MyMz
Anzeige

Festival

Kulturtage in Laaber begeisterten

Objekte aus zwei Nationen waren in Laaber an außergewöhnlichen Orten zu sehen. Die Schau war heuer größer denn je.
Von Peter Pavlas

Kerzen und Kronen dominieren das Bild im kühlen Keller. Fotos: Peter pavlas
Kerzen und Kronen dominieren das Bild im kühlen Keller. Fotos: Peter pavlas

Laaber.Als ob die gute Fee ihren Zauberstab gehoben hätte -– Kälte und Regen machten plötzlich der Sonne und der Wärme Platz. Die dritten bayerisch-böhmischen Kulturtage begannen, begleitet von Blas- und Gitarrenmusik, unter guten Vorzeichen in der Grundschule und im Festzelt auf der Mühlwiese. „Märchenhaft“ hieß diesmal das Motto.

Alzbeta Müller hat ihre Tochter großformatig porträtiert. Aus der Entfernung wirkt das Werk unmittelbar zugänglich, bei Betrachtung aus der Nähe eher abstrakt. Neben „Pan-Tau“-Installationen zierte es eine leerstehende Wohnung.
Alzbeta Müller hat ihre Tochter großformatig porträtiert. Aus der Entfernung wirkt das Werk unmittelbar zugänglich, bei Betrachtung aus der Nähe eher abstrakt. Neben „Pan-Tau“-Installationen zierte es eine leerstehende Wohnung.

Mit „dobri den“ – gleich „guten Morgen“ – begann das vierköpfige junge Moderatorenteam die Auftaktveranstaltung in der Aula in Anwesenheit der tschechischen Künstler. „Da schaut ’ne alte Hexe raus – yo!“ Mit gerappten Passagen zeigten dann die Schülerinnen und Schüler, wie gut auch zeitgenössische Darstellungsformen zur althergebrachten Erzählweise passen.

Hochwertiger Austausch

Schulleiterin Vera Winkler-Theiß las den Beginn eines Märchens vom „goldenen Schlüssel und dem Schatzkästlein“ vor. „Der Schatz des Marktes Laaber sind die unkonventionellen Ausstellungsorte in Kellergewölben und Stadeln“, leitete sie über zu den künstlerischen Vorhaben der Künstler von dies- und jenseits der Grenze.

Neun Künstler aus der Tschechischen Republik, vier junge Vertreter des Teams Bananenflanke aus Regensburg und 13 kreative Menschen aus Laaber und Umgebung versammelten sich am Ufer der Laber.
Neun Künstler aus der Tschechischen Republik, vier junge Vertreter des Teams Bananenflanke aus Regensburg und 13 kreative Menschen aus Laaber und Umgebung versammelten sich am Ufer der Laber.

„Ihr seid alle Künstler!“ Hauptorganisator Jürgen Horn rief die jungen Akteure dazu auf, den Blick nicht nur aufs „es war einmal“ zu richten, sondern sich auch in der Zukunft von Fantasie und Kunst verzaubern zu lassen. Später wies Bürgermeister und Schirmherr Hans Schmid auf der Mühlwiese die Gäste auf die „märchenhafte Kulisse“ des Ortes zwischen Burg und Fluss hin. In ihrem Grußwort stellte Landrätin Tanja Schweiger die Veranstaltung in den Zusammenhang mit der landkreisweiten Aktion „Kultur.Wirtschaft“ und pries den „hochwertigen internationalen Künstleraustausch“. Sie freue sich, dass in Laaber die Kulturarbeit in der Mitte des Ortes angekommen sei.

Auch gekrönte Häupter, wie sie die Märchen oft bevölkern, haben ganz alltägliche Bedürfnisse. Sie wechseln dafür einfach ihren Thron. Und der steht hier standesgemäß auf einem Fundament aus weißem Marmor. Gute Lektüre, Eure bronzene Majestät!
Auch gekrönte Häupter, wie sie die Märchen oft bevölkern, haben ganz alltägliche Bedürfnisse. Sie wechseln dafür einfach ihren Thron. Und der steht hier standesgemäß auf einem Fundament aus weißem Marmor. Gute Lektüre, Eure bronzene Majestät!

Die Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer schaute zwischen zwei Terminen in der Tschechischen Republik bei den Kulturtagen in der Marktgemeinde vorbei. „Die persönliche Freundschaft, die sich hier über die Jahre zwischen den Akteuren entwickelt hat, ist wichtiger als die große Politik!“, befand sie. Zudem sei der Freistaat durch seine Mitgliedschaft im deutsch-tschechischen Zukunftsforum an der Finanzierung der Kulturtage beteiligt.

„Die Exponate gefallen uns heuer noch besser als vor zwei Jahren“, urteilte ein Paar. Ihren eigenen Eindruck davon gewannen am Nachmittag knapp 40 Besucher, die sich von Daniela Heckner und der Seniorenbeauftragten Nicole Rappl durch die Ausstellungsräume führen ließen. Deren Anzahl war heuer um einen Erdkeller, eine Wohnung und einen Stadel angewachsen. Die Straßen des Marktes waren belebt von flanierenden Menschen. Fernsehteams mischten sich unter die Neugierigen.

Märchen ironisch aufgefasst

Das Thema „Märchen“ hatten die Aussteller in vielen Varianten und Materialien bearbeitet. „Spieglein, Spieglein...“ fanden sich nicht nur an Wänden. Kronen in allen Größen sah man als Feuerschalen oder aus Rundstahl. Eine Installation aus Schaumwein-Flaschen interpretierte das Thema „Rotkäppchen – bevor der böse Wolf kam“ auf originelle Weise. Ebenso eine Bronzeskulptur, die den allgegenwärtigen „König“ diesmal dort zeigte, was umgangssprachlich eben auch Thron heißt. In der Schmiede zogen Schmuckstücke, Keramik und ein Mammutgemälde Schaulustige an.

Der elfjährige Lorenz Strunz las aus seinem Text „Das Blauseer“. Protagonist ist ein Insekt, das menschliche Gefühle und Fähigkeiten besitzt. Anschließend signierte er seinen Erstling. Rainer Fritsche gestaltete den Umschlag des Werkes.
Der elfjährige Lorenz Strunz las aus seinem Text „Das Blauseer“. Protagonist ist ein Insekt, das menschliche Gefühle und Fähigkeiten besitzt. Anschließend signierte er seinen Erstling. Rainer Fritsche gestaltete den Umschlag des Werkes.

„Ui, is des cool“, machte eine Jugendliche ihre Freundin auf eine Fotografie aufmerksam, die einen menschenleeren Kirchenraum samt darüber belichtetem Augenpaar zeigte.

Im Holzschuppen nebenan erklärte ein Künstler, wie ihm beim Formen einer Figur aus einem Ast eines Apfelbaums unbeabsichtigt ein Oktopus entstanden war. Ein Zopf aus realen Zwiebeln neben dessen malerischer Umsetzung ließ an das eher unbekannte Märchen von einer armen Seele denken, die nicht mal im Fegefeuer Menschlichkeit dazugelernt hatte.

Bis in den Abend plauderten Besucher und Künstler bei Wein, Bier und Becherovka vor den Ausstellungsräumen. Gelöste, sommerliche Stimmung auch in den Köpfen.

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis finden Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht