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Darsteller

Ganz viel Lust auf Theater in Laaber

Die Liebe zur Schauspielerei verbindet die Menschen des „Laabertheaters“. Ihr Hobby ist dabei auch ein Stück Selbstfindung.
Von Peter Pavlas

Im Bühnennebel geht es mit Doktor Faust zu Ende. Sein Sohn Jonathan wird ihn durch die Falltür in die Hölle ziehen. Fotos: Peter Pavlas
Im Bühnennebel geht es mit Doktor Faust zu Ende. Sein Sohn Jonathan wird ihn durch die Falltür in die Hölle ziehen. Fotos: Peter Pavlas

Laaber.„Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben. Bewahrt sie!“, so ermahnte Friedrich Schiller vor 230 Jahren die Schauspieler. Nicht nur in Großstädten stehen Menschen auf der Bühne, die ihrem Publikum etwas mitteilen, oder die es unterhalten wollen. Neben den Profis, die für ihren Beruf „brennen“, teilen auch Mitglieder von Laientheatern dieselben Ziele. In der Mittelbayerischen berichten drei Darsteller und der Regisseur des „Laabertheaters“ von Produktionsbedingungen im Amateurbereich.


              
              Paul Reinwald: „Jetzt, im Ruhestand, bin ich zur Zeit Regisseur. Ich freue mich einfach, wenn ich hier zusammen mit meinen Mitspielern gehaltvolle Stücke auf die Bühne bringen kann.“  Fotos: Peter Pavlas
Paul Reinwald: „Jetzt, im Ruhestand, bin ich zur Zeit Regisseur. Ich freue mich einfach, wenn ich hier zusammen mit meinen Mitspielern gehaltvolle Stücke auf die Bühne bringen kann.“ Fotos: Peter Pavlas

Seit Mitte 2011 gibt es die Truppe um den Spielleiter Paul Reinwald. Anfänglich gehörten auch Rolf Muszeika und Gitta Schürck mit zum Team. „Scapins Streiche“ von Molière, ein Stück von Agatha Christie und „Hubert, das Gespenst von Canterville“ frei nach Oscar Wilde lockten die Zuschauer an. „Der kleine Prinz“, der Krimi-Klassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“, „Laaber miez Valentin“, „Biedermann und die Brandstifter“ und zuletzt „Da Faust vo Laaber“ folgten.

Ohne erhobenen Zeigefinger

Die Darsteller und der Regisseur legen nach eigener Aussage wert darauf, dass die Stücke einen künstlerischen Anspruch besitzen und mit dem Leben der Menschen zu tun haben sollen – „aber ohne erhobenen Zeigefinger“. Ein Thema jenseits oberflächlicher Gaudi müsse erkennbar sein, aber „die Leute müssen auch etwas zu lachen haben“, umreißt Sabine Gibis die Leitlinien der Inszenierungen.

Beim „Biedermann“ sei das Publikum aufgefordert, seine eigenen Lehren aus dem Stück zu ziehen. Und wer sich wie der Doktor Faust mit dem Teufel einlässt, brauche sich über die unausweichliche Katastrophe nicht zu wundern. Über ein von Beginn an positives Echo der Zuschauer freut sich Reinwald: „Form und Inhalt unserer Stücke kommen gut an.“


              
              Lisa Dutscho: „Ich wollte mich eigentlich selbst erproben. Anfangs übernahm ich kleine Rollen, habe dann aber Blut geleckt. Zuletzt spielte ich den Mephistopheles im ‚Faust vo Laaber‘.“  Fotos: Peter Pavlas
Lisa Dutscho: „Ich wollte mich eigentlich selbst erproben. Anfangs übernahm ich kleine Rollen, habe dann aber Blut geleckt. Zuletzt spielte ich den Mephistopheles im ‚Faust vo Laaber‘.“ Fotos: Peter Pavlas

Was bringt denn Menschen dazu, sich auf die Bretter zu stellen, die manchmal die Welt bedeuten? Lisa Dutscho (alias Mephisto) unternahm ihre ersten Gehversuche darauf als Jugendliche in einer stummen Rolle, als ihre jüngere Schwester auftrat. Sabine Gibis und sie sammelten Erfahrung in Bibliodrama-Aufführungen im kirchlichen Kontext. Schon im jungen Alter gab es zudem lustige Auftritte, etwa wenn auf einem freiem Feld zwischen Endorf und dem Kronbügl geprobt wurde. Ein dreibeiniger Kater war damals der einzige Zuschauer – der habe aber schon nach dem ersten Akt das Weite gesucht.

Andreas Beck, der den Faust spielte, führte seine Lust am Verkleiden – beispielsweise als „Mr. Spock“ – und seine Bühnenerfahrung als Rezitator zur Truppe. Spielleiter und Germanist Reinwald fand das Schulspiel an seiner damaligen Lehranstalt einfach nur schrecklich und beschloss, es später als Deutschlehrer am Siemens-Gymnasium besser zu machen. Nach seinen positiven Erfahrungen mit Kindern sei er ins Erwachsenenfach gewechselt.

Mit denen ist die Arbeit Reinwald zufolge aber wahrlich auch kein Zuckerschlecken: „Das ist eine äußerst schwierige Truppe, keiner lässt sich was sagen, alle wollen immer wissen warum – und oft ist das Ergebnis dann sogar besser als vorher gedacht“, beschreibt der Graubärtige mit einem Schmunzeln das Vorgehen beim gemeinsamen Erarbeiten eines Stückes. Vieles geschehe dabei in Teamwork: Die Arbeit in der Maske, Auf- und Abbau – das fordert den Einsatz aller Kräfte. Es gibt aber auch eine Belohnung jenseits des Applauses: „Theaterspielen ist ein Stück Selbstfindung“, bilanziert der Regisseur.


              
              Andreas Beck: „Ich bin Arbeitsgebietsleiter bei der Bahn. Wofür ich vorher keine Zeit hatte, kann ich jetzt auf der Bühne ausleben. Ich schätze es, mit anderen zusammen zu agieren.“  Fotos: Peter Pavlas
Andreas Beck: „Ich bin Arbeitsgebietsleiter bei der Bahn. Wofür ich vorher keine Zeit hatte, kann ich jetzt auf der Bühne ausleben. Ich schätze es, mit anderen zusammen zu agieren.“ Fotos: Peter Pavlas

Nachwuchstalente sind dabei

Es ist auch kein Unglück, wenn auf der Bühne mal nicht alles wie am Schnürchen klappt. Improvisieren zu müssen, wenn mal der Partner das Stichwort nicht gibt, sei manchmal sogar ein Adrenalinstoß, der die Akteure befeuere, erinnert sich Andreas Beck. Er empfand es andererseits als besonderen Glücksfall, mit seinem Sohn Jonathan auf der Bühne einen Dialog über den Wahnsinn von Kriegen zu interpretieren.

Nachwuchsakteure werden ohnehin oft in der eigenen Familie, im Bekanntenkreis oder in der Schule rekrutiert. Reinwald ist glücklich über deren tolles Engagement. Die Jungen wollen aber auch gefordert werden und bestehen „auf bedeutendere Rollen im nächsten Stück“.


              
              Sabine Gibis: „Eigentlich hatte mich ein Clowns-Workshop interessiert, an dem ich aber letztlich nicht teilnahm. Auf der Bühne kann ich meine Träume und mich selbst in Rollen verwirklichen.“  Fotos: Peter Pavlas
Sabine Gibis: „Eigentlich hatte mich ein Clowns-Workshop interessiert, an dem ich aber letztlich nicht teilnahm. Auf der Bühne kann ich meine Träume und mich selbst in Rollen verwirklichen.“ Fotos: Peter Pavlas

Und wo hapert’s im „Laabertheater“ noch? Bei aller Dankbarkeit für das Entgegenkommen der Schule, wie die Akteure betonen, träume man von einem noch stimmungsvolleren und behindertengerechten Rahmen für die Auftritte. Weit wichtiger noch wäre aber ein Probenraum, der der Truppe über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stünde. Auch Spenden an den Theaterverein sind natürlich jederzeit willkommen.

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