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Kirche

Glanzstück aus vielen Einzelteilen

Die Renovierung der barocken Köferinger Kanzel ist fast abgeschlossen. Der Förderverein stellte die Holzarbeit von 1720 vor.

  • Engagierte sich schon früh für die Sanierung des Ensembles: Monsignore Erich Meier beim Tag des offenen Denkmals. Foto: Herbert Winkler
  • Fleißige Helfer: Die Kanzel musste zunächst gründlich gereinigt werden. Foto: Herbert Winkler
  • Insgesamt rund 120 Besucher informierten sich am Tag des offenen Denkmals über die Köferinger Barockkanzel. Foto: Presse Sollfrank

Köfering.Der Köferinger Roman Illing hat sich eine Herkulesaufgabe aufgetan. Bei 1050 Arbeitsstunden hat er aufgehört zu zählen. Gemeinsam mit dem ehemaligen Kirchenpfleger Gerhard Schumack und dem Gemeinderat Winfried Schoppelrey hat er sich zum Ziel gesetzt, die barocke Kirchenkanzel der Köferinger Schlosskirche, die jahrzehntelang in einem Archiv schlummerte, zu restaurieren und wieder an ihren angestammten Platz zu bringen. Am Sonntag konnten nun Interessierte den aktuellen Werkzustand der Kanzel im Rahmen des Tags des offenen Denkmals in der aktuellen Lagerstätte besichtigen.

Der Andrang der Gäste aus dem Ort war schon morgens um zehn Uhr groß. Insgesamt rund 120 Besucher konnte die Kanzel bis zum Abend verbuchen, teilweise kamen sie vom anderen Ende des Landkreises. Die Besucher mussten zusammenrücken, um gleich neben der liegend aufgebauten Kanzel dem Multimedia-Vortrag von Roman Illing zu lauschen.

Eine aufwendige Holzarbeit

Die Geschichte der Kanzel ist mehr als spannend. „1720 in aufwendiger Holzarbeit von einem Künstler hergestellt, wurde die Kanzel als Ensemble zusammen mit den barocken Altären in den 1960er Jahren im Zuge einer Stilerneuerung aus der Kirche entfernt“, erzählt Dr. Hermann Reidel, bis zu seiner Pensionierung im August Leiter der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg.

Das große Glück schon damals: Statt wie viele andere „alte“ Kirchenausstattungen wurde das Köferinger Ensemble nicht verheizt, sondern vom damaligen Grafen Lerchenfeld eingelagert. 1979 eröffnete das Depot des Diözesanmuseums in Regensburg und übernahm die Teile. In den nächsten Jahrzehnten trieb vor allem der damalige Pfarrer Monsignore Erich Meier auch auf Drängen der Bevölkerung die Rückkehr und Renovierung der barocken Elemente nach und nach voran.

Schon damals als jugendlicher Helfer mit dabei war der heutige Kunstschnitzer und Kanzelvereins-Mitgründer Roman Illing. „Über den Wiederaufbau der Kanzel gab und gibt es einen gültigen Beschluss der Kirchenverwaltung“, erinnert sich Gerhard Schumack. Allein, als es 2013 daran ging, dieses letzte barocke Originalteil aus seinem Dornröschenschlaf zu holen, stellte die Kirchenverwaltung klar: Wir haben kein Budget dafür. Als Schirmherr und Förderer engagiert sich deshalb der heutige Graf Lerchenfeld, dessen Vater die barocke Ausstattung damals rettete.

Renovierung auf eigene Kosten

„Die Kanzel ist nicht nur ein nachgewiesenermaßen wertvolles Denkmal, sondern gehört unbedingt zum Gesamtensemble dazu“, bekräftigt Winfried Schoppelrey. Mit Schumack, Illing und weiteren Engagierten gründete er deshalb den Kanzelförderverein St. Michael Köfering und holte die zahllosen Einzelteile aus dem Depot. Ziel war, die Kanzel auf eigene Kosten zu restaurieren und einzubauen. Inzwischen hat der Förderverein mehr als 50 Mitglieder, darunter Dr. Reidel. Würde Kunstschnitzer Illing nicht komplett unentgeltlich arbeiten, wäre die Rückführung der Kanzel durch den Verein nicht zu finanzieren.

Am Tag des offenen Denkmals blickten die Organisatoren auf all die Hindernisse zurück, die sie schon überwinden mussten. Nicht jeder im Ort hatte zunächst Verständnis dafür, dass die alte Kanzel wieder in die Kirche zurück sollte. Die Auflagen der Kirchenverwaltung und des Denkmalschutzes waren zudem nicht ohne. „Wir mussten“, erzählt Illing, „für die Architektin des Bischöflichen Ordinariats eine Attrappe in Originalgröße in die Kirche bringen, fotografieren und innerhalb einer Stunde wieder abbauen, weil die nächste Messe anstand.“

Für Anträge bei der Denkmalschutzbehörde wurde mit einer Drohne in der Kirche gefilmt. Vom Originalzustand der Kanzel, die sich bei der Abholung aus dem Depot als wahres Puzzle aus Einzelteilen erwies, gab es nur ein sehr altes Schwarz-Weiß-Bild in der Größe eines Ein-Cent-Stücks. Marode Teilbereiche durften nicht einfach durch neues Holz ersetzt werden, sondern mussten aufwendig gefestigt und erhalten werden.

Ministrant spendet Taschengeld

Am Sonntag konnten sich die Köferinger an einer optisch schon fast fertigen Kanzel erfreuen. Nicht nur ältere Köferinger, die die Kirche noch im Originalzustand mit Kanzel kannten, erwiesen sich als Kanzelfans. Der Jugendliche Martin Niedermeier ministriert in der Kirche und kann es gar nicht erwarten, dass die alte Kanzel endlich eingebaut wird. „Das ist doch total cool“, schwärmt er und lässt als Spende gleich sein Taschengeld da.

Und Spenden braucht der Kanzelverein gerade jetzt mehr denn je. Für Einbau und Vergoldung der Kanzel muss auf Profis zurückgegriffen werden und die kosten noch einiges. Nächstes Jahr um die Zeit soll das Werk vollbracht sein. „Wir haben deshalb die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft für ein Jahr eingeführt“, erklärt Winfried Schoppelrey. Einmalige Spenden sind natürlich ebenso willkommen.

Wenn die Kanzel endlich wieder an ihren Platz zurückgebracht wurde, fehlt eigentlich nur noch ein Teil. Winfried Schoppelrey erinnert sich an eine alte Kommunionbank. Die allerdings steht heute als Kellerbar in einem Köferinger Privathaushalt.

Förderverein sammelt Spenden

  • Der Verein

    Der Kanzelförderverein St. Michael Köfering wurde 2014 gegründet. Vorsitzender ist Winfried Schoppelrey. Seither ist die Anzahl der Mitglieder auf über 50 angewachsen, darunter auch Graf Philipp von und zu Lerchenfeld, Köferings erster Bürgermeister Armin Dirschl sowie Ehrenbürger und ehemaliger Pfarrer Monsignore Erich Maier.

  • Spendenkonten

    „Verwendungszweck Kanzelförderverein St. Michael Köfering“ bei der Sparkasse Regensburg, IBAN: DE 94 7505 0000 0266 85628 und BIC: BYLADEM1RBG oder bei der Raiffeisenbank Oberpfalz Süd eG, IBAN: DE 44 7506 2026 0007 41602, BIC: GNODEF1DST

  • Weitere Infos und Kontakt

    E-Mail an: winfried.schoppelrey@web.de oder r.illingfreenet@freenet.de

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