MyMz
Anzeige

Justiz

Laaber: Lebenslänglich für 32-Jährigen

Er hat aus Eifersucht seine Frau erwürgt. Das Gericht spricht den Iraker wegen versuchten Mordes und Totschlags schuldig.
Von Marion von Boeselager, MZ

Der Angeklagte Jumaah K. geht in das Landgericht Regensburg. Aus Eifersucht hat der 32-Jährige seine Ehefrau erwürgt. Das Urteil: lebenslänglich wegen versuchten Mordes und Totschlags.
Der Angeklagte Jumaah K. geht in das Landgericht Regensburg. Aus Eifersucht hat der 32-Jährige seine Ehefrau erwürgt. Das Urteil: lebenslänglich wegen versuchten Mordes und Totschlags. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.Im Prozess um die Tötung einer jungen Frau und Mutter aus dem Irak hat das Regensburger Schwurgericht am Montag den Ehemann der 26-Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen versuchten heimtückischen Mordes und Totschlags verurteilt. Der 32-jährige Ex-Sportlehrer und Profifußballer hatte seine Frau im November letzten Jahres in einer dezentralen Asylbewerberunterkunft in Laaber aus Eifersucht zu Tode gewürgt, weil sie sich einem anderen Mann zugewandt hatte und Scheidung wollte. Die drei kleinen Kinder des Paares im Alter von drei bis acht Jahren, die zu Beginn der nächtlichen Attacke neben ihrer Mutter schliefen, mussten die Tat zum Teil mit eigenen Augen mit ansehen.

Kinder traumatisiert

Hier ereignete sich die Tat im November vergangenen Jahres.
Hier ereignete sich die Tat im November vergangenen Jahres. Foto: Archiv/wd

Der Vorsitzende Richter Werner Ebner sagte, die Familientragödie sei das „traurige Ende einer von wiederholten Gewalttaten des Angeklagten gegen seine Frau geprägten Ehe“. Opfer sei nicht nur die junge Frau, die erst im Februar 2015 mit vielen Hoffnungen für sich und ihre Kinder nach Deutschland kam. Opfer seien auch ihre drei kleinen Kinder, „die ohne Mutter und Vater wie Vollwaisen mit diesem schlimmen Trauma aufwachsen werden.“

Mit nur 16 Jahren war die junge Irakerin ohne eigenes Mitspracherecht mit dem Angeklagten verheiratet worden, ging Ebner auf die Vorgeschichte der Tat ein. Doch die Ehe stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Der Mann habe die Frau „regelmäßig geschlagen.“ Es sei nicht auszuschließen, dass diese noch in ihrer Heimat eine sexuelle Beziehung zu einem Nachbarn aufgenommen habe. Dieser soll den Angeklagten sogar mit dem Tode bedroht haben. Der Sportlehrer reagierte, indem er sich mit seiner Familie nach Deutschland absetzte, in der Hoffnung, dort – ohne Nebenbuhler – ein neues Leben beginnen und auch seine Fußballkarriere vorantreiben zu können.

Doch auch in der Bundesrepublik gingen die gewaltsamen Übergriffe gegen die Frau weiter. Es gab häufig Streit, da die Mutter – im Gegensatz zu ihrem Mann – die Kinder nach westlichem Vorbild erziehen wollte. Er, voll Argwohn und Eifersucht, telefonierte seiner Frau ständig hinterher, selbst wenn sie nur Einkaufen oder zu Verwandten ging. Sie wollte sich von ihm trennen, zauderte aber noch, da sie nicht gegen den Wunsch ihrer Mutter handeln wollte.

„Er packte die 26-Jährige am Hals, würgte sie und nutzte dabei ihre Arg- und Wehrlosigkeit bewusst aus“

Vorsitzender Richter Werner Ebner

Die Tragödie nahm ihren Lauf, als ihr Mann zufällig einen Anruf auf ihrem Handy entgegen nahm und anhand der Telefonliste und SMS erkannte, dass die alte Affäre offenbar nicht beendet war. Zur Rede gestellt, versprach die Ehefrau ihm „eine bessere Frau“ zu werden. Doch nach einer Würgeattacke ihres Mannes im Oktober begann sie, um ihr Leben zu fürchten. In Todesangst flüchtete sie in den Kindergarten und zeigte den Vater ihrer Kinder an. Ins Frauenhaus wollte sie aber nicht ziehen. Drei Tage vor der Tat war die Ehe offenbar am Ende. Nach einem erbitterten Streit im Beisein einer Sozialbetreuerin forderte die Frau die Trennung. Der Mann wurde vorübergehend in Beratzhausen untergebracht. Doch bei einem zufälligen Treffen steckte ihm sein Sohn, die Mutter telefoniere weiter mit dem Mann im Irak.

Die Frau „hatte keine Chance“

Da schlich sich der 32-Jährige nachts ins Haus seiner Familie und „fasste spätestens jetzt den Entschluss, seine Frau zu töten, sollte sich sein Verdacht bestätigen“, sagte Ebner. Er checkte das Handy der Schlafenden und sah, was er vermutet hatte. „Er packte die 26-Jährige am Hals, würgte sie und nutzte dabei ihre Arg- und Wehrlosigkeit bewusst aus“, betonte der Richter. Dann zerrte er die schreiende Frau an den Haaren und schlug ihr Gesicht mehrfach auf den Boden.

Die durch den Kampf erwachten Kinder schickte er nun aus dem Raum. Dann stellte er seine Frau zur Rede. Sie bestätigte die Beziehung und ihre Scheidungsabsicht und „hoffte vielleicht, mit dem Leben davon zu kommen“, so Ebner. „Doch sie hatte keine Chance. Ihr Mann hatte den Tötungsvorsatz zu keinem Zeitpunkt aufgegeben. Aber sie war nicht mehr arglos“, begründete der Vorsitzende die Aufteilung des Urteils in Mordversuch und Totschlag. Auf das Strafmaß habe dies indes keinen Einfluss: „Der Unrechtsgehalt ist der Gleiche, wie wenn er sie im Schlaf erwürgt hätte.“ Dann wäre dem Opfer aber wenigstens die Todesangst erspart geblieben.

Mord oder Totschlag

  • Strafmaß:

    Bei einem Mord kann das Urteil nach deutschem Strafrecht nur lebenslänglich lauten. Bei Totschlag beträgt die Straferwartung in der Regel fünf bis 15 Jahre.

  • Merkmale:

    Um einen Angeklagten wegen Mordes zu verurteilen, muss mindestens eines der sogenannten Mordmerkmale vorliegen. Dazu zählen unter anderem Mordlust, Grausamkeit, Heimtücke oder niedere Beweggründe. (mov)

Von niederen Beweggründen ging die Kammer nicht aus: Der voll schuldfähige Angeklagte habe wohl aus einer „Gemengelage von Gefühlen wie Eifersucht, Enttäuschung, Wut und Verlustängsten heraus gehandelt.“ Nach der Tat ging er zur Polizei und meldete: „I killed my wife.“ Seine detaillierten Angaben bei der Kripo sah das Gericht als verwertbar an. Vor Gericht hatte der 32-Jährige zur Sache geschwiegen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht