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Brauchtum

Wie man eine Festmutter überzeugt

Baumstammsägen, Holzscheitelknien, Weißbier auf ex, Zielspritzen und die Bayernhymne – danach willigte Jutta Wagner ein.
Von Martina Neu, MZ

Zielspritzen mit verborgenen Augen war eine der Aufgaben, die bewältigt werden mussten. Foto: Neu
Zielspritzen mit verborgenen Augen war eine der Aufgaben, die bewältigt werden mussten. Foto: Neu

Kallmünz.„Ich soll Festmutter werden“, Jutta Wagner war ganz überrascht, als sie im Herbst 2016 zu diesem außergewöhnlichen Ehrenamt anlässlich der 150-Jahr-Feier der Feuerwehr Kallmünz ins Gespräch kam. „Ja, Du hast das Zeug dazu“, stellte ihre Vorgängerin Edeltraud Kaiser fest, die das Amt bei der 125-Jahr-Feier im Jahr 1993 innehatte.

Damals war Jutta Wagner eine der Festdamen und konnte sich daher jetzt so ungefähr vorstellen, was auf sie zukommen würde. Damals ist sie durch ihre Freundin Birgit zu den Festdamen gekommen und möchte die Zeit mit den anderen Mädels nicht missen. „Auch unsere Festmutter Edeltraud Kaiser war immer für uns da. Bei uns hat einfach die Chemie gestimmt“, erzählt sie.

Der Familienrat tagte

Was anfangs nur als Spaß angedacht war, entwickelte sich nun allmählich doch zu einem ernsten Thema. Und als die Feuerwehr im Advent letzten Jahres vor der Tür stand und inoffiziell um die Übernahme des Ehrenamtes als Festmutter bat, wurde zuerst der Wagnersche Familienrat einberufen. Schließlich ist nicht nur Jutta Wagner betroffen, sondern auch ihr Mann Robert und die zehnjährigen Zwillinge Niklas und Philipp. Was sie als Festmutter erwartet, darüber musste sie sich selbst im Klaren werden. Habe ich dann die Verantwortung für meine minderjährigen Festdamen? Was muss ich alles beachten? Ein informatives Gespräch mit dem Landratsamt, den Festdamen und deren Eltern brachte Klarheit, und dann entschied sie sich als Festmutter parat zu stehen.

Festmutterbitten in Kallmünz

Jutta Wagner möchte genau wie ihre Vorgängerin ein ungezwungenes Verhältnis zu ihren 15 Festdamen haben. Mittlerweile haben sie schon viel gemacht, so wurde gemeinsam gefrühstückt, um sich untereinander besser kennenzulernen. Es galt auch die verschiedenen Charaktere der Festdamen unter einen Hut zu bringen. Das Ergebnis ist: sie sind zu einer festen Einheit zusammengewachsen und Jutta Wagner ist stolz auf ihre Mädels.

Und dass diese auch stolz auf ihre Festmutter sind, merkte man beim Festmutterbitten. Jede der Festdamen überreichte Jutta Wagner eine weiße Rose mit einer ganz persönlichen Widmung. Da wurde verstohlen die ein oder andere Träne verdrückt, als sich am Ende alle in den Armen lagen und die fesche Festmutter versprach alle Wünsche in einer ruhigen Stunde genau zu lesen.

Bevor Jutta Wagner allerdings der Feuerwehr ihr offizielles Ja für das Amt der Festmutter gab, mussten die Herren einige knifflige Aufgaben bewältigen. Nachdem die uniformierten Feuerwehrmänner bei gut 30 Grad den Berg zum Wagnerschen Anwesen erklommen hatten, durften sie einen Baumstamm durchsägen. Allerdings, waren die bereitgestellten Sägen nicht die Besten. Die gehörten eigentlich ins Museum, denn schneiden konnte man mit denen sehr wenig, stellten die Feuerwehrler fest.

Alle Aufgaben bewältigt

Vorsitzender Peter Weiß, Festleiter Dieter Koller, Kommandant Ulrich Hirschmann und sein Stellvertreter Markus Burkhardt konnten sich auch noch so bemühen, der Baumstamm war sehr hartnäckig. Es wurden sogar noch als Verstärkung die beiden weiteren Festleiter Albert Wolf und Stefan Scheibinger hinzugezogen, aber auch diese waren ratlos. Dann schlich Peter Weiß unbemerkt zum Feuerwehrfahrzeug und kam triumphierend mit der Bügelsäge zurück und im Nu war der Baumstamm besiegt.

Der erste Schritt zur Festmutter war nun frei, allerdings folgte jetzt das Holzscheitelknien und die nächste Spezialaufgabe: ein Weißbier in einem Zug zu leeren. Bei einem gescheiten Durst kein Problem, meinte einer der Zuschauer, allerdings hatte er nicht mit der Festmutter gerechnet. Sie hatte ein, sagen wir mal, Spezial-Tablett mit vier Löchern anfertigen lassen, in denen nun die gefüllten Gläser standen. Das Tablett wurde den Herren gereicht und dann hieß es: Prost. Allerdings durften die Hände nicht zu Hilfe genommen werden. Die Zuschauer hatten ihren Spaß und applaudierten.

Dankgebet an den Pfarrer

Bei der nächsten Prüfung schickte Peter Weiß ein Dankgebet an Pfarrer Andreas Giehrl. Es sollte die Bayernhymne gesungen werden und der Geistliche schließt jeden festlichen Gottesdienst mit dem Singen der Bayernhymne, so waren die Bittsteller ganz textsicher. Das blinde Löschen einer brennenden Kerze mittels Wasserspritzpistole schloss die Prüfungen ab und Jutta Wagner übernahm zur sichtlichen Erleichterung der Knieenden das Ehrenamt.

Gemeinsam zogen die Feuerwehrkameraden mit ihrer schmucken Festmutter, den 15 Festdamen und elf Festmädchen, sowie Bürgermeister Ulrich Brey zurück zum Feuerwehrhaus, wo die neue Festmutter gebührend gefeiert wurde.

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