MyMz
Anzeige

Denkmal

Köferinger Kirche: Kanzel kehrt zurück

Das barocke Schmuckstück wird im Herbst 2019 wieder eingebaut. Spenden für die Restaurierung sind immer noch nötig.
Von Josef Eder

Die Initiatoren freuen sich über die wiederhergestellte Kanzel.  Foto: Josef Eder
Die Initiatoren freuen sich über die wiederhergestellte Kanzel. Foto: Josef Eder

Köfering.Im Herbst 2019 soll die 300 Jahre alte barocke Kanzel in die katholische Pfarrkirche St. Michael wieder eingebaut werden. Damit nimmt die Odyssee der Kanzel ein glückliches Ende.

In der Zeit des II. Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962 – 8. Dezember 1965) wurde die im Rahmen der Liturgiereform ausgebaut. Graf Ludwig von und zu Lerchenfeld hatte das barocke Prunkstück aber gesichert und lagerte es auf dem Gelände des Wasserschlosses ein, an dem das Gotteshaus anschließt. Jetzt wurde die Kanzel auf Initiative des Köferinger Kanzelbaufördervereins in etwa 1800 Arbeitsstunden von Fachleuten aufwendig, detailreich und ehrenamtlich restauriert.

Am 26. März 2018 kam die Kanzel wieder ins Schloss. Seit dem Ausbau der zwischen 1963 und 1965 stattfand, wurde sie an acht verschiedenen Orten gelagert. Jetzt liegen die Einzelteile wieder im Schloss. Dort erhält die Kanzel dort den Feinschliff.

Ein Verein trieb die Sache voran

Der Lagerort diente bis vor einhundert Jahren als Brauerei und später war er eine Schlosserei. Der Hauptgrund für die letzte Umlagerung vom Gruberstadl ins Schloss waren klimatische Gründe, so Gemeinderat Winfried Schoppelrey, der auch Vorsitzender des Kanzelfördervereins ist.

Der Köferinger Roman Illing hat sich eine Herkulesaufgabe angetan. Gemeinsam mit dem ehemaligen Kirchenpfleger Gerhard Schumack und Schoppelrey hat er sich mit dem Kanzelbauförderverein zum Ziel gesetzt, die barocke Kanzel der Köferinger Kirche zu restaurieren und wieder an ihren angestammten Platz zu bringen.

Mehr Bilder sehen Sie hier:

Die Kanzel kehrt in die Köferinger Kirche zurück

Die Kanzel, von der die Pfarrherrn das Wort Gottes und die Hirtenbriefe der Kirchenoberen verkündeten, ist aus sechs verschiedenen Hölzern gefertigt. Es wurde mit dreierlei Gold matt und glänzend vergoldet. Entfernt werden muss noch eine Goldbronzemasse. Auf dem Holz der Verkündigungskanzel sind seit dem Jahre 1720, ihrem vermutlichen Entstehungsjahr, bis zu neun Farbschichten bis zum Blattgold aufgetragen worden. Die letzte Schicht datiert aus dem Jahre 1930 (Kirchenerweiterung).

Die Geschichte der Kanzel ist mehr als spannend. „1720 in aufwendiger Holzarbeit von einem Künstler hergestellt, wurde die Kanzel als Ensemble zusammen mit den barocken Altären in den 1960er Jahren im Zuge einer Stilerneuerung aus der Kirche entfernt“, erzählt Dr. Hermann Reidel, bis zu seiner Pensionierung im August Leiter der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg.

Der Verein

  • Gründung:

    Der Kanzelförderverein St. Michael Köfering wurde 2014 gegründet. Vorsitzender ist Winfried Schoppelrey.

  • Kosten:

    Die Kosten der Wiederherstellung der Kanzel betragen rund 150 000 Euro. Spenden sind weiterhin dringend nötig.

  • Spendenkonto:

    „Verwendungszweck Kanzelförderverein St. Michael Köfering“. Raiffeisenbank Oberpfalz Süd eG: IBAN: DE 44 7506 2026 0007 416024; BIC: GNODEF1DST

Statt wie viele andere „alte“ Kirchenausstattungen wurde das Köferinger Ensemble nicht verheizt, sondern vom damaligen Grafen Lerchenfeld eingelagert. 1979 eröffnete das Depot des Diözesanmuseums in Regensburg und übernahm die Teile. In den nächsten Jahrzehnten trieb vor allem der damalige Pfarrer Monsignore Erich Meier auch auf Drängen der Bevölkerung die Rückkehr und Renovierung der barocken Elemente nach und nach voran.

Eine Zirbe nachgeschnitzt

Schon damals als jugendlicher Helfer mit dabei war der heutige Kunstschnitzer und Kanzelvereins-Mitgründer Roman Illing. Er hat filigrane Akanthusranken nachgeschnitzt oder nur kleine Teile ausgebessert. Was erhalten werden konnte, und das ist sehr viel, wurde erhalten. Unter der Kanzel ist eine Zirbe nachgeschnitzt. Für alle, die bei der Restaurierung mitarbeiten, war vieles eine Puzzlearbeit. Es gab als Vorlage nur ein sehr altes Schwarz-Weiß-Bild in der Größe eines Ein-Cent-Stücks.

„Die Kanzel ist nicht nur ein nachgewiesenermaßen wertvolles Denkmal, sondern gehört unbedingt zum Gesamtensemble dazu“, bekräftigt Schoppelrey. Über den Wiederaufbau der Kanzel gab und gibt es einen Beschluss der Kirchenverwaltung. Allein, als es 2013 daran ging, dieses letzte barocke Originalteil aus seinem Dornröschenschlaf zu holen, gab es dafür kein Geld. Als Schirmherr und Förderer engagiert sich vor allem das gräfliche Haus, dem heute Graf Christoph nach dem Tod von MdB Philip von Lerchenfeld, vorsteht.

Zusammen mit Schumack, Illing und weiteren Engagierten gründete er deshalb den Kanzelförderverein St. Michael Köfering. Würde Kunstschnitzer Illing nicht komplett unentgeltlich arbeiten wäre der Wiederaufbau vermutlich an der Finanzierung gescheitert. Zwischenzeitlich hat der Verein, dessen Kasse zweiter Bürgermeister Manuel Hagen verwaltet 51 Mitglieder.

Die Kosten der Kanzelwiedereinbringung werden auf rund 150 000 Euro geschätzt. Spenden braucht der Kanzelverein immer noch. Für Einbau und Vergoldung der Kanzel muss auf Profis zurückgegriffen werden – und die kosten noch einiges.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht