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Streit

Radler beleidigte Mann als Arschloch

Ein 45-Jähriger geriet mit einem Verkehrsüberwacher, einem Autofahrer und Polizisten aneinander. Jetzt stand er vor Gericht.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (l.) mit seinem Verteidiger Josef KonradFoto: Boeselager
Der Angeklagte (l.) mit seinem Verteidiger Josef KonradFoto: Boeselager

Regensburg.Ein 45-jähriger Mann aus dem Landkreis Regensburg soll einen städtischen Verkehrsüberwacher, der bei Hagelstadt in seinem Wagen saß und Geschwindigkeitsmessungen vornahm, beleidigt und verletzt haben: Der getrennt lebende Akademiker, der mit dem Fahrrad unterwegs war, beleidigte den Mann vom Amt laut Staatsanwaltschaft mit den Worten: „Haben Sie nichts Gescheites gelernt? Ich würde mich schämen, wenn ich diese Arbeit machen müsste. Sie sind ein Arschloch.“ Als der Beleidigte zum Handy griff, soll der Radler die leicht geöffnete Autotür zugestoßen und das aus dem Wagen ragende Bein des Verkehrsüberwachers schmerzhaft zwischen Tür und Rahmen eingeklemmt haben.

Zudem warf die Anklage dem 45-Jährigen eine zweite Beleidigung und falsche Verdächtigung von Polizeibeamten in drei Fällen vor: Im Januar 2016 soll der Radfahrer einem Mercedesfahrer, der ihn in Köfering überholt hatte, den Vogel gezeigt haben. Der Autofahrer hielt an und stieg aus, um den Radler zur Rede zu stellen. Der soll aber seine Personalien nicht herausgerückt haben. Danach riefen beide Männer die Polizei.

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Da soll der Radler gegenüber der Polizei erklärt haben, der Mercedesfahrer hätte ihn mit zu geringem Abstand überholt, ihn dann geschnitten, und schließlich vorsätzlich die Fahrertür geöffnet. Er sei deshalb mit Tempo 30 gegen das Hindernis geprallt, so der Radler. Dabei habe er sich die bereits vorgeschädigte Schulter verletzt. Die Männer zeigten sich gegenseitig an.

Der Mercedesfahrer beteuerte, es habe keine Kollision gegeben. Gegen ihn wurde nicht weiter ermittelt. Darauf reagierte der Angeklagte mit einer Anzeige und einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen zwei mit dem Vorfall befasste Polizeibeamte – unter anderem wegen „möglicher Vorteilsnahme“ und „Strafvereitelung im Amt“. Doch die Verfahren gegen die Beamten wurden wegen erwiesener Unschuld eingestellt. Stattdessen musste der streitbare Radfahrer vor den Kadi. Der Mercedesfahrer sagte vor Gericht erneut, es sei zu keiner Berührung mit dem Radler gekommen. Er habe ihn korrekt überholt. Die Polizisten untersuchten Mercedes und Rad vor Ort. Sie konnten keine Beschädigung oder Schmutzabrieb am Wagen oder der hellen Tür-Innenverkleidung finden.

Regelmäßig berichten die Reporter der Mittelbayerischen von Prozessen am Amts- und Landgericht Regensburg. Alle Gerichtsberichte finden Sie hier!

Vor Gericht wiederholte der 45-Jährige bruchstückhaft seine Version der Vorfälle. Den „dummen Spruch“ zum Verkehrsüberwacher räumte er ein. Doch habe er die Autotür nicht mutwillig geschlossen. Vielmehr sei er wegen einer Beinverletzung in dem Moment gestürzt und habe sich an der Tür festhalten wollen. Zum Vorfall in Köfering blieb er bei seinen Vorwürfen.

„Schroffe Haltung“ und Verbitterung

Da sich der Mann von der Verkehrsüberwachung nur noch schwach an die Sache vor über drei Jahren erinnerte und kein Strafverfolgungsinteresse hatte, stellte Richterin Weber diesen Punkt ein.

Der psychiatrische Gutachter bescheinigte dem Angeklagten, er habe keine psychiatrische Erkrankung. Seine „schroffe, querulatorische Haltung“ und sein Misstrauen gegenüber Behörden und vor allem Juristen beruhe aber wohl auf einer gewissen Verbitterung nach negativen Erfahrungen.

Die Staatsanwaltschaft sah die verbliebenen Vorwürfe als erwiesen an und beantragte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 25 Euro für den derzeit krankgeschriebenen Angeklagten. Verteidiger Josef Konrad plädierte auf Freispruch, hilfsweise auf „deutlich unter 90 Tagessätze zu 15 Euro.“

Richterin Weber verurteilte den bisher straffreien Radler zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 15 Euro, womit er weiter nicht vorbestraft ist. Sie habe „keinen Zweifel, dass der Vorfall in Köfering sich so ereignete, wie vom Zeugen berichtet.“ Die Verletzung des Angeklagten sei damit nicht in Einklang zu bringen. „Seine Angaben werden durch nichts gestützt. Bei einer Kollision mit 30 Stundenkilometern hätte man Spuren am Auto finden müssen. Der Vorfall war kein Unfall.“ Die Polizeibeamten hätten sich „einwandfrei verhalten.“

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Juristischer Laie

  • Pro:

    Zugunsten des nicht vorbestraften Angeklagten wertete das Gericht, dass die Vorfälle schon mehrere Jahre her sind, er damals verärgert war und bei früheren Verfahren schlechte Erfahrungen machte.

  • Contra:

    Er sei juristischer Laie. „Es musste ihm aber bewusst sein, das solche Schreiben an Polizeipräsidium und Generalstaatsanwaltschaft zu Konsequenzen führen.“

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