegt uns am Herzen und Schweine brauchen genügend Platz“, sagt die Preisträgerin. Die Tiere haben dank der Öko-Richtlinien zwei- bis dreimal so viel Platz wie in konventioneller Haltung.

Der Bayerische Tierschutzpreis

  • Auszeichnung:

    Das bayerische Umweltministerium verleiht die Bayerischen Tierschutzpreise. Der Preis, der mit insgesamt 12 000 Euro dotiert ist, ging an drei Bewerber.

  • Jury:

    Die Nominierten werden von einer Jury aus Vertretern von Tierschutzorganisationen, Tierärzten und Landwirten ausgewählt.

  • Bedeutung:

    Umweltministerin Ulrike Scharf bezeichnete den Tierschutzpreis als wichtige Ehrung: „Er steht für die Liebe zum Tier und für den Respekt vor der Schöpfung“.

  • Preisträger:

    Neben Eveline Heigl wurden Jan-Erik Ahlborn und Bettina Thauer (Unterallgäu), sowie Erika und Peter Dörfler (Bayreuth) ausgezeichnet.

Auf ihrem Hof züchtet das Ehepaar ausschließlich Schweizer Edelschweine. Eine Gattung, die „besonders mütterlich und vertrauensvoll“ ist. So müssen die Betreiber des Hofs nicht befürchten, beim Gang in die Ställe aggressiv empfangen zu werden. Außerdem sei die Fleischqualität besonders gut. Die Ferkel werden bei Partnerbetrieben gemästet und außerhalb der Oberpfalz über die Hermannsdorfer Landwerkstätten und die Altdorfer Biofleisch GmbH in Landshut geschlachtet.

Bodenheizung und Luxus-Bürsten

Neben dem Stroh auf dem Boden sorgt in einem Stall ein Detail für besonderen Luxus: Die Ferkel genießen hier eine Fußbodenheizung. „Nach der Geburt benötigen die kleinsten Schweine äußerst hohe Temperaturen. Die stellen wir im Ferkelnest unter anderem durch die Fußbodenheizung sicher“, erklärt Heigl.

Evi Heigl mit Umweltministerin Ulrike Scharf (links) Foto: Umweltministerium
Evi Heigl mit Umweltministerin Ulrike Scharf (links) Foto: Umweltministerium

Und wenn es die Tiere irgendwo kratzt, steht für die Schweine ein weiterer Helfer zur Verfügung: die automatische Bürstenmaschine. „Da stehen die Schweine oft Schlange. Von der Nasenspitze bis zum Schwanz wird alles gründlich gesäubert“, bemerkt Heigl.

„Durch die freien Bewegungsmöglichkeiten stellt sich eine intensive Mutter-Kind-Beziehung ein.“

Eveline Heigl, Landwirtin

Doch nach der Geburt steht zuerst die mütterliche Pflege im Fokus. Jede Muttersau kann sich in den ersten Wochen voll um ihre eigenen Ferkel kümmern. Das Tier wirft zehn bis 14 Ferkel, die sich auf etwa genauso viele Zitzen verteilen können. „Durch die freien Bewegungsmöglichkeiten stellt sich eine intensive Mutter-Kind-Beziehung ein. Trotzdem bleibt die Sau Menschen gegenüber friedlich.“ Das sei ein weiterer Vorteil der Schweizer Edelsau. Zweimal im Jahr bekommt eine Muttersau im Schnitt Nachwuchs und versorgt diesen stündlich mit Milch.

Und wenn die Schweine, ob groß oder klein, darüber hinaus noch Pflege brauchen, zögert Eveline Heigl nicht lange und steigt selbst in den Stall zu ihren Tieren. Denn auch die Zuneigung der Landwirte ist ein wichtiger Faktor ihrer Philosophie.

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